Australien: Leitzins bleibt bei 0,25%

veröffentlicht am 6. Oktober 2020

Australien: Leitzins bleibt bei 0,25%

Die Reserve Bank of Australia (RBA) ließ den Leitzins im Oktober unverändert bei 0,25%. Auch die anderen Parameter der australischen Geldpolitik wurden nicht verändert. Die Beschlüsse entsprachen den Erwartungen.

Die RBA unterstrich erneut ihre Absicht, die Cash Rate erst wieder anzuheben, wenn Vollbeschäftigung herrscht und die Inflationsrate dauerhaft in die Zielzone von 2% bis 3% zurückgekehrt ist. Dies dürfte ziemlich lange dauern.

Zinskurvensteuerung

Im März folgte die RBA dem Beispiel Japans und ging zu einer aktiven Renditesteuerung über. Sie arbeitet seither mit einer Zielrendite von 0,25% bei der dreijährigen Staatsanleihe.

Um den Zielwert zu fixieren, kaufte die RBA Anfang September für weitere 2 Mrd. Australische Dollar (AUD) Staatsanleihen. Seit März summieren sich die Anleihekäufe auf 63 Mrd. AUD.

Zusatzliquidität für ADIS

Darüber hinaus stellt die RBA den als ADIS bezeichneten Kreditinstituten (authorized deposit-taking institutions) seit März zusätzliche Liquidität bereit. So können die ADIS bis zu 2% ihrer Kredite bei der Notenbank zu 0,25% für drei Jahre refinanzieren. Diese Term Funding Facility wird bis Juni 2021 angeboten. Von den bereitstehenden 200 Mrd. AUD riefen die ADIS bisher 81 Mrd. AUD ab.

Kein “Wachstumsweltmeister” mehr

Mit der Corona-Pandemie endet die fast drei Jahrzehnte währende Phase als “Wachstumsweltmeister”. Seit Anfang 1992 übertraf das australische BIP nämlich stets den Wert des jeweiligen Vorjahresquartals.

Konjunktureinbruch

Australien verzeichnete im 2. Quartal den stärksten konjunkturellen Einbruch seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1959. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank zum Vorquartal um 7,0% auf 468 Mrd. Australische Dollar, nachdem es im 1. Quartal lediglich um 0,3% schrumpfte.

Schwere Einbußen gab es bei den privaten Konsumausgaben, die um 12,1% erodierten und einen negativen Wachstumsbeitrag von 6,7 Basispunkten (Bp) generierten. Durch die schwache Ausgabetätigkeit schnellte die Sparquote mit 19,8% auf den höchsten Stand seit 1975.

Während die Exporte um 6,7% schrumpften, gaben die Importe um 12,9% nach, so dass der Außenhandel einen positiven Außenbeitrag (= Export minus Import) von gut einem Basispunkt beisteuerte.

BIP 2020: minus 3,5%

In der Annahme, dass auch in Australien im abgelaufenen 3. Quartal eine deutliche konjunkturelle Erholung stattfand, dürfte das BIP im Gesamtjahr 2020 lediglich um 3,5% schrumpfen. Im nächsten Jahr halten wir ein Plus von 2,0% für realistisch.

Die Notenbank wird im November ihre überarbeiteten Prognosen präsentieren.

China wichtigster Handelspartner

Positive Impulse werden weiterhin von der bereits im 2. Quartal erfolgten konjunkturellen Erholung in China erwartet. Das Reich der Mitte ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Australiens. Der bilaterale Handel macht rund 45% des australischen BIP aus, rund ein Drittel der Exporte Australiens geht nach China. Ein Großteil der Ausfuhren besteht aus Kohle.

A-Dollar deutlich erholt

Der Australische Dollar ging im März in den freien Fall über, hat sich zuletzt jedoch wieder erholt. Er weist gegenüber dem Euro im bisherigen Jahresverlauf ein Minus von 3% auf.

Mit einer weiteren Erholung des A-Dollar rechnen wir erst, wenn die Weltwirtschaft wieder Fahrt aufnimmt und die Rohstoffpreise entsprechend steigen.

Inflationsrate unter Null

Wegen des Einbruchs der Energiepreise fiel die Inflationsrate im Juni unter die Nulllinie auf minus 0,3%. Eigentlich sollen die Verbraucherpreise gemäß RBA jährlich um 2% bis 3% steigen.

Nach Einschätzung der RBA wird die Teuerungsrate zunächst leicht negativ bleiben und sich in den nächsten Jahren zwischen 1,0% und 1,5% bewegen.

Solide Staatsfinanzen

Die Staatsschuldenquote (41% des BIP) und das Haushaltsdefizit (1,5% des BIP) bewegen sich auf moderaten Niveaus.

Der Minuspunkt im fundamentalen Datenkranz ist die defizitäre Leistungsbilanz. Im laufenden Jahr dürfte sich die Unterdeckung nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds auf gut 2% des BIP belaufen.