Corona-Pandemie zieht der Weltwirtschaft vorübergehend den Stecker

 

Die Entwicklungen der letzten Wochen zeigen, dass es sich bei der Corona-Pandemie um eine globale Gesundheitskrise historischen Ausmaßes handelt. Die Volkswirtschaften und Finanzmärkte trifft diese Krise unvorbereitet. Kein Prognostiker auf dieser Welt konnte sie auf dem Schirm haben, weshalb man vom Phänomen eines „schwarzen Schwans” spricht. Immer klarer kristallisiert sich heraus, dass sich die dadurch ausgelöste Wirtschaftskrise deutlich von denen der letzten Jahrzehnte unterscheiden wird. Sie hat ihre ganz eigene Gesetzmäßigkeit: Erstmalig erleben wir eine sogenannte „Stay-at-home”-Rezession. Das heißt aufgrund der mittlerweile rund um den Globus erlassenen staatlichen Ausgangs- und Kontakteinschränkungen sind Produzenten und Dienstleister sowie Konsumenten gleichermaßen zuhause. Was wir erleben ist ein Angebots- und Nachfrageschock zugleich. Darüber hinaus lastet diese Gesundheitskrise und die von ihr ausgehende Unsicherheit auf der Psyche eines jeden einzelnen.

Vor diesem Hintergrund wird der konjunkturelle Einbruch im zweiten Quartal 2020 größer sein, als alles, was wir zuvor gesehen haben (schlechtestes Quartal in Deutschland: Q1 2009: -4,7%). Der Wachstumsverlauf im Gesamtjahr 2020 wird maßgeblich davon abhängen, wann es gelingt die Pandemie global einzudämmen. Da wir die Dauer der Gesundheitskrise nicht kennen und damit nicht wissen, ob auch das dritte Quartal in Mitleidenschaft gezogen wird, rechnen wir für Deutschland mit einer Schrumpfