Gold im Höhenrausch

Gold im Höhenrausch

 

Gold hat das alte Allzeithoch aus dem Jahr 2011 übersprungen. Das in den USA massiv gesunkene Zinsniveau, vor allem aber die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China sowie die Sorge vor einer zweiten Corona Welle werden als Treiber gesehen. Auch die aktuelle Dollar-Schwäche half dem Goldpreis.

Gold geht zurzeit durch die Decke und hat seinen fast neun Jahre lang gehaltenen Rekord gebrochen. In der Nacht auf Montag stieg der Preis für eine Feinunze Gold bis auf 1.944 US-Dollar und übertraf damit das Kurshoch von gut 1.921 US-Dollar im September 2011.

Dazu drei Fragen an Bernd Schimmer, Chef-Investment Stratege der Haspa zu der aktuellen Entwicklung.

Herr Schimmer, was passiert da gerade mit Gold?

Nun, im Grunde genommen erleben wir jetzt mehrere Effekte, die zusammenkommen. Ihren Ursprung hat die Rekordhöhe des Goldpreises in den jahrelangen Handlungen der Notenbanken, die die Märkte mit Milliarden von Dollar und Euro regelrecht fluten. Die hohe Liquidität geht in sämtliche Anlagemärkte – Aktien, Anleihen, Immobilien und natürlich auch Gold. Außerdem haben viele Anleger Angst vor den negativen Folgen der Corona bedingt steigenden Staatsschulden. Es grassiert die Angst vor einer daraus resultierenden starken Inflation. In dieser Situation erscheint Gold vielen als der sichere Hafen. Ich rechne zwar nicht mit einer starken Zunahme der Inflation, doch angesichts der Aussicht auf eine noch für sehr lange Zeit anhaltende Phase extrem niedriger Zinsen ist der Goldpreis auch mittelfristig gut unterstützt. Für weitere Unsicherheiten sorgen der Konflikt zwischen China und den USA sowie das mangelnde Vertrauen der Anleger in den Zusammenhalt der EU und der Brexit.

Herr Schimmer, was könnte den Höhenflug stoppen?

Natürlich kann es nach den jüngsten kräftigen Anstiegen durchaus zu einer Korrektur beim Goldpreis kommen, das wäre das normalste der Welt. Aber momentan gehe ich davon eher nicht aus. Wenn man sich mal das aktuelle Gold-Chart anschaut, blickt man auf das Spiegelbild der amerikanischen Real-Verzinsung. Sinkt die inflationsbereinigte Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe, so steigt der Goldpreis und umgekehrt. Das größte Risiko für den Goldpreis besteht darin, dass die realen Renditen in den USA steigen. Dies würde geschehen, wenn die Inflationserwartungen zurückgehen oder die nominalen Renditen steigen. Das halte ich aber momentan für unwahrscheinlich, weil im Gegenteil in den USA gerade darüber nachgedacht wird, ob die Leitzinsen weiter gesenkt werden. Der US-Leitzins ist bei Null, und es würde zu Negativ-Leitzinsen kommen. Wenn sich dann die Inflationserwartungen auch nicht nennenswert verändern, wird die Realverzinsung auch relativ niedrig bleiben. Eine niedrige Realverzinsung bedeutete in den letzten ein bis zwei Jahren einen hohen Goldpreis.

Würden Sie Gold im Portfolio empfehlen?

Da der Goldpreis oft einen anderen Verlauf nimmt als die Kurse von Aktien oder Anleihen, kann die Goldinvestition die Gesamtschwankungen des Portfolios verringern. Es ist ein gutes Mittel zur Streuung. Ich halte einen Anteil von etwa 5 bis maximal 10 Prozent für sehr sinnvoll. Gold vereint zwar derzeit sehr viele positive Attribute, es bleibt aber ein Baustein ohne Ausschüttung, insofern ist auch hier eine zu hohe Allokation nicht zielführend.

Übrigens: Bei der Haspa sind Goldbarren und Münzen uneingeschränkt verfügbar!

Weiter Informationen rund ums Gold finden Sie auch unter www.haspa-gold.de.

 

29.07.2020