Ölpreis: Stabil seitwärts

veröffentlicht am 11. August 2020

Ölpreis: Stabil seitwärts

Der Preis für Rohöl hat sich in den Sommermonaten stabilisiert und bewegt sich unter leichten Schwankungen im Bereich der 40-Dollar-Marke seitwärts. Öl könnte vorübergehend wieder etwas billiger werden, denn ein Teil der Förderkürzungen wird zurückgenommen.

Zudem wächst die Sorge vor einer „zweiten Welle” der Corona-Pandemie, die zu einem neuerlichen Rückgang der Ölnachfrage führen dürfte.

Seit Mai produziert die OPEC+ täglich 9,7 Mio. Barrel (= 159 Liter) weniger als vor der Corona-Krise. Im August soll die Förderkürzung um 2 Mio. Barrel pro Tag (bpd) auf 7,7 Mio. bpd eingegrenzt werden.

Auch die US-Produktion dürfte wieder zunehmen. Laut einer Umfrage der US-Notenbankfiliale in Dallas will die Hälfte der US-Ölförderer die zuvor stillgelegte Produktion wieder aufnehmen, wenn der Ölpreis bei 40 USD liegt.

Vor diesem Hintergrund ist nicht anzunehmen, dass die Ölpreise kurzfristig nach oben hin ausbrechen. Aber auch weitere Einbrüche sind wenig wahrscheinlich, zumal die Ölnachfrage im Zuge der globalen konjunkturellen Erholung ab 2021 wieder steigen dürfte.

Fazit: Wir gehen zunächst von einer anhaltenden Seitwärtsbewegung zwischen 40 und 45 USD pro Barrel Nordseeöl Brent aus. Am Jahresende dürften Preise um 45 USD realistisch sein.

Aus Sicht der Notenbanken ist dies ein komfortables Szenario, denn die von den Energieträgern ausgehenden inflationären Impulse dürften überschaubar bleiben.

Ölpreise sind nicht auskömmlich

Selbst nach der jüngsten Erholung sind die Ölpreise für die meisten Förderländer kaum auskömmlich. Saudi-Arabien benötigt einen Preis von 75 bis 80 USD pro Fass, um seinen Haushalt auszugleichen. Russland kalkuliert mit 42 USD pro Barrel, kann angeblich aber auch mit Preisen um 30 USD mehrere Jahre über die Runden kommen.

US-Ölindustrie in Not

Um kostendeckend zu arbeiten, müsste der Ölpreis auch aus Sicht der US-Förderer viel höher sein. Sie wenden das aufwändige Fracking-Verfahren an und brauchen Notierungen von 60 bis 70 USD pro Barrel, um kostendeckend zu arbeiten. Der aktuelle Preis sorgt lediglich für dringend erforderliche Einnahmen, um die Schulden zu bedienen. Eine Pleitewelle dürfte damit kaum zu verhindern sein. So meldeten mit Chesapeake Energy und Whiting Petroleum kürzlich bereits zwei Schwergewichte Konkurs an.

Weniger US-Ölbohrstellen

Die Anzahl der genutzten US-Ölquellen ist weiter im Sinkflug. Waren es Ende Februar 2020 noch 678 Ölbohrstellen (Rigs), so sind aktuell nur noch 180 Rigs aktiv.

EIA erwartet 2021 steigende Ölpreise

Die U.S. Energy Information Administration (EIA) reduzierte ihre Prognose für 2020 im Juni auf eine durchschnittliche US-Förderung von 11,6 Mio. bpd und hob sie für 2021 auf 11 Mio. bpd an. Der Durchschnittspreis für ein Barrel Brent wird bei gut 40 USD in 2020und knapp 50 USD in 2021 gesehen.

IEA rechnet mit geringerer Ölnachfrage

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet in diesem Jahr mit einem täglichen Ölverbrauch von 91,9 Mio. Barrel, die OPEC mit 90,6 Mio. Barrel.

