ifo Geschäftsklima: Konjunkturuhr bleibt auf „Boom“

veröffentlicht am 24. September 2020

ifo Geschäftsklima: Konjunkturuhr bleibt auf „Boom“

Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im September weiter verbessert. Der vom Münchener ifo Institut ermittelte Geschäftsklimaindex lag mit 93,4 Punkten um 0,9 Zähler über dem Stand des Vormonats. Es ist der fünfte Anstieg in Folge.

Beide Subindizes entwickelten sich positiv. Zum Vor-Corona-Niveau fehlen dem ifo Geschäftsklimaindex allerdings immer noch einige Punkte.

Erwartungen weiter aufgehellt

Besonders erfreulich waren die erneut leicht aufgehellten Erwartungen, die mit 97,7 Punkten (+0,5) weiterhin auf dem Niveau von Ende 2018 liegen.

Lage bleibt schlecht

Die aktuelle Lage wird mit 89,2 Punkten (+1,3) zwar wieder etwas besser beurteilt, ist aber immer noch deutlich schlechter als vor der Pandemie.

Die September-Daten unterstreichen unsere Einschätzung, dass der im Frühsommer begonnene kräftige Aufschwung anhält und sich in abgeschwächter Form im nächsten Jahr fortsetzt.

Das ifo Institut rechnet für das Gesamtjahr 2020 mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 5,2%. Damit würde der Einbruch heute geringer ausfallen als nach der Finanzmarktkrise 2009.

Dienstleister weniger zuversichtlich

Im Dienstleistungssektor trübte sich das Geschäftsklima insgesamt ein. Die Lage wurde zwar etwas besser eingeschätzt, die Erwartungen wurden jedoch zurückgeschraubt.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Stimmung deutlich gestiegen. Immer mehr Unternehmen erwarten, das sich die Lage verbessert.

Im Handel hat sich das Geschäftsklima stark verbessert. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen wurden besser beurteilt.

Auch im Bauhauptgewerbe ging es bergauf. Die Lage wurde wieder sehr gut eingeschätzt, die Erwartungen sind etwas weniger pessimistisch als im Vormonat.

Stabilisierung

“Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich trotz steigender Infektionszahlen ” …

… kommentierte das ifo Institut die aktuellen Daten.

Konjunkturampel auf grün

Die konjunkturellen Perspektiven bleiben gut. Die ifo Konjunkturampel steht weiterhin auf Grün und signalisiert mit einer fast 100%igen Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft expandiert.

Konjunkturuhr auf „Boom”

Auch die ifo Konjunkturuhr sendet weiterhin positive Signale, denn sie blieb im September im Quadranten „Boom”.

Hintergrund:

ifo als Frühindikator

Der ifo Geschäftsklimaindex gilt als der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Er wird bereits seit den fünfziger Jahren erhoben und setzt sich aus den beiden Komponenten “Lage” und “Erwartung” zusammen. Gefragt werden monatlich rund 9000 Unternehmen. Diese beurteilen die aktuelle Lage sowie die Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Als Antwortmöglichkeiten stehen zur Wahl: gut / befriedigend / schlecht (bei der Lageeinschätzung) bzw. günstiger / gleich bleibend / ungünstiger (bei den Erwartungen). Aus den Antworten wird der Geschäftsklimaindex berechnet.

„Der ifo” wurde 2018 neu aufgesetzt

Der “ifo Geschäftsklimaindex für die Gewerbliche Wirtschaft” wurde im Frühjahr 2018 durch das “ifo Geschäftsklima Deutschland” ersetz. Bildete “der ifo” zuvor lediglich die Lage und die Erwartungen des gewerblichen Sektors (Industrie, Bau, Groß- und Einzelhandel) ab, so umfasst er seither auch den Dienstleistungssektor. Dieser wurde vorher separat erfasst. Darüber hinaus erfolgte die Umstellung des Basisjahres von 2005 auf 2015.

Mit der Einbeziehung der Dienstleistungen repräsentiert der “neue ifo” einen deutlich größeren Bereich der deutschen Wirtschaft, denn der Dienstleistungssektor alleine generiert rund zwei Drittel der Bruttowertschöpfung in Deutschland. Der “neue ifo” hat folgende Gewichtungen: Dienstleistungssektor 50,5%, Verarbeitendes Gewerbe 30,2%, Bauhauptgewerbe 6,0%, Großhandel 7,1% und Einzelhandel 6,2%. Durch die Hereinnahme des weniger schwankungsanfälligen Dienstleistungssektors wird der Index etwas “zusammengestaucht”, wie das ifo Institut schreibt. Der Verlauf ist jedoch nahezu identisch, denn die Korrelation zwischen altem und neuen ifo sei mit 0,98 sehr hoch.