EZB lässt Leitzinsen und Anleihekaufprogramme unverändert

veröffentlicht am10. September 2020

EZB lässt Leitzinsen und Anleihekaufprogramme unverändert

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat bezüglich seiner Anleihekaufprogramme nichts Neues beschlossen. Das PEPP umfasst weiterhin 1,35 Billionen EUR und läuft mindestens bis Ende Juni 2021. Auf jeden Fall aber solange, bis die Corona-Krise überstanden ist.

Das APP bleibt bei monatlich 20 Mrd. EUR plus 120 Mrd. EUR extra und läuft am Jahresende aus.

Auch bei den Leitzinsen gab es erwartungsgemäß keine Änderungen. Der Einlagesatz für Banken (“Strafzins”) bleibt bei minus 0,50%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00% und der Ausleihsatz bei 0,25%.

Die Projektionen der EZB wurden lediglich geringfügig angepasst.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird im Basisszenario in diesem Jahr um 8,0% schrumpfen, in 2021 um 5,0% wachsen und 2022 um weitere 3,2% zulegen.

Die Inflationsrate soll von 0,3% in 2020 auf 1,0% in 2021 und 1,3% in 2022 ansteigen. Damit wäre der Weg bis mindestens 2022 frei für eine Fortsetzung der extrem expansiven Geldpolitik.

Fazit: Die Beschlüsse der EZB unterstreichen unsere Einschätzung, dass das Zinstief noch sehr lange anhält. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht in Sicht.

Die EZB steuert den Geldmarktsatz mittlerweile überwiegend mit den Konditionen der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte.

LTROs, TLTROs und PELTROs

Mit den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (longer-term refinancing operations, LTROs) wurde die Zeit bis zur Begebung der dritten Reihe gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (targeted longer-term refinancing operations, TLTROs) im Juni überbrückt.

Die am 30. April beschlossenen Finanzspritzen namens PELTROs (pandemic emergency longer-term refinancing operations) laufen in sieben Tranchen von Mai 2020 bis zum 3. Quartal 2021.

APP reaktiviert und aufgestockt

Die Anleihekäufe werden verstärkt fortgesetzt. Im Rahmen des im November 2019 reaktivierten APP-Programms (asset purchase programme) erwirbt die EZB monatlich Anleihen für 20 Mrd. EUR. Am 12. März wurde das APP bis zum Jahresende um 120 Mrd. EUR aufgestockt.

PEPP im Juni aufgestockt

Am 18. März beschloss die EZB ein Programm namens PEPP (pandemic emergency purchase programme). Es umfasst nach der Aufstockung im Juni nunmehr Anleihekäufe im Volumen von 1.350 Mrd. EUR und läuft bis Juni 2021.

Beim PEPP-Programm weicht die EZB vom bisher verwendeten Kapitalschlüssel ab. Bei den bisherigen Anleihekäufen mussten diese so strukturiert werden, dass sie den Anteilen der Euro-Länder am Kapital der EZB entsprachen. Nun können gezielt die Anleihen erwerben, deren Rendite nach Ansicht der EZB zu hoch ist. So wurden im April und Mai verstärkt italienische Staatsanleihen gekauft, als deren Renditeabstand (Spread) zu Bundesanleihen sich (zu) stark ausweitete.

Die Anleihekäufe unterstützen die Leitzinspolitik und werden solange vorgenommen, “wie dies für die Verstärkung der akkommodierenden Wirkung seiner Leitzinsen erforderlich ist”. Sie sollen allerdings beendet werden, kurz bevor die erste Leitzinserhöhung ansteht. Das dürfte noch Jahre dauern.