Die US-Präsidentschaftswahl

Die US-Präsidentschaftswahl

 

In den USA wird der Präsident immer in einem geraden Jahr am Dienstag nach dem ersten Montag im November gewählt. So wurde es 1845 im „Presidential Election Day Act” festgelegt. Damit finden die Wahlen 2020 am 3. November statt.

Wer wird gewählt?

Abgestimmt wird über den Präsidenten und den Kongress. Zudem stehen in elf Bundesstaaten die Gouverneure zur Wahl.

Der Kongress besteht aus dem Repräsentantenhaus und dem Senat. Der Senat ist die Vertretung der 50 Bundesstaaten. Während alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus neu vergeben werden, ist ein Drittel des 100-köpfigen Senats neu zu besetzen.

Die Amtszeit der Abgeordneten des Repräsentantenhauses beträgt vier Jahre. Die Senatoren dagegen sind für sechs Jahre gewählt. Alle zwei Jahre muss sich allerdings ein Drittel von ihnen zur Wahl stellen.

Wer kandidiert?

Für die Republikanische Partei treten Donald Trump und sein Vertreter Mike Pence an. Die Demokratische Partei schickt Joe Biden ins Rennen. Seine Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten ist Kamala Harris.

Neben Trump und Biden gibt es weitere Präsidentschaftskandidaten von der Libertären Partei, der Grünen Partei sowie diverse Einzelbewerber.

Wie wird gewählt?

Der Präsident wird nicht direkt gewählt, sondern 41 Tage nach dem Wahltag vom „Electoral College” bestimmt. Dieses Gremium besteht aus 538 Wahlleuten aus allen 50 Bundesstaaten. Je mehr Einwohner ein Bundesstaat hat, umso mehr „Wahlmänner” werden entsandt. Wer im Electoral College mindestens 270 Wahlleute hinter sich bringt, wird US-Präsident.

Wähler entscheiden über Wahlleute

Die Wähler entscheiden also darüber, welche Partei die Wahlleute des eigenen Bundesstaates bekommt. Dabei gilt das Mehrheitswahlrecht. Nach dem Winner-takes-all-Prinzip gehen alle Wahlmänner eines Bundesstaates an die Mehrheitspartei. Egal, ob sie mit knapper oder großer Mehrheit gewonnen hat.

Landesweite Umfragen wenig aussagekräftig

Vor diesem Hintergrund sind landesweite Umfragen wenig zielführend. Aktuellen Prognosen zufolge liegt Joe Biden mit bis zu 10 Prozentpunkten vor Donald Trump. Dieser enorme Vorsprung ist allerdings nichts wert, falls Trump in den sogenannten „Swing-States” mit knapper Mehrheit sämtliche Wahlleute bekommt und Biden in sehr großen Bundesstaaten wie Kalifornien haushoch gewinnt.

Zur Erinnerung: Bei den Präsidentschaftswahlen 2016 bekam Hillary Clinton etwa 3 Mio. Stimmen mehr als Donald Trump. Trump hatte jedoch die meisten Wahlmänner und wurde Präsident.

Bundesstaaten-Prognosen sind interessant

Von großer Bedeutung sind daher die Umfrageergebnisse in den Bundesstaaten. Insbesondere dort, wo sich knappe Mehrheiten abzeichnen. So liegt Biden derzeit in Florida knapp vorne, während Trump in Texas einen kleinen Vorsprung hat. Beide Bundesstaten sind von besonderem Interesse, weil sie relativ viele Wahlleute stellen. In Florida sind es 29, in Texas sogar 38.

Die Gesamtheit der von der Nachrichtenwebsite FiveThirtyEight zusammengestellten Prognosen aus den einzelnen Bundesstaaten deutet darauf hin, dass Joe Biden der nächste Präsident der USA wird. Sicher ist es jedoch keinesfalls.

Was ist von den Kandidaten zu erwarten?

Joe Biden plant, bestimmte Steuern zu erhöhen. So soll die Unternehmenssteuer, die von Trump von 35 % auf 21 % reduziert wurde, auf 28 % angehoben werden. Höhere private Einkommen dürften zudem wieder stärker besteuert werden. Die (in zehn Jahren) angestrebten Mehreinnahmen von 3,5 bis 4 Billionen USD dürften für die Stärkung des Gesundheitssystems, für Infrastrukturinvestitionen sowie auch zum Abtrag der massiv steigenden Staatsschulden verwendet werden. Ein 700 Mrd. USD schweres Konjunkturprogramm soll die Nachfrage nach in den USA produzierten Gütern steigern sowie die Forschung und Entwicklung neuer Technologien beschleunigen. Der Mindestlohn soll auf 15 USD erhöht werden.

Von Donald Trump ist kein spezielles Programm bekannt. Er wird unverändert auf „America First” setzen und versuchen, den Außenhandel weiterhin zum Vorteil der USA einzusetzen. Der Handelsstreit mit China und Europa sollte sich daher fortsetzen. Das Hauptziel Trumps dürfte darin bestehen, Chinas Vormarsch zur ökonomischen, politischen und militärischen Weltmacht Nummer Eins zu verhindern. Innenpolitisch versucht Trump mit einer kompromisslosen Politik von „Law and Order” zu punkten.

Handelspolitik wenig verändert

Das politische Klima zwischen Europa und den USA dürfte bei einem Wahlsieg Trumps frostig bleiben.

