Kanada: Notenbank reduziert Anleihekäufe

veröffentlicht am 28. Oktober 2020

Kanada: Notenbank reduziert Anleihekäufe

Die Bank of Canada (BoC) ließ den Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 0,25%. Sie will ihn erst wieder anheben, wenn die Inflationsrate nachhaltig den Zielwert von 2% erreicht hat. Dies wird nach Einschätzung der BoC nicht vor 2023 sein.

BoC reduziert Anleihekäufe

Der geldpolitische Instrumentenkasten besteht in Kanada aus sehr niedrigen Leitzinsen und der Bereitstellung zusätzlicher Liquidität. So kaufte die BoC bisher jede Woche für mindestens 5 Mrd. Kanadische Dollar (CAD) Anleihen des Staates, der Provinzen und der Unternehmen.

Die Summe wird nun auf mindestens 4 Mrd. CAD pro Woche reduziert. Dafür werden allerdings verstärkt länger laufende Anleihen erworben.

Kanada-Dollar als Ölwährung unter Druck

Der Kanadische Dollar, auch „ Loonie” genannt, wird zu den sogenannten „Ölwährungen” gezählt, da Kanada große Rohölreserven besitzt. Diese bewegen sich häufig im Gleichschritt mit dem Preis für ein Barel Rohöl.

So stürzte der Loonie im Zuge des Ölpreiseinbruchs im Frühjahr regelrecht ab. Mit der Erholung des Ölpreises zog er zwar wieder an. Für eine nachhaltige Erholung reichte es jedoch nicht. Seit Jahresbeginn hat er gegenüber dem Euro gut 6% eingebüßt.

In der Annahme, dass sich der Ölpreis weiterhin zwischen 40 und 50 USD pro Barrel bewegen wird, besitzt der Kanadische Dollar kurzfristig wenig Erholungspotenzial.

Ein Anstieg auf das Vor-Corona-Niveau dürfte dem Loonie erst gelingen, wenn die Weltwirtschaft wieder kräftig expandiert und die Rohstoffpreise dementsprechend anziehen.

2. Quartal: Schwerer Einbruch

Kanada belegte 2019 mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2.298 Mrd. Kanadischen Dollar bzw. 1.736 Mrd. US-Dollar den 11. Platz in der BIP-Weltrangliste.

Zu Jahresbeginn schrumpfte das kanadische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,1% zum Vorquartal bzw. 0,9% zum Vorjahr. Im Zuge der Corona-Pandemie brach das BIP im 2. Quartal um 11,5% ein. Im Vergleich zum Vorjahr waren es sogar 13%.

Mehr als acht Minus-Prozentpunkte steuerten die privaten Haushalte bei. Den um mehr als 10% gesunkenen Konsumausgaben stand eine auf 28% geschnellte Sparquote gegenüber.

3. Quartal: Kräftige Erholung

Eine Kombination aus niedrigen Zinsen und gezielten Konjunkturprogrammen brachte Kanada im Sommer auf den Wachstumspfad zurück.

Seit Mai ließ sich eine klar aufwärtsgerichtete Tendenz beim BIP feststellen. Die monatlichen Zuwächse des BIP lagen im Mai bei 4,8%, im Juni bei 6,5% und im Juli bei 3%.

Vor diesem Hintergrund dürfte das BIP im 3. Quartal kräftig gestiegen sein. Erwartet wird ein Quartalsplus von etwa 10%. Das Statistikamt Kanadas veröffentlicht die entsprechenden Daten am 1. Dezember.

BIP 2020: minus 5,7%

Die BoC rechnet für 2020 mit einem BIP-Minus von 5,7%, dem Anstiege von 4,2% in 2021 und 3,7% in 2022 folgen sollen. Wir halten diese Werte für realistisch.

Inflation über der Nulllinie

Die Inflationsrate erholte sich im September auf 0,5%. Sie wird gemäß den Projektionen der BoC in diesem Jahr im Durchschnitt bei 0,6% liegen und 2021 auf 1,0% steigen. Für 2022 wird ein Wert von 1,7% erwartet.

Der Zielwert von 2% dürfte bis 2023 verfehlt werden.

Haushaltsdefizit schnellt nach oben

Das Haushaltsdefizit dürfte Corona-bedingt in diesem Jahr auf knapp 12% des BIP emporschnellen.

Auch das Leistungsbilanzdefizit wächst. Der Fehlbetrag wird nach Einschätzung des IWF 2020 auf 3,7% des BIP steigen, im nächsten Jahr jedoch wieder auf 2,3% zurückgehen.

Die kanadische Staatsverschuldung liegt mit 88% des BIP ungefähr auf europäischem Niveau.