Japan: Leitzins unverändert, mehr Mittel für Aktienkäufe

veröffentlicht am 22. Mai 2020

Japan: Leitzins unverändert, mehr Mittel für Aktienkäufe

Die Bank of Japan (BoJ) ließ die Leitzinsen unverändert. Die Policy Rate bleibt bei minus 0,1% und die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen bei 0,00%. Darüber hinaus wurden die Mittel für Aktienkäufe auf 12 Bill. Yen verdoppelt.

Bank of Japan mit extrem expansiver Geldpolitik

Die Bank of Japan verfolgt seit vielen Jahren eine extrem expansive Geldpolitik. Der Leitzins liegt seit Anfang 2016 bei minus 0,1%, die Zielrendite für 10-jährige Staatsanleihen wurde bei 0,0% verortet. Darüber hinaus kauft die BoJ in großem Stil Anleihen. Mittlerweile hat sie rund 54% aller japanischen Staatsanleihen im Bestand.

Ende April weitete sie die ohnehin schon üppigen Anleihekäufe bis zum Anschlag aus. Sie erklärte, sie werde „die notwendigen Mengen an Staatsanleihen ohne Obergrenze kaufen”. Damit folgte sie der US-Notenbank, die die schwere Rezession mit massiver Liquidität abfedern will.

BoJ steuert die gesamte Zinskurve

Die Bank of Japan ist den Notenbanken in den USA (Fed) und der Euro-Zone (EZB) auf der geldpolitischen Lockerungstreppe einige Stufen voraus, denn sie steuert bereits ganz offiziell die gesamte Renditenstrukturkurve.

Die BoJ verfolgt eine “quantitative und qualitative monetäre Lockerung mit Zinskurvensteuerung” (Quantitative and Qualitative Monetary Easing (QQE) with Yield Curve Control).

Dabei wird dem Markt ein klarer Zielwert vorgegeben. So soll die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe bei 0,0% liegen. Begrenzte Schwankungen um den Zielwert sind in beide Richtungen erlaubt.

Rendite-Steuerung über Kauf und Verkauf von Anleihen

Die Steuerung der langfristigen Rendite erfolgt über den Kauf und Verkauf von Anleihen am Markt. Standen dafür jährlich 80 Bill. Yen bzw. 690 Mrd. EUR zur Verfügung, so wurde die Obergrenze Ende April aufgehoben.

Dies dürfte allerdings eher ein symbolischer Akt gewesen sein, um den Markt zu beeindrucken. Denn im vergangenen Jahr reichten bereits 10 bis 15 Bill. Yen, um die 10-jährige Rendite an der Nulllinie zu fixieren.

Notenbank kämpft gegen die Deflation

Die Bank of Japan versucht seit Ende der 90-er Jahre die tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankerten deflationären Tendenzen mit der Bereitstellung zusätzlicher liquider Mittel zu bekämpfen. Zu diesem Zweck erwirbt sie in großem Stil Wertpapiere

Notenbank als Großaktionärin

Darüber hinaus kauft sie auch japanische Aktien-ETFs. Die Mittel hierfür wurden im Mai auf 12 Bill. Yen bzw. 102 Mrd. EUR verdoppelt.

Mitte Mai 2020 hielt die BoJ Aktien-ETFs im Wert von 32 Bill. Yen bzw. 270 Mrd. EUR. Bei vielen Unternehmen ist die Notenbank unter den zehn größten Aktionären.

Inflationsziel außer Reichweite

Trotz umfangreicher Wertpapierkäufe und eines nahezu zinsfreien fundamentalen Umfeldes ist die Inflationsrate weit vom Zielwert von 2,0% entfernt. Im April 2020 lag sie bei 0,1%.

In der Rezession

Das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im 1. Quartal 2020 um 0,9% zum Vorquartal.

Der Rückgang fiel geringer aus als erwartet. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass das BIP Japans bereits im Schlussquartal 2019 um 1,9% schrumpfte. In diesem Zeitraum wiesen die meisten Industrieländer zumindest noch leicht positive Wachstumsraten auf.

Alles in allem befindet sich Japan nun auch offiziell in einer Rezession, denn das BIP lag in zwei aufeinander folgenden Quartalen unter dem Niveau des Vorquartals.

Vom Rückgang waren alle Komponenten des BIP betroffen: Der private Verbrauch, die Investitionen und auch die Exporte wiesen negative Veränderungsraten auf.

BIP 2020: Minus 5%

In der Annahme, dass das japanische BIP wegen der Corona-Pandemie im laufenden Quartal um weitere 6% schrumpft, zeichnet sich für das Kalenderjahr 2020 in Japan ein BIP-Minus von gut 5% ab. In der in Japan üblichen Berechnung, bei der auf das Ende März endende Fiskaljahr abgestellt wird, dürfte das Minus ähnlich ausfallen.

Die japanische Regierung reagierte auf den Corona-bedingten Konjunktureinbruch im April mit einem Konjunkturprogramm, das rund 20% des japanischen BIP umfasst. Es ist anzunehmen, dass im Juni ein weiteres Hilfspaket geschnürt wird.

Fazit: Das moderne Japan war über Jahre hinweg geprägt durch “wenig Wachstum, wenig Inflation und wenig Zinsen”. Durch die Corona-Pandemie ist das Land der aufgehenden Sonne aus der Spur geraten. Bereits 2022 könnte jedoch das alte Motto wieder gelten.

Auf längere Sicht könnte Japan in vielerlei Hinsicht die Blaupause für die Entwicklung in Deutschland sein.

Sehr hohe Staatsverschuldung

Japan ist mit 12,1 Billionen USD hinter den USA (23,0 Bill. USD) der zweitgrößte Schuldner der Welt. Die japanische Staatsschuldenquote liegt bei 264% (!) des BIP. Die entsprechenden Staatsanleihen werden allerdings überwiegend von japanischen Anlegern und der Bank of Japan gehalten.

Der japanische Staatshaushalt ist chronisch defizitär. Das Haushaltsdefizit wird 2020 angesichts der Corona-bedingte Sonderausgaben nach Einschätzung des IWF auf 7% des BIP schnellen. Der Leistungsbilanzüberschuss dürfte von 3,6% des BIP auf 1,6% abschmelzen

Yen als “sicherer Hafen” Asiens

Trotz der außergewöhnlich hohen Staatsverschuldung gilt der Japanische Yen seit Jahren als “sicherer Hafen”, als asiatische Fluchtwährung in unsicheren Zeiten. Gegenüber dem Euro hat er im bisherigen Jahresverlauf rund 4% zugelegt.