Neuseeland: Notenbank schnürt monetäres Vorsorgepaket

veröffentlicht am 28. September 2020

Neuseeland: Notenbank schnürt monetäres Vorsorgepaket

Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) ließ den Leitzins Ende September erwartungsgemäß unverändert bei 0,25%. Dort verharrt die Official Cash Rate (OCR) bereits seit März.

Negativer Leitzins zum Jahresende?

Weitere Leitzinssenkungen werden nicht ausgeschlossen. Die RBNZ kann sich sogar eine negative OCR vorstellen. Nach ihrer Einschätzung hat sich das Bankensystem bis zum Jahresende darauf eingestellt, mit negativen Leitzinsen umzugehen.

RBNZ kauft Anleihen

Zur expansiven Geldpolitik zählt auch der Erwerb von Anleihen. Im Mai weitete die RBNZ das Anleihekaufprogramm von 33 Mrd. Neuseeland Dollar (NZD) auf 60 Mrd. NZD aus. Im August wurde es auf 100 Mrd. NZD erhöht und bis Juni 2021 verlängert.

Monetäres Vorsorge-Paket

Darüber hinaus beschloss die RBNZ, ein monetäres Vorsorge-Paket zu schnüren. Es wird aktiviert, sobald weitere stimulierende Maßnahmen gegen die Corona-Krise erforderlich sein sollten.

Das Paket beinhaltet einen niedrigeren oder sogar negativen Leitzins, die Finanzierung von Retailbanken (Funding for Lending Programme, FLP), den Erwerb ausländischer Wertpapiere sowie Zins-Swaps.

Als besonders stimulierend sieht die RBNZ eine Kombination aus FLP und negativem Leitzins.

Kiwi schwach

Der Wechselkurs des Neuseeland Dollar („Kiwi”) stürzte im Frühjahr regelrecht ab. Danach erholte er sich kräftig, ehe er im Spätsommer einen erneuten Schwächeanfall erlitt.

Seit Jahresbeginn hat der Kiwi zum Euro gut 6% verloren.

Fazit vorweg: Angesichts des Zwillingsdefizits (Haushalt und Leistungsbilanz defizitär) und möglicher weiterer Leitzinssenkungen dürfte der Neuseeland Dollar kurzfristig wenig Erholungspotenzial besitzen.

Vom Wachstumspfad abgekommen

Aotearoa, das „Land der langen weißen Wolke”, lag 2019 mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 305 Mrd. Neuseeland Dollar (NZD) bzw. 205 Mrd. USD auf Platz 48 der BIP-Weltrangliste.

Neuseeland hat 4,75 Mio. Einwohner und befand sich seit 2009 auf einem beeindruckenden Wachstumspfad, der angesichts der Corona-Pandemie zu Jahresbeginn verlassen wurde.

BIP 2020: minus 6%

Im Gesamtjahr 2019 wuchs das BIP noch um 2,3%. Im Frühjahr geriet Neuseeland dann in den globalen Corona-Abwärtssog.

Allerdings fiel der Absturz im 2. Quartal etwas geringer aus als befürchtet. Sowohl zum Vorquartal als auch zum Vorjahr sank das BIP „nur” um gut 12%.

In der Annahme, dass auch Neuseeland im laufenden Halbjahr von einer kräftigen konjunkturellen Erholung erfasst worden ist, rechnen wir für 2020 mit einem Rückgang des BIP von 6%, dem 2021 ein Zuwachs von 5% folgen sollte.

Inflationsrate am unteren Rand

Die Inflationsrate lag im Juni mit 1,5% im unteren Bereich der von 1% bis 3% reichende Zielzone der RBNZ. Es ist davon auszugehen, dass sie zunächst weiter sinken und sich im weiteren Jahresverlauf in der Nähe der Nulllinie bewegen wird. Im Jahresdurchschnitt dürfte sie bei gut 1% liegen.

Zwillingsdefizit

2020 ist ein sogenanntes „Zwillingsdefizit” zu erwarten: Sowohl der Staatshaushalt als auch die Leistungsbilanz werden defizitär sein.

So wandelt sich der 2019-er Haushaltsüberschuss von 2,2% des BIP in diesem Jahr in ein Defizit von mehr als 5%. Die bisher recht moderate Staatsschuldenquote von rund 30% des BIP wird deutlich steigen.

Die Leistungsbilanz bleibt der Schwachpunkt des neuseeländischen Datenkranzes. In diesem Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds mit einem Defizit von 4,5% des BIP, das sich in den Folgejahren wieder in Richtung von 3% reduzieren soll.