Allerdings ist davon auszugehen, dass auch ein Präsident Biden die Strafzölle und Handelsbeschränkungen und nicht sofort beseitigen wird. Der Umgang der US-Regierung mit den Partnerländern dürfte jedoch unter Biden wieder verbindlicher werden.

Kongress für Wirtschaftspolitik zuständig

Die Wirtschaftspolitik ist Aufgabe des Kongresses, sobald der Staatshaushalt betroffen ist. Vieles wird also davon abhängen, ob eine Partei die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses erhält.

Rote oder blaue Welle?

Rot ist in den USA traditionell die Farbe der Republikaner, blau die der Demokraten. Aktuell haben die Roten unter Trump eine Mehrheit von drei Stimmen im Senat, die Blauen dominieren das Repräsentantenhaus. Der Kongress ist also rot-blau.

Rote Welle: Republikaner mit doppelter Mehrheit

Sollte es zu einer „roten Welle” kommen, indem die Republikaner auch die Mehrheit im Repräsentantenhaus erzielen, könnte Trump „durchregieren”. Ein Präsident Biden dagegen hätte in dieser Konstellation kaum Möglichkeiten, seine Politik durchzusetzen. Eine „rote Welle” ist wenig wahrscheinlich.

Blaue Welle: Demokraten mit doppelter Mehrheit

Sollten die Demokraten eine „blaue Welle” generieren, indem sie auch im Senat die Mehrheit erringen, dürfte ein wiedergewählter Präsident Trump wenig Spielraum haben. Ein Präsident Biden dagegen könnte an die Umsetzung seiner Ziele gehen. Allerdings wären auch hier Grenzen gesetzt, weil für manche Gesetze im Senat eine Supermehrheit von 60 % erforderlich ist. Ob die Demokraten diese Anzahl zusätzlicher Sitze erringen, darf bezweifelt werden. Eine „blaue Welle” hat allerdings aus aktueller Sicht eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit.

Blau-Rote Welle: Keine Mehrheit im Kongress

Die Demokraten würden wie bisher das Repräsentantenhaus und die Republikaner den Senat dominieren. Diese Konstellation hat ebenfalls eine erhöhte Eintrittswahrscheinlichkeit.

Wie reagieren die Märkte?

Kurzfristig dürften Aktien und Anleihen bei einem eindeutigen Wahlergebnis positiv reagieren. Da Trump als der wirtschaftsfreundlichere Kandidat gilt, sollten bei seiner Wiederwahl die Kursgewinne ausgeprägter sein.

Negativ wäre ein sehr knapper Wahlausgang, dem eine wochen- oder monatelange Hängepartie folgt. Die Märkte dürften in diesem Fall vorübergehend deutlich nachgeben.

Mittel- und längerfristig dürfte es für die Märkte eine untergeordnete Rolle spielen, wer US-Präsident wird. Das Geschehen wird weiterhin von der US-Notenbank dominiert, die an ihrer extrem expansiven Geldpolitik festhält und die Zinsen am Boden hält. Die Fiskalpolitik wird über staatliche Hilfs- und Konjunkturprogramme ebenfalls expansiv bleiben. Vor diesem Hintergrund bleiben die Fundamentaldaten grundsätzlich positiv und dürften die Märkte stützen.

Welche Branchen profitieren oder leiden?

Bei einer Wiederwahl Trumps gelten die Banken sowie die Sektoren Gesundheit, Energie und Telekommunikation als „Gewinner”. Die angeschlagene Ölindustrie könnte weitere Unterstützung aus dem Weißen Haus erhalten. Die Technologieriesen dagegen dürften darunter leiden, dass die bereits laufenden Bestrebungen verschärft werden, ihre monopolistischen Strukturen zu schleifen.

Sollte Biden die Wahl gewinnen, könnte das Interesse für erneuerbare Energien deutlich zunehmen, da die Demokraten einen „Green New Deal” auf ihre Fahne geschrieben haben.

Der Bereich Infrastruktur dürfte von zusätzlichen staatlichen Investitionsprogrammen profitieren, unabhängig davon, wer Präsident wird.

Sollten die Anleger auf die US-Wahl reagieren?

Da der Ausgang der Wahl sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht bzw. nur mit großen Unsicherheiten prognostizieren lässt, erscheint uns eine scharfe Positionierung nicht vertretbar. Dies käme eher einer Wette gleich, die wir nicht eingehen wollen. Dennoch ergeben sich für uns Leitlinien, die wir entsprechend umsetzen:

  • Die langfristige Aufteilung der Anlagen bleibt unverändert, da die systemische Stellung der USA nicht in Frage zu stellen ist.
  • Insgesamt empfehlen wir derzeit keine Übergewichtung von Aktien. Dies begründet sich allerdings nicht ausschließlich mit der US-Wahl, sondern auch mit der mittlerweile erreichten hohen Bewertung von Aktien.
  • Angesichts eines nicht auszuschließenden unklaren Ergebnisses empfehlen wir Zurückhaltung bei US-Aktien des breiten Marktes (S&P 500).
  • Die Auswahl von strukturellen Wachstumsthemen bleibt angesichts des langfristigen Anlagehorizontes unverändert auch wenn sie häufig hohe US-Anteile aufweisen.
  • Mögliche Verunsicherungen durch das Wahlergebnis (Hängepartie) könnten mit einer höheren Schwankungsintensität einhergehen. Dies würden wir dann aktuell bewerten und Stand heute für den Aufbau von Beständen nutzen.