Einkaufsmanagerindizes: Der Aufschwung verliert an Schwung

veröffentlicht am 23. September 2020

Einkaufsmanagerindizes: Der Aufschwung verliert an Schwung

Die Einkaufsmanagerindizes (PMI) in Deutschland, Frankreich und der Euro-Zone präsentierten sich im September in unterschiedlicher Verfassung.

Während sich die PMIs im industriellen Bereich teilweise kräftig verbesserten, ging es im Dienstleistungssektor massiv bergab.

Industrie auf dem Wachstumspfad

Die Einkaufsmanager im industriellen Sektor zeigten sich in Deutschlands mit 56,6 Punkten (+4,4) in blendender Verfassung. In Frankreich wurde mit 50,9 Punkten (+1,1) die Wachstumsschwelle wieder überwunden und in der gesamten Euro-Zone legte der industrielle PMI um 2 auf 53,7 Zähler zu. Die Industrie ist also auf dem Wachstumspfad.

Dienstleister auf Rezessionskurs

Im Servicebereich dagegen wurden kräftige Rücksetzer verzeichnet. In Deutschland und Frankreich rutschten die Service-PMI mit 47,6 (-2,9) bzw. 47,5 Punkten (-4,0) im September wieder klar unter die Wachstumsschwelle. So tauchte auch der Dienstleistungssektor der Euro-Zone mit 47,6 Zählern (-2,9) in den rezessiven Bereich ab.

Gesamtindizes uneinheitlich

Die Gesamtindizes (Composite) zeigten sich im September in uneinheitlicher Verfassung. Während die Composite-Indizes in Deutschland mit 53,7 Punkten (-0,7) und der Euro-Zone mit 50,1 Zählern (-1,8) im Wachstumsbereich blieben, schaltete der französische Composite PMI mit 48,5 Punkten (-3,1) wieder in den Rezessionsmodus.

Fazit: Trotz der uneinheitlichen Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes haben wir keine Zweifel, dass die aktuelle konjunkturelle Erholung anhält und die großen europäischen Volkswirtschaften auf dem Wachstumspfad bleiben. Der Aufschwung dürfte sich im nächsten Jahr in abgeschwächter Form fortzusetzen.

 

Hintergrund: Was ist ein PMI?

Einkaufsmanagerindizes sind auch als PMI (Purchasing Managers Index) bekannt. Sie gelten als recht zuverlässige Frühindikatoren für die kurzfristige konjunkturelle Entwicklung. PMI werden sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleitungssektor erhoben. Sie zeigen an, ob eine Volkswirtschaft wächst, stagniert oder schrumpft.

Einkaufsmanagerindizes basieren auf monatlichen Befragungen von mehreren hundert Unternehmen. Gefragt wird nach der erwarteten Entwicklung von Kenngrößen wie Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand. Aus den Antworten werden die PMI berechnet.

Dabei gilt ein Wert von 50 als Wachstumsschwelle, als neutral. Bei 50 Punkten erwarten die befragten Unternehmen in der Summe keine Veränderung gegenüber dem Vormonat, also Stagnation.

Werte über 50 signalisieren eine Verbesserung, also Wachstum.

Liegt ein industrieller PMI unter 50 Punkten, wird mit einer schrumpfenden Industrieproduktion gerechnet.

Je größer die Abweichung von der Wachstumsschwelle, desto ausgeprägter ist der Aufschwung (über 50) bzw. der Abschwung (unter 50).

Weniger als 50 Punkte = Rezession?

Nein. Eine Rezession tritt nicht unmittelbar bei 49,9 Industrie-Zählern ein, da die Industrie nur einen Teil der gesamten Volkswirtschaft darstellt. Der weitaus größere Teil der Wirtschaftsleistung entfällt auf den Dienstleistungssektor, der weniger schwankungsanfällig ist als der industrielle Sektor. In den USA gilt ein industrieller PMI von 43 als kritische Grenze . Erst bei dessen Unterschreitung dürfte eine Rezession vor der Tür stehen.

PMI für alle wichtigen Volkswirtschaften 

Einkaufsmanagerindizes werden für alle bedeutenden Volkswirtschaften erhoben. Der älteste ist der amerikanische Purchasing Managers Index, erstmals berechnet 1931.

PMI bewegen sich im Normalfall zwischen 40 und 60 Punkten. In Extremzeiten sind auch mal höhere oder tiefere Werte möglich.

Im Dezember 2017 kletterten der deutsche PMI auf den Rekordstand von 63,3 Punkten, während der Einkaufsmanagerindizes aus Chicago sogar fast die 67-er Marke erreichte.

In der aktuellen Corona-Krise fielen die Industrie-PMI in den unteren 30-er Bereich, die Dienstleister sogar bis auf die 10-er Linie.