Kanada: Erholung nach starkem Konjunktureinbruch

veröffentlicht am 31. August 2020

Kanada: Erholung nach starkem Konjunktureinbruch

Das kanadische Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im 2. Quartal um 11,5% zum Vorquartal. Im Vorjahresvergleich lag das Minus sogar bei 13%.

Bereits im 1. Quartal ging das BIP um 2,1% bzw. 0,9% zurück.

BIP 2020: minus 7%

Die aktuelle Kombination aus niedrigen Zinsen und gezielten Konjunkturprogrammen sollte die Rückkehr auf den Wachstumspfad bewirken.

Die Erholung hat bereits begonnen. So wurde seit Mai eine klar aufwärtsgerichtete Tendenz beim BIP festgestellt. Die monatlichen Zuwächse des BIP lagen im Mai bei 4,8%, im Juni bei 6,5% und im Juli bei 3%.

Vor diesem Hintergrund rechnen wir für 2020 mit einem BIP-Minus von 7%, dem 2021 ein Anstieg um 4,5 folgen dürfte.

Kanada belegte 2019 mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2.298 Mrd. Kanadischen Dollar bzw. 1.730 Mrd. US-Dollar den 10. Platz in der BIP-Weltrangliste.

Leitzins bei 0,25%

Die Bank of Canada (BoC) reduzierte den Leitzins -die Overnight Rate – im März in drei großen Schritten von 1,75% auf 0,25% und ließ ihn seither unverändert.

BoC kauft Anleihen

Neben der massiven Zinssenkung zählt auch die Bereitstellung zusätzlicher Liquidität zu den monetären Lockerungsmaßnahmen. Sie erfolgt über den Ankauf von Anleihen des Staates, der Provinzen und der Unternehmen.

Pro Woche werden für mindestens 5 Mrd. Kanadische Dollar Staatsanleihen erworben.

Kanada-Dollar als Ölwährung unter Druck

Kanada besitzt große Rohölreserven, so dass der Kanadische Dollar („ Loonie”) zu den Ölwährungen gerechnet wird. Im Zuge des Ölpreiseinbruchs geriet er im Frühjahr kräftig unter Druck.

Durch die im Mai massiv ausgeweitete Förderbegrenzung der OPEC+ stabilisierte sich der Ölpreis im Bereich um 40 USD pro Barrel. Damit erholte sich auch der Loonie, fiel zuletzt jedoch wieder zurück. Seit Jahresbeginn hat er gegenüber dem Euro gut 6% eingebüßt.

In der Annahme, dass sich der Ölpreis zwischen 40 und 50 USD pro Barrel stabilisiert, besitzt der Kanada-Dollar kurzfristig wenig Erholungspotenzial.

Ein Anstieg auf das Vor-Corona-Niveau dürfte dem Loonie erst gelingen, wenn die Weltwirtschaft wieder kräftig expandiert und die Rohstoffpreise dementsprechend anziehen.

Inflation nahe Null

Die Inflationsrate fiel im Juli auf 0,1%. Sie soll gemäß den Projektionen der BoC in diesem Jahr im Durchschnitt bei 0,6% liegen und 2021 auf 1,2% steigen. Für 2022 wird ein Wert von 1,7% erwartet.

Der Zielwert von 2% dürfte damit längere Zeit verfehlt werden.

Haushaltsdefizit schnellt nach oben

Das Haushaltsdefizit dürfte Corona-bedingt in diesem Jahr auf knapp 12% des BIP emporschnellen.

Auch das Leistungsbilanzdefizit wächst. Der Fehlbetrag wird nach Einschätzung des IWF 2020 auf 3,7% des BIP steigen, im nächsten Jahr jedoch wieder auf 2,3% zurückgehen.

Die kanadische Staatsverschuldung liegt mit 88% des BIP ungefähr auf europäischem Niveau.