Gold unter 2.000. Hält der Goldrausch an?

veröffentlicht am 24. August 2020

Gold unter 2.000. Hält der Goldrausch an?

Der Preis für die Feinunze Gold markierte in der ersten August-Woche mit 2.070 US-Dollar einen neuen Rekordstand. Aktuell ist er wieder unter die 2.000-er Marke gefallen. Hält der Goldrausch an?

Gold gilt als Krisenmetall. Sein Preis reagiert in den vergangenen Jahren jedoch vor allem auf die Entwicklung der amerikanischen Realverzinsung. Manchmal auch auf den Wechselkurs des US-Dollar.

Fazit vorweg: Der Goldpreis sollte trotz des aktuellen Rücksetzers im Aufwind bleiben und sich oberhalb der 2.000-er Marke etablieren.

Was macht Gold so interessant?

Gold gilt als Absicherung gegen Krisen aller Art. Sein Besitz gibt ein Gefühl der Sicherheit in unsicheren Zeiten. Gold dient der Wertaufbewahrung und verbessert die Streuung in einem Depot.

Geringe Opportunitätskosten

Darüber hinaus sind die Opportunitätskosten derzeit relativ gering. Wer Gold kauft, bekommt keine Zinsen, keine Dividende und keine Ausschüttung. Da die Zinsen nahezu verschwunden sind und zahlreiche Dividenden gekürzt oder gestrichen wurden, sind die „Kosten der Goldhaltung” derzeit relativ gering.

Gold ist knapp

Die Erdkruste enthält etwa 4 Gramm Gold pro 1.000 Tonnen (t) Gestein. Seit Anbeginn wurden insgesamt rund 195.000 t gefördert. Jährlich kommen etwa 3.500 t über die Minenproduktion dazu.

Das meiste Gold wurde zu Schmuck verarbeitet. Rund 34.000 t befinden sich in Händen der Notenbanken. Die größten Goldreserven besitzen die USA und Deutschland.

Krisen bleiben

Die Corona-Pandemie hat weltweit zum größten Konjunktureinbruch aller Zeiten geführt. Die Wirtschaft erholt sich zwar, die Krise ist jedoch nicht vorüber.

Seit der letzten US-Präsidentschaftswahl sind politische Krisen an der Tagesordnung. Der Handelsstreit der USA mit China und der EU hält seit mehr als zwei Jahren an. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Darüber hinaus wird es immer wahrscheinlicher, dass es am Jahresende einen „No Deal Brexit” geben wird.

Vor diesem Hintergrund dürfte Gold als Krisenmetall gesucht bleiben.

Was macht die US-Realverzinsung?

Der Goldpreis ist seit Jahren ein Spiegelbild der amerikanischen Realverzinsung. Sinkt die inflationsbereinigte Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe, so steigt der Goldpreis – und umgekehrt.

Das größte Risiko für den Goldpreis besteht darin, dass die realen Renditen in den USA steigen. Dies würde geschehen, wenn die Inflationserwartungen zurückgehen oder die nominalen Renditen anziehen.

Die Inflationserwartungen zeigen sich relativ robust im Bereich des Inflations-Zielwertes von 2%. Ein nachhaltiger Rückgang ist wenig wahrscheinlich.

Die US-Leitzinsen liegen mit 0,00% bis 0,25% nahe der Nulllinie und dürften dort auch noch längere Zeit bleiben. Mittlerweile wird sogar über eine Senkung in den negativen Bereich diskutiert. Die US-Notenbank (Fed) lehnt dies jedoch ab. Sie diskutiert vielmehr über eine Zinskurvensteuerung, bei der die längerfristigen Renditen mit einer Zielvorgabe versehen würden.

Stabile Langristrenditen und stabile Inflationserwartungen sollten den Goldpreis weiter stützen.

Die Dollar-Schwäche hilft

Die Zweifel an der Fähigkeit der US-Regierung, die Pandemie in den Griff zu bekommen, der deutlich verringerte Zinsvorsprung amerikanischer Anleihen sowie das „Zwillingsdefizit” (Haushalt und Leistungsbilanz stark defizitär) belasten den US-Dollar.

„Schwacher Dollar, starkes Gold” lautet eine der Börsenweisheiten. Dieser Zusammenhang gilt zwar immer nur temporär, trifft allerdings seit Jahresbeginn (mal wieder) zu.

Was würde den Goldpreis gefährden?

Sollte es zu Goldfunden gewaltigen Ausmaßes kommen, dürfte es im Zuge eines Angebotsüberhangs zum Preiseinbruch kommen. Dieses Szenario ist extrem unwahrscheinlich.

Gesetzliche Einschränkungen

Denkbar, aber genauso wenig wahrscheinlich, sind gesetzliche Einschränkungen des Goldbesitzes. Der private Goldbesitz ist nämlich keine Selbstverständlichkeit. Von 1933 bis 1973 war in den USA lediglich der Besitz von Schmuck und Münzsammlungen erlaubt. Die Regierung brauchte das Gold zur Währungssicherung, denn jeder US-Dollar war mit einer bestimmten Summe Gold hinterlegt.

In China, heute einer der größten Nachfrage nach Gold, war der Goldbesitz bis 1983 sogar komplett verboten.

Hintergrund

Der globale Goldmarkt 2019

Im vergangenen Jahr ging die Nachfrage nach Gold nach Angaben des World Gold Council um 1% auf 4.356,1 Tonnen (t) zurück. Ihr stand ein Anstieg des globalen Goldangebots um 2% auf 4.776 t gegenüber. Der Anstieg war vor allem dem Recycling zu verdanken. Denn die Minenproduktion ging erstmals seit mehr als zehn Jahren zurück, und zwar auf 3.464 t.

Die Notenbanken stockten ihre Reserven um 650 t auf.

Goldnachfrage im 1. Halbjahr 2020

Die Nachfrage nach dem gelben Metall verringerte sich im 1. Halbjahr 2020 um 6% auf 2.076t. Das Angebot ging ebenfalls um 6% auf 2.192 t zurück.

Die Zuflüsse in Gold-ETFs nahmen um 734 t zu, der Bestand an Gold-ETFS erhöhte sich auf 3.621 t. Die Nachfrage nach Goldschmuck brach um 46% auf 572 t ein, da China als größter Kunde wegen der Corona-Krise deutlich weniger orderte.

Auch die Zentralbanken kauften im 1. Halbjahr mit netto 233 t knapp 40% weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum. In der Technologie wurden lediglich 140 t (-13%) geordert.

Selbst die Nachfrage nach Münzen und Barren ging weltweit um 17% auf 397 t zurück. In Deutschland dagegen verdoppelte sie sich auf gut 83 Mio. t.

Wo liegt das Notenbankgold?

Die größten Zentralbankbestände gab es Ende 2019 in den USA mit 8.133 t, Deutschland mit 3.363 t, Italien mit 2.452, Frankeich mit 2.436 t, Russland mit 2.298 t, China mit 1.948 t und der Schweiz mit 1.040 t. Der Internationale Währungsfonds hielt 2.814 t.

Die Goldreserven der Notenbanken lagen Ende 2019 bei 33.873 t.