Niedrigere Währungsabsicherungskosten eröffnen Anleiheinvestoren neue Möglichkeiten

veröffentlicht am 13. Oktober 2020

Niedrigere Währungsabsicherungskosten eröffnen Anleiheinvestoren neue Möglichkeiten

Anleiheinvestoren wollen möglichst niedrige Wertschwankungen ihrer Anlagen. Im Vordergrund steht die erwartete Rendite, die sich aus dem Zinskupon und der Kursdifferenz zwischen Kaufkurs und Rückzahlungskurs bei Fälligkeit ergibt. In Zeiten niedrigerer beziehungsweise negativer Zinsen gewinnt der Blick über den heimischen Markt hinaus an Gewicht. Dies gilt insbesondere für europäische Anleger, vor allem aufgrund der Tatsache, dass der europäische Anleihemarkt im Vergleich zum US-Markt eher klein ist. So ist alleine das Volumen der umlaufenden US-Dollar-Unternehmensanleihen rund neun mal so groß wie das ihrer auf Euro lautenden Pendants. Viele interessante Segmente gibt es aber nur in Form von USD-Anleihen, die für Euro-Anleger mit einem Währungsrisiko verbunden sind. Gerade bei qualitativ höheren Anleiheinvestments dürften Investoren möglichst niedrige Einflüsse durch Währungsveränderungen bevorzugen, denn das eigentliche Ziel des Anleihekaufes ist ja eine möglichst schwankungsarme verzinsliche Anlage. Bei riskanteren Anleiheinvestments, z.B. im Hochzinsbereich, sieht es anders aus, hier sind kompensatorische Einflüsse von der Währungsseite ähnlich wie bei Aktienportfolien vom Anleger häufig sogar gewünscht und akzeptiert. Ein Beispiel sind hier zum Beispiel US-Hochzinsanleihen, die in Folge der Finanzkrise 2008 aufgrund steigender Risikoprämien im Kurs litten. Die Kursverluste wurden für europäische (Euro-) Anleger, die ihre Positionen nicht währungsgesichert hatten, durch die Effekte eines stärkeren US-Dollars (Aufwertung wegen eines „Flucht in die Sicherheit-Effektes”) (teilweise) kompensiert.

Bei risikoärmeren Anleihen (Anleihen sehr guter und guter Bonität) sind derartige Währungsschwankungen unerwünscht, wenn der Währungseffekt nicht im Vordergrund stehen soll. Mögliche Schwankungen aus Währungsveränderungen müssen jedoch für Anleger kein Grund sein, von Fremdwährungsinvestments Abstand zu nehmen und sich auf den sehr viel kleineren Heimatmarkt zu beschränken. Die Lösung heißt Währungsabsicherung („Hedging”). Angesichts im historischen Vergleich niedriger Kupons kommt den Kosten hierfür eine entscheidende Bedeutung zu.

Die Kosten für die Währungsabsicherung richten sich, kleinere Positionen wie Transaktionskosten vernachlässigt, im Wesentlichen nach der Differenz der Zinssätze der beiden betrachteten Währungen, da die Währungsposition über entsprechende Zinsswaps (Tauschgeschäfte von Zahlungsströmen zwischen Banken) abgesichert wird. Der Preismechanismus des Swaps ist folgendermaßen: Die Währung mit dem niedrigeren Zinssatz wechselt zu einem höheren Wechselkurs zum Ablauf des Swaps den Besitzer. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass Währungen mit einem höheren Zins gegenüber der mit einem niedrigeren Zins im Laufe der Zeit abwerten müssen (Zinsparitätentheorie). Ganz konkret: Liegt der Zinssatz (z.B. Geldmarktsatz 3 Monate) in den USA bei 2,5% p.a., in der Euro-Zone dagegen bei minus 0,25% p.a., würde die Absicherung der US-Dollar-Position für den Euro-Anleger 2,75% p.a. kosten (Transaktionskosten außen vor gelassen). Derartige Zinsdifferenzen kamen in den vergangenen Jahren häufig vor, da die Ultraniedrigzinsphase in Europa deutlich früher eingesetzt hat. Nachdem die US-Notenbank im Zuge der COVID-19-Pandemie jedoch ihre Geldpolitik weiter extrem gelockert hat, ist der Zinsvorsprung im US-Dollar gegenüber dem Euro stark geschrumpft.

Die Folge: Die Absicherungskosten des US-Dollars sind für den Euro-Anleger in den vergangen 12 Monaten stark gesunken: Liegt der US-Geldmarktzins (3 Monate) jetzt bei 0,22% p.a. , in der der Euro-Zone dagegen bei minus 0,50 %p.a., fallen die Absicherungskosten mit 0,72% p.a. (Transaktionskosten außer Betracht) für die US-Dollarposition im historischen Vergleich der vergangenen Jahre moderat aus.

Was hat das für Konsequenzen für den sicherheitsorientierten Euro-Anleger? Mit den gesunkenen US-Dollarabsicherungskosten gibt es neue Anlagemöglichkeiten für ihn. Bei 3% Absicherungskosten p.a. war eine Zinsanlage, die vielleicht 3,5% p. a. im Jahr Ertrag brachte, wenig attraktiv, da fast der gesamte Ertrag durch die Währungsabsicherung absorbiert wurde. Mit Absicherungskosten von 0,72% p.a. wird beispielsweise ein Investmentfonds mit US-Kommunalanleihen, der bei guter Bonität eine Renditeerwartung von gut 2% p-a. in USD hat, hoch attraktiv: 1,3 % p.a. Rendite im Jahr nach Währungsabsicherungskosten sind attraktiv für einen Euro-Anleger, der für ein europäisches Portfolio vergleichbarer Qualität lediglich eine Verzinsung von rund 0,1 % p.a. erhalten wurde. Auch bietet der US-Unternehmensanleihemarkt aufgrund seiner Größe und Tiefe ein deutlich größeres Angebot als der Euro-Unternehmensanleihemarkt.

Investmentfonds bieten entsprechende Produkte an, bei denen die Währungsabsicherung bereits im Fonds vorgenommen wird.

Fazit: Die gesunkenen Währungsabsicherungskosten bieten gerade für sicherheitsorientierte Anleger neue Möglichkeiten.