Im nächsten Jahr sollen gemäß IEA wieder 97,1 Mio. Fässer pro Tag nachgefragt werden. Vor der Corona-Krise waren es noch rund 100 Mio. Barrel am Tag

Hintergrund

Corona ließ Ölnachfrage einbrechen

Durch das Coronavirus verschärft sich die Angebots-Nachfrage-Relation. Die tägliche Ölnachfrage lag im April rund 30% unter der vorher üblichen Menge von rund 100 Millionen Barrel pro Tag (bpd). Immer mehr Betriebe weltweit kürzten die Produktion oder stellten sie sogar vorübergehend ein. Die globale Nachfrage nach Transportdienstleistungen erodierte. Der Ölüberhang wurde immer größer.

Negativer Ölpreis im April

Am 20. April brach der Ölpreis so stark ein wie nie zuvor. US-Öl notierte kurzfristig mit minus (!) 40 USD pro Barrel. Inhaber von am nächsten Tag auslaufenden Öl-Terminkontrakten zahlten den Preis, um die ansonsten im Mai anstehende physische Lieferung von Rohöl nicht abnehmen zu müssen.

Industrielle Rezession bremste Ölnachfrage

Bereits im vergangenen Jahr führten das schwächere Wirtschaftswachstum in den Industrieländern sowie abnehmende internationale Handelsaktivitäten zu einem geringeren Bedarf an Öl und Treibstoffen.

Mehr als die Hälfte der gesamten Energie verbraucht die Industrie. Da der industrielle Sektor in vielen Volkswirtschaften 2019 in die Rezession abtauchte, ging die Nachfrage nach Energieträgern spürbar zurück.

Ölförderung überall auf dem Rückzug

Trotz der abnehmenden Ölnachfrage wuchs das globale Ölangebot bis Anfang 2020 weiter an. Ursächlich war vor allem die steigende Förderung in den USA. Die US-Tagesproduktion erreichte im Januar mit 13 Mio. Barrel pro Tag (bpd) einen Höchststand, ist mittlerweile jedoch auf 11 Mio. bpd gesunken. Russland förderte im Mai nur noch 8,6 Mio. bpd. Und Saudi-Arabien kürzte im Juni auf 7,5 Mio. bpd, die niedrigste Produktion seit 18 Jahren.

Die Ölspeicher liefen voll

Eine Folge der kaum gebremsten Ölproduktion bei stark gedrosselter Nachfrage war das Volllaufen der Lager. Im zentralen amerikanischen „Ölverteilort” Cushing in Oklahoma wurden die Speicherkapazitäten im April extrem knapp. Andere Ölförderer wie Saudi-Arabien lagerten große Mengen Rohöl in Tankern.

Förderbegrenzungsabkommen der OPEC+

Seit etwa zwei Jahren ist zu viel Öl am Markt. Es wird mehr „schwarzes Gold” produziert als verbraucht. Die OPEC+ reagierte Ende 2018 mit einem Förderbegrenzungsabkommen, um die Preise zu stabilisieren. Als OPEC+ wird die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) bezeichnet, ergänzt um Russland, Mexiko, Kasachstan, Aserbaidschan sowie sechs weitere eher kleinere Ölförderländer. Zusammen kontrollieren sie etwa die Hälfte des globalen Ölmarktes.

Die 13 Mitglieder des OPEC-Kartells und die Ölförderer außerhalb der OPEC -insbesondere Russland- drosselten ihre Produktion zunächst um 2,1 Mio. bpd. Das Abkommen wurde im Sommer 2019 zunächst bis März 2020 verlängert.

Anfang März empfahl die OPEC, die Ölförderung um weitere 1,5 Mio. bpd zu senken. Russland lehnte den Vorschlag ab.

Daraufhin senkte Saudi-Arabien seinen Ölpreis und beschloss gleichzeitig, die Produktion von knapp 10 auf gut 12 Mio. bpd hochzufahren. Der Ölpreis kollabierte, der Preis für das Fass Nordseeöl Brent fiel in den 30-er Bereich zurück.

Danach willigte Russland ein. Die OPEC+ vereinbarte eine weitere massive Reduzierung der Ölförderung. Ab Mai 2020 wurden täglich 9,7 Mio. Barrel weniger produziert. Danach sollen die Förderkürzungen bis April 2022 sukzessive zurückgenommen werden.