EZB steuert mit ruhiger Hand

veröffentlicht am 29. Oktober 2020

EZB steuert mit ruhiger Hand

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) steuert die Geldpolitik trotz der neuen Corona-Welle weiter mit „ruhiger Hand” und ließ alle geldpolitischen Instrumente unverändert.

Das Pandemie-Notfallankaufprogramm namens PEPP umfasst weiterhin 1,35 Billionen EUR und läuft solange, bis die Corona-Krise überstanden ist. Mindestens jedoch bis Ende Juni 2021.

Das „normale” Anleihekaufprogramm namens APP bleibt bei monatlich 20 Mrd. EUR plus 120 Mrd. EUR extra und soll am Jahresende auslaufen.

Auch bei den Leitzinsen gab es erwartungsgemäß keine Änderungen. Der Einlagesatz für Banken (“Strafzins”) liegt bei minus 0,50%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00% und der Ausleihsatz bei 0,25%. Die Leitzinsen werden so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben, bis die Inflationsrate wieder den Zielwert von „nahe aber unter 2%” erreicht hat.

Im Dezember überarbeitet die EZB ihre gesamtwirtschaftlichen Projektionen. Angesichts zuletzt rasant steigender Infektionszahlen und erster neuerlicher Lockdowns ist davon auszugehen, dass sie die Wachstumsschätzungen nach unten revidiert. Und die Inflationsraten werden auch 2021 den Zielwert nicht erreichen.

Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass das PEPP-Programm am 10. Dezember deutlich aufgestockt und bis zum Jahresende 2021 verlängert wird.

Das Zinstief wird noch sehr lange anhalten. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht in Sicht.

Hintergrund:

Die EZB steuert den Geldmarktsatz mittlerweile überwiegend mit den Konditionen der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte.

LTROs, TLTROs und PELTROs

Mit den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (longer-term refinancing operations, LTROs) wurde die Zeit bis zur Begebung der dritten Reihe gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (targeted longer-term refinancing operations, TLTROs) im Juni überbrückt.

Die am 30. April beschlossenen Finanzspritzen namens PELTROs (pandemic emergency longer-term refinancing operations) laufen in sieben Tranchen von Mai 2020 bis zum 3. Quartal 2021.

APP reaktiviert und aufgestockt

Die Anleihekäufe werden verstärkt fortgesetzt. Im Rahmen des im November 2019 reaktivierten APP-Programms (asset purchase programme) erwirbt die EZB monatlich Anleihen für 20 Mrd. EUR. Am 12. März wurde das APP bis zum Jahresende um 120 Mrd. EUR aufgestockt.

PEPP im Juni aufgestockt

Am 18. März beschloss die EZB ein Programm namens PEPP (pandemic emergency purchase programme). Es umfasst nach der Aufstockung im Juni nunmehr Anleihekäufe im Volumen von 1.350 Mrd. EUR und läuft bis Juni 2021.

Beim PEPP-Programm weicht die EZB vom bisher verwendeten Kapitalschlüssel ab. Bei den bisherigen Anleihekäufen mussten diese so strukturiert werden, dass sie den Anteilen der Euro-Länder am Kapital der EZB entsprachen. Nun können gezielt die Anleihen erwerben, deren Rendite nach Ansicht der EZB zu hoch ist. So wurden im April und Mai verstärkt italienische Staatsanleihen gekauft, als deren Renditeabstand (Spread) zu Bundesanleihen sich (zu) stark ausweitete.

Die Anleihekäufe unterstützen die Leitzinspolitik und werden solange vorgenommen, “wie dies für die Verstärkung der akkommodierenden Wirkung seiner Leitzinsen erforderlich ist”. Sie sollen allerdings beendet werden, kurz bevor die erste Leitzinserhöhung ansteht. Das dürfte noch Jahre dauern.