Bitcoin und Co. sind im Alltag angekommen

Veröffentlicht am 25. März 2020

Bitcoin und Co. sind im Alltag angekommen

 

Die Schöpfer der Kryptowährungen verstanden Bitcoin & Co. Ende der 90-er Jahre als revolutionäre alternative Zahlungsmittel für das Internet-Zeitalter. Sie sollten sich vom allgemeinen Markttrend abkoppeln, da sie nicht von den Notenbanken „manipuliert” werden können. So ist die Anzahl von Bitcoin auf 21 Mio. limitiert und ihre Schöpfung („Mining”) geschieht nach festen Regeln.

Während des jüngsten Corona-Crashs rauschten Bitcoin und Co. jedoch mit den Aktien und Anleihen nach unten. Das „digitale Gold” erwies sich nicht als „sicherer Hafen”. Es ist vielmehr im Kapitalmarkt-Alltag angekommen.

1 Bitcoin in US-Dollar

Allerdings weisen die führenden Digitalwährungen seit Jahresbeginn lediglich Kursverluste im einstelligen Prozentbereich auf. Bitcoin gab 4% in USD bzw. 2% in EUR nach.

Was lief schief?

Als Grund für die ausgeprägte Korrelation mit den großen Aktenindizes wird häufig der Einstieg institutioneller Investoren genannt. Insbesondere im vergangenen Jahr wurden Bitcoin und Co. „markttauglich” gemacht, indem diverse auf Kryptowährungen basierenden Derivate aufgelegt wurden. Diese fanden Eingang in die Portfolien institutioneller Anleger. Im Zuge des Corona-Crashs waren letztere gezwungen, Liquidität zu beschaffen und warfen alle noch handelbaren Assets auf den Markt. Neben Gold, Bundesanleihen und US-Staatsanleihen traf es auch die digitalen Währungen.

Fazit: Bitcoin und Co. sind keine unkorrelierten Assets und unterliegen den Marktschwankungen genau wie Aktien und Anleihen. In unregulierter Form bleiben sie unberechenbar und für eine Anlage ungeeignet.

 

Höhenflug 2019

Den letzten Höhenflug gab es im vergangenen Jahr, als der Internetriese Facebook Pläne veröffentlichte, eine eigene Digitalwährung namens Libra einzuführen. Die mediale Aufmerksamkeit und das generelle Interesse an Kryptowährungen nahmen zu. Als jedoch in der zweiten Jahreshälfte 2019 immer klarer wurde, dass die Libra bei den Aufsichtsbehörden keine Chance haben würde, bewegten sich die Kurse der digitalen Währungen wieder nach unten.

1 Bitcoin in Euro

Marktkapitalisierung deutlich verringert

Die Marktkapitalisierung hat zuletzt deutlich abgenommen. Alle Cyberwährungen zusammen bringen aktuell rund 186 Mrd. USD auf die Waage. Dies entspricht etwa dem gemeinsamen Gewicht der DAX-Schwergewichte SAP und Siemens.

Bitcoin dominiert den Markt

Von den derzeit 5256 Krypto- oder Cyberwährungen sind Bitcoin, Ethereum und Ripple die bekanntesten und auch die bedeutendsten.

Bei der Marktkapitalisierung belegen Ethereum und Ripple die Plätze Zwei und Drei. Unangefochtener Platzhirsch bleibt Bitcoin mit einem Marktanteil von gut zwei Dritteln.

Quelle: coinmarketcap.com

Digitale Währungen entstanden Ende der 90-er

Die ersten Ideen zur Schaffung digitaler Währungen gab es Ende der 90-er Jahre. Umgesetzt wurden sie aber erst im Umfeld der Finanzmarktkrise 2008 von einem gewissen Satoshi Nakamoto. Ob es sich dabei um eine Person oder das Pseudonym für eine Gruppe handelt, ist nicht geklärt. Auf jeden Fall wurden im Januar 2009 die ersten Bitcoins „geschürft”. Zwei Jahre später folgten Litecoin, 2013 Ripple und 2015 Ethereum.

