Gold: Der Goldrausch hält an

veröffentlicht am 18. Mai 2020

Gold: Der Goldrausch hält an

Der Preis für die Feinunze Gold kletterte in Euro gerechnet über die Marke von 1.600 EUR und markierte einen neuen Rekordstand. Vergessen ist die Gold-Baisse von Mitte März.

Der Goldpreis dürfte auch auf US-Dollar-Basis die bisherigen Höchststände von knapp 1.900 USD anvisieren.

Der Goldrausch setzt sich bis Anfang März fort. In der Spitze wurden für eine Feinunze Gold 1.700 US-Dollar gezahlt. Dann ging es rasant bergab. Der Goldpreis verlor in wenigen Tagen rund 250 USD, ehe er sich im Bereich der technischen Unterstützungslinie um 1.450 USD fangen konnte.

Seither ging es wieder rasant nach oben. Was könnte den Höhenflug beenden?

Was machen die US-Zinsen?

Der Goldpreis ist seit Jahren ein Spiegelbild der amerikanischen Realverzinsung. Sinkt die inflationsbereinigte Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe, so steigt der Goldpreis – und umgekehrt

Das größte Risiko für den Goldpreis besteht daher aktuell darin, dass die realen Renditen in den USA steigen. Dies würde geschehen, wenn die Inflationserwartungen zurückgehen oder die nominalen Renditen steigen.

Beides ist nicht in Sicht. Denn nach der brachialen Reduzierung der US-Leitzinsen in zwei Schritten um insgesamt 150 (!) Basispunkte auf 0,00% bis 0,25% wird mittlerweile sogar über negative US-Leitzinsen diskutiert.

Die US-Notenbank (Fed) möchte darauf verzichten. Der US-Präsident fordert diese, um den konjunkturellen Absturz im Präsidentschaftswahljahr 2020 abzufedern.

Im laufenden Quartal dürfte das US-Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um bis zu 10% schrumpfen. Ursächlich sind der Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie sowie der Einbruch der Ölpreise.

Vor diesem Hintergrund sind weitere monetäre Lockerungsmaßnahmen der Fed zu erwarten. Das Risiko eines Goldpreisrückgangs wegen höherer US-Renditen ist derzeit wenig wahrscheinlich.

Fazit: Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis im Aufwind bleibt und einen Anlauf auf die bisherigen Höchststände um Bereich um 1.900 USD nimmt.

Goldnachfrage im 1. Quartal 2020 knapp behauptet

Die Nachfrage nach dem gelben Metall hat sich in den ersten drei Monaten 2020 um 1% auf 1.084 Tonnen (t) verringert. Die Zuflüsse in Gold-ETFs nahmen um 298 t zu, der Bestand an Gold-ETFs erhöhte sich auf 3.185 t. Die Nachfrage nach Goldschmuck nahm um 39% auf 326 t ab, da China als größter Kunde wegen der Corona-Krise rund 65% weniger orderte. Auch die Zentralbanken kauften im 1. Quartal mit 145 t etwas weniger Gold als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Der globale Goldmarkt 2019

Im vergangenen Jahr ging die Nachfrage nach Gold nach Angaben des World Gold Council um 1% auf 4.356,1 Tonnen zurück. Ihr stand ein Anstieg des globalen Goldangebots um 2% auf 4.776 t gegenüber. Der Anstieg war vor allem dem Recycling zu verdanken. Denn die Minenproduktion ging erstmals seit mehr als zehn Jahren zurück, und zwar auf 3.464 t.

Die Notenbanken stockten ihre Reserven um 650 t auf. Die größten Goldbestände gibt es in den USA mit 8.134 t, Deutschland mit 3.367 t, Italien mit 2.452, Frankeich mit 2.436 t, Russland mit 2.271 t und China mit 1.948 t. Der Internationale Währungsfonds hält 2.814 t Gold.

Die gesamten Goldreserven der Welt lagen im Februar 2020 bei 34.716,5 t.