Wochenausblick Aktien

veröffentlicht am 2. Juli 2020

Wochenausblick Aktien

 

Kräftige Kurserholung im zweiten Quartal

Im Rückspiegel kann man das erste Halbjahr auf dem internationalen Börsenparkett getrost als äußerst turbulent bezeichnen. Auf den pandemiebedingten Einbruch der Aktienkurse im ersten Quartal von einem Viertel beim DAX folgte eine fast ebenso mächtige Erholung in Höhe von knapp 24 Prozent im Frühjahr – mithin der größte Quartalsgewinn seit 2003. Im Schlepptau der rekordhohen US-Technologiebörse gelang auch der Start in das zweite Halbjahr. Das deutsche Leitbarometer konnte nicht nur seine 200-Tage-Durchschnittslinie bei rund 12.150 Punkten verteidigen, sondern sich auch etwas nach oben absetzen.

Mit dem Blick auf die letzten konjunkturellen Datenpunkte hat sich der positive Eindruck der Vorwochen noch einmal verstärkt. In den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China fielen die jüngsten Veröffentlichungen von wichtigen Indikatoren teils deutlich besser als erwartet aus. In den Vereinigten Staaten stachen neben günstigen Zahlen vom Immobilienmarkt vor allem die markant verbesserte Verbraucherstimmung und der kapitale Sprung bei dem vielbeachteten ISM Einkaufsmanagerindex ins Auge. Im Reich der Mitte landeten alle Umfrageergebnisse bei den Einkaufsmanagern sodann im Expansionsbereich und nährten die Hoffnung auf eine zügige wirtschaftliche Erholung im bevölkerungsreichsten Land der Erde.

Für Aufsehen sorgt weiterhin der Goldpreis, der zwischenzeitlich sogar die Marke von 1.800 US-Dollar touchierte. Alleine in den ersten sechs Monaten legte die Notierung des gelben Edelmetalls um über 17 Prozent zu.

Wie geht es weiter?

In der Risikowahrnehmung der Marktteilnehmer spielt die Angst vor einer zweiten Welle der Pandemie momentan anscheinend eine untergeordnete Rolle. Schließlich hätten die stark angestiegenen Neuinfektionsraten in den USA durchaus das Potenzial, die Zuversicht zu trüben. Auch wenn wir bei einer erneuten Ausbreitung der Lungenseuche nicht mit einem zweiten landesweiten Lockdown rechnen, kann ein prompter Anstieg der Risikoaversion in diesem Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden.

Auf kurze Sicht dürfte insbesondere auch die anlaufende Unternehmensberichtssaison wieder in das Blickfeld der Investoren geraten. Klar ist, dass die pandemiebedingten großflächigen Einschränkungen im zweiten Quartal markante Bremsspuren in den Erfolgsrechnungen der meisten Unternehmen hinterlassen haben. Dabei dürften die im Vorfeld bereits drastisch heruntergekurbelten Erwartungen – in Europa wird mit einem Gewinnrückgang von 54 Prozent und in den USA von 43 Prozent gerechnet – mit einer höheren Unsicherheit verbunden sein als im „normalen” Fahrwasser. Vor allem die halbwegs konkrete Formulierung von Geschäftsausblicken sollte den Konzernlenkern in diesen Tagen mehr als schwerfallen.

Als dominante Treiber an den Börsen fungieren nach wie vor die opulenten fiskalischen und geldpolitischen Programme, die den risikobehafteten Anlagen bis auf weiteres Rückenwind verleihen. Etwaige Rücksetzer am Aktienmarkt würden wir deshalb für den Bestandsaufbau nutzen.

Stand 02.07.2020