Schweden: Leitzins bleibt bei 0,00%

veröffentlicht am 22. September 2020

Schweden: Leitzins bleibt bei 0,00%

Die Schwedische Notenbank Sveriges Riksbank ließ den Leitzins erwartungsgemäß unverändert bei 0,00%. Sie wird den Satz noch einige Jahre auf diesem Niveau lassen, ihn bei Bedarf jedoch auch wieder senken.

Mit der Anhebung des Repo-Satzes im Dezember vergangenen Jahres auf 0,00% endet die fast fünfjährige Periode negativer Leitzinsen in Schweden.

Riksbank kauft Anleihen

Zur Abfederung der Folgen der Corona-Pandemie beschloss die Schwedische Notenbank im März den Erwerb von Anleihen, um eine angemessene Kreditversorgung und niedrige Zinsen zu gewährleisten. Erworben werden Staatsanleihen, Kommunalanleihen und Unternehmensanleihen.

Ende Juni wurde das Programm von ursprünglich 300 Mrd. Schwedischen Kronen (SEK) auf 500 Mrd. SEK aufgestockt und bis Mitte 2021 verlängert.

Konjunktureinbruch im Frühjahr

Nach einem Quartalsplus von 0,2% zu Jahresbeginn sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 2. Quartal um 8,3% zum Vorquartal. Schwere Einbrüche gab es bei den Exporten (-18,2%), den Importen(-12,9%) und den privaten Konsumausgaben (-7,7%), die unter dem massiven Rückgang des verfügbaren Einkommens um 7,8% litten. Die Investitionen sanken um 4,5% und der Staatsverbrauch ermäßigte sich um 2,4%.

BIP 2020: minus 3,6%

Angesichts der im Sommer begonnenen Erholung dürfte Schweden im Gesamtjahr 2020 jedoch deutlich besser abschneiden als die meisten anderen Industrieländer.

Die Riksbank geht von einem Rückgang des BIP 2020 um 3,6% aus. In den beiden Folgejahren soll das BIP um jeweils 3,7% wachsen. Wir halten diese Prognosen für realistisch.

Insgesamt belegte das Königreich Schweden im Jahr 2019 mit einem Bruttoinlandsprodukt von 4.995 Mrd. Schwedischen Kronen (SEK) bzw. 529 Mrd. USD Platz 22 der BIP-Weltrangliste.

Inflationsziel weit verfehlt

Die Verbraucherpreise sollen sich in einer Spanne von einem Prozentpunkt um den Zielwert von 2% pendeln. Im August lag die Inflationsrate jedoch nur bei 0,7%. Als Messlatte dient der Riksbank die Inflationsrate ohne Hypothekenzahlungen CPIF. Für das Gesamtjahr 2020 wird ein Wert von 0,5% erwartet, dem 2021 ein Anstieg auf 1,2% folgen soll. .

Schwedische Krone deutlich erholt

Die Schwedische Krone hat sich zuletzt deutlich erholt. Sie markierte im März mit mehr als 11 SEK für einen Euro einen mehrjährigen Tiefstand. Noch schwächer war sie nur während der Weltwirtschaftskrise, als im März 2009 für einen Euro fast 12 Kronen gezahlt werden mussten.

Seit Jahresbeginn hat sie zum Euro knapp 1% aufgewertet. Gleichwohl ist sie immer noch weit von früheren Wechselkursverhältnissen entfernt.

Leistungsbilanzüberschuss bleibt

Die Leistungsbilanz bleibt ein dicker Pluspunkt innerhalb der schwedischen Fundamentaldaten. Im Gesamtjahr 2019 wies die schwedische Leistungsbilanz nach Angaben des IWF einen Überschuss von 3,9% des BIP auf. Im laufenden Jahr dürfte er zwar auf 2,2% des BIP abschmelzen, jedoch positiv bleiben.

Öffentliche Finanzen trüben sich ein

Die Staatsverschuldung verringerte sich seit Jahren und lag 2019 mit 37% des BIP auf einem moderaten Niveau. Sie dürfte wegen der Corona-Krise erst einmal nicht weiter sinken.

Der Staatshaushalt schloss das Jahr 2019 mit einem Überschuss von einem halben Prozent des BIP ab. Im Corona-Jahr 2020 rechnet die Riksbank mit einem Minus von etwa 7%.

Fazit: Die Unterstützung für die Krone kommt vor allem von den fundamentalen Daten. Diese sind verglichen mit anderen Volkswirtschaften recht gut. Eine nachhaltige Aufwertung der Krone dürfte jedoch erst stattfinden, wenn die Weltwirtschaft wieder Tritt fasst.