Einkaufsmanagerindizes: Die Stimmung steigt, die Krise bleibt

veröffentlicht am 21. Mai 2020

Einkaufsmanagerindizes: Die Stimmung steigt, die Krise bleibt

 

Die Einkaufsmanagerindizes in Deutschland, Frankreich und der Euro-Zone haben sich im Mai massiv verbessert. Sie signalisieren, dass der konjunkturelle Tiefpunkt der aktuellen Krise überwunden sein dürfte. Gleichwohl liegen alle Indizes noch weit unter der Wachstumsschwelle von 50 Indexpunkten.

Während der französische Industrie-Wert um 8,8 Punkte auf 40,3 Zähler kletterte, legte der deutsche PMI lediglich 2,3 Punkte zu und landete bei 36,8 Zählern.

Beim Einkaufsmanagerindex Industrie für die gesamte Euro-Zone ist der Wachstumsbereich mit 39,5 Punkten (+6,1) immer noch weit entfernt. Damit bleibt der industrielle Sektor in einer ausgeprägten Rezession, die allerdings bereits ein Jahr vor der Corona-Pandemie begonnen hat.

PMI der Dienstleister schnellte nach oben

Waren die Einkaufsmanagerindizes im Dienstleistungssektor im April auf nahezu unvorstellbar niedrige Werte abgestürzt, gab es hier im Mai markante Verbesserungen.

In Deutschland schnellte der Service PMI auf 29,4 Zähler (+19,2), in Frankreich auf 31,4 Punkte (+15,2) und in der Euro-Zone auf 28,7 Indexpunkte (+16,7).

Composite-Indizes ebenfalls stark verbessert

Auch die aggregierten Einkaufsmanagerindizes (PMI Composite) verbesserten sich stark. Frankreich meldete 30,5 (+19,4), Deutschland 31,4 (+14,0) und die Euro-Zone 30,5 (+16,9) Indexpunkte.

Die massiven Hilfsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank und der nationalen Regierungen haben die Stimmung in der Wirtschaft im Mai wieder deutlich steigen lassen – allerdings von einem extrem niedrigen Niveau aus.

Fazit: Die aktuellen Einkaufsmanagerindizes erhärten die Einschätzung, dass der Tiefpunkt der aktuellen Krise hinter uns liegt. Es ist jedoch noch ein weiter Weg zurück auf den Wachstumspfad.

 

Hintergrund: Was ist ein PMI?

Einkaufsmanagerindizes sind auch als PMI (Purchasing Managers Index) bekannt. Sie gelten als recht zuverlässige Frühindikatoren für die kurzfristige konjunkturelle Entwicklung. PMI werden sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleitungssektor erhoben. Sie zeigen an, ob eine Volkswirtschaft wächst, stagniert oder schrumpft.

Einkaufsmanagerindizes basieren auf monatlichen Befragungen von mehreren hundert Unternehmen. Gefragt wird nach der erwarteten Entwicklung von Kenngrößen wie Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand. Aus den Antworten werden die PMI berechnet.

Dabei gilt ein Wert von 50 als Wachstumsschwelle, als neutral. Bei 50 Punkten erwarten die befragten Unternehmen in der Summe keine Veränderung gegenüber dem Vormonat, also Stagnation.

Werte über 50 signalisieren eine Verbesserung, also Wachstum.

Liegt ein industrieller PMI unter 50 Punkten, wird mit einer schrumpfenden Industrieproduktion gerechnet.

Je größer die Abweichung von der Wachstumsschwelle, desto ausgeprägter ist der Aufschwung (über 50) bzw. der Abschwung (unter 50).

Weniger als 50 Punkte = Rezession?

Nein. Eine Rezession tritt nicht unmittelbar bei 49,9 Industrie-Zählern ein, da die Industrie nur einen Teil der gesamten Volkswirtschaft darstellt. Der weitaus größere Teil der Wirtschaftsleistung entfällt auf den Dienstleistungssektor, der weniger schwankungsanfällig ist als der industrielle Sektor. In den USA gilt ein industrieller PMI von 43 als kritische Grenze . Erst bei dessen Unterschreitung dürfte eine Rezession vor der Tür stehen.

PMI für alle wichtigen Volkswirtschaften 

Einkaufsmanagerindizes werden für alle bedeutenden Volkswirtschaften erhoben. Der älteste ist der amerikanische Purchasing Managers Index, erstmals berechnet 1931.

PMI bewegen sich im Normalfall zwischen 40 und 60 Punkten. In Extremzeiten sind auch mal höhere oder tiefere Werte möglich.

Im Dezember 2017 kletterten der deutsche PMI auf den Rekordstand von 63,3 Punkten, während der Einkaufsmanagerindizes aus Chicago sogar fast die 67-er Marke erreichte.

In der aktuellen Corona-Krise fielen die Industrie-PMI in den unteren 30-er Bereich, die Dienstleister sogar bis auf die 10-er Linie.