Blockchain-Technik als Basis

Kryptowährungen basieren auf der Blockchain-Technik. Standardisierte Datenblöcke („blocks”), in denen Datensätze gespeichert sind, werden mit Hilfe komplexer Rechenoperationen zu einer Kette („chain”) verbunden. Auf dieser Kette aus Blöcken („Blockchain”) werden auch die Kryptowährungen gespeichert. Es gibt also keine zentrale Verwaltung. Die Ketten liegen vielmehr auf den Rechnern der Teilnehmer eines dezentralen Netzwerks, das alle Transaktionen aufzeichnet.

Digitale Währungen wie Bitcoin werden nicht von Notenbanken geschaffen und nicht von Behörden überwacht. Sie entstehen durch „Schürfen”, indem leistungsstarke Computer im Zuge komplexer Rechenoperationen weitere Blöcke an die bestehende Kette anhängen. Diese „Miner” werden mit Bitcoins entlohnt.

Bitcoin: „Halving” im Mai

Da die Anzahl Bitcoin auf 21 Mio. begrenzt ist, muss der Schöpfungsprozess ab und zu verlangsamt werden, um die Grenze nicht zu erreichen. Die „Miner” erhalten derzeit für jeden neu an die Kette gehängten Block 12,5 Bitcoin. Im Mai soll diese Zahl auf 6,25 Bitcoin halbiert werden.

Am Markt wird durch diese Verknappung von Bitcoin teilweise mit einem Kursschub gerechnet. Es erscheint allerdings wahrscheinlicher, dass das „Halving” bereits in den aktuellen Kursen enthalten ist.

Bitcoin ist ein Energiefresser

Kryptowährungen sind Energiefresser. Das maximale Volumen an Bitcoin wurde von vornherein auf 21 Mio. Stück begrenzt. Da aktuell bereits 18.285.862 Exemplare existieren (24.03.2020), wird die Anzahl neu geschürfter Bitcoins stetig weiter eingegrenzt. Dies geschieht, indem die Rechenoperationen immer komplexer werden, das Schürfen entsprechend aufwendiger. Konnte man Anfang 2009 angeblich noch Bitcoins mit einem privaten Rechner schürfen, ist dieses heute Betreibern großer Computernetzwerke vorbehalten.

Meldungen zufolge erreichte der geschätzte Energieverbrauch von Bitcoin kürzlich ein neues Allzeithoch von fast 78 Terawatt, was dem gesamten Stromverbrauch Chiles entspricht. Außerdem soll der Co2 Fußabdruck mittlerweile so groß sein wie der von Neuseeland.

Sind Kryptos anlagetauglich?

Die Wechselkurse von Bitcoin und Co. kommen ausschließlich durch Angebot und Nachfrage zustande. Niemand überwacht den Handel, glättet extreme Ausschläge oder ordnet Handelsunterbrechungen an. Mit extremen Kursschwankungen ist jederzeit zu rechnen. Selbst ein Totalverlust ist möglich, falls eine Währung einmal „out” sein sollte.

Bei der Vielzahl digitaler Währungen ist völlig unsicher, welche von ihnen sich langfristig durchsetzt und die Gunst der Nutzer bewahren kann. Seit Jahren hat Bitcoin die Nase vorn, während Ethereum und Ripple mit großem Abstand folgen. Gibt es einen Favoritenwechsel, können Wechselkurse rasch verfallen. Im Extremfall kann eine Digitalwährung sogar wertlos werden, denn es gibt weder einen inneren noch einen „fairen” Wert.

Fazit: Kryptowährungen in unregulierter Form sind nicht für eine Anlage geeignet. Eine regulierte Form digitaler Währungen dagegen könnte möglicherweise als Ergänzungsanlage in Erwägung gezogen werden.