Corona-Krise: Was sollen Anleger jetzt tun?

Corona-Krise: Was sollen Anleger jetzt tun?

 

Die Aktienmärkte sind in den vergangenen Wochen eingebrochen. Die Renditen haben sich trotz wachsender Rezessionsängste von ihren Tiefständen gelöst. Notenbanken und Regierungen schnürten Hilfspakete, deren Umfang bisher kaum vorstellbar war. Was bedeutet das alles für Anleger und ihr Geld?

Hier einige zentrale Fragen und Antworten:

Was macht die Wirtschaft?

Stark eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten für Verbraucher und zunehmende Produktionseinstellungen führen zu einem sehr seltenen Phänomen: Sowohl das Angebot als auch die Nachfrage gehen zurück. Und das in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Wir gehen davon aus, dass sich Deutschland seit einigen Wochen in einer schweren Rezession befindet. Der Einbruch dürfte stärker ausfallen als nach der Finanzmarktkrise 2008. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr nach unseren Projektionen zwischen 5% und 10% schrumpfen. Ausmaß und Länge des Einbruchs hängen maßgeblich davon ab, wann die Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt. Nach wie vor ist eine Prognose der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie höchst spekulativ. Wir gehen allerdings davon aus, dass sie in Europa im Sommer abklingt und die Volkswirtschaften in der zweiten Jahreshälfte wieder hochschalten. In diesem Fall dürfte das inländische BIP 2020 um etwa 5% schrumpfen. Im nächsten Jahr sollten die umfangreichen fiskalischen und geldpolitischen Hilfsmaßnahmen zu einer überproportionalen Wachstumsrate führen. Wir halten ein BIP-Plus 2021 von 4% für realistisch.

Was macht die Notenbank?

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte an den extrem niedrigen Leitzinsen festhalten. Ihr Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Corona-Pandemie besteht vor allem aus der Bereitstellung zusätzlicher Liquidität. Zu diesem Zweck wird sie Anleihen erwerben und dem Finanzsektor umfangreiche Refinanzierungsgeschäfte zur Verfügung stellen. Bereits seit November vergangenen Jahres kauft die EZB monatlich für 20 Mrd. Anleihen. Diese Summe wurde zunächst um 120 Mrd. EUR und anschließend um weitere 750 Mrd. EUR erweitert. Mittlerweile hat die EZB ihr Not-Anleihekaufprogramm gestartet. Dabei werden frühere Begrenzungen aufgehoben, so dass sie viel gezielter vorgehen kann. Außerdem dürfen nicht nur Staatsanleihen sondern auch Unternehmensanleihen erworben werden. Die Maßnahmen der EZB werden dafür sorgen, dass die Märkte und der Finanzsektor stets ausreichend Liquidität zur Verfügung haben. Darüber hinaus werden Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen am Boden gehalten, um keine Zweifel an der Schuldentragfähigkeit von Emittenten aufkommen zu lassen. Wir gehen zwar davon aus, dass die Renditen tendenziell anziehen, weil die Risiken wieder bepreist werden. Verglichen mit früheren Jahren werden sie jedoch vergleichbar niedrig bleiben. Die 10-jährige Bund-Rendite dürfte am Jahresende nahe der Nulllinie notieren.

Was machen die Unternehmensgewinne?

Diese Frage ist schwer zu beantworten und hängt vor allem von der Dauer des vorübergehenden „Fast-Stillstandes” der Wirtschaft ab. Die bisherigen Szenarien gehen von einer Entwicklung wie in China aus, also einer starken Beeinträchtigung über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Wichtig in diesem Zusammenhang aus Anlegersicht ist aber auch, dass die Bewertung von Aktien nicht nur an den Gewinnen des laufenden Kalenderjahres hängt: Der theoretische Wert einer Aktie besteht aus den abgezinsten geschätzten Gewinnen der Zukunft. Das laufende Jahr ist nur ein sehr kleiner Teil dieser Zukunft. Zudem ist auch klar, dass die Entwicklung in 2020 nicht auf die Zukunft hochgerechnet werden kann, sondern einen starken Einmalcharakter hat. Ein sehr schwieriges Jahr 2020 sollte deshalb nicht überbewertet werden, wenn ansonsten die Perspektiven stimmen, d. h. ein Unternehmen ab 2021 wieder auf seinem gewohnten Gewinntrend aufsetzen kann.

Was machen die Dividenden?

Ein wesentlicher Teil der Rendite eines Aktienportfolios resultiert langfristig aus Dividenden. Derzeit gibt es aber hier von zwei Seiten Schwierigkeiten. Aufgrund des Corona-bedingt sehr unsicheren Umfeldes bemühen sich alle Unternehmen um eine möglichst sehr stabile finanzielle Ausstattung. Ziel ist es, auch im Falle länger anhaltender Einnahmeausfällen, liquide zu bleiben. Deshalb erfolgten in den vergangenen Tagen auch von als bisher sehr finanzstark geltenden Aktiengesellschaften Absagen von geplanten Dividendenzahlungen.

In Deutschland kommt kurzfristig eine weitere Herausforderung dazu: Die Dividendenzahlung ist hierzulande an den Beschluss der Hauptversammlung gebunden. Wird die Hauptversammlung wegen Corona-bedingter Einschränkungen verschoben, verschiebt sich auch die Dividendenzahlung.

Hier lohnt sich ebenfalls wieder der längerfristige Blick: Auch wenn diese Aspekte kurzfristig das Thema „Dividende” unattraktiv zu machen scheinen, relativieren sie sich auf längere Sicht. Entscheidender dürfte langfristig sein, dass die Notenbanken ihre außerorderordentlich üppige Unterstützung der Finanzmärkte weiter fortsetzen dürften, womit das Zinsniveau im Allgemeinen niedrig bleiben sollte. Auch sprechen eher gedämpfte Wachstumsraten für niedrige Zinsen. Dividendenstarke Aktien dürften deshalb langfristig weiter attraktiv bleiben, auch wenn es jetzt temporär zu Störungen kommen kann.

Fazit:

Soll ich meine Aktien jetzt verkaufen?

Nein. Panik ist meist ein schlechter Ratgeber. Privatanleger kaufen Aktien sinnvollerweise mit einer längerfristigen Perspektive. Ein Blick in die Vergangenheit lehrt, dass Kurseinbrüche auch in früheren schweren Krisen (Oktobercrash 1987, Asienkrise 1997, Dot.com-Blase 2000-2003, Finanzkrise 2007-2009) meist schnell wieder aufgeholt wurden. Ein ideales Markttiming im Sinne eines Verkaufs am Anfang der Korrektur und ein umfassender Wiedereinstieg am Tiefpunkt wären zwar wünschenswert, sind aber illusorisch, da sich diese Punkte erst im Nachhinein identifizieren lassen.

Soll ich jetzt Aktien kaufen?

Hier kommt es auf die Situation an. Ein starker Kursrückgang ist üblicherweise eine gute Einstiegsgelegenheit. Andererseits kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Korrektur noch deutlich weiter fortsetzt. Anleger, die über reichlich Liquidität und einen langen Zeithorizont verfügen, können aber an erste Käufe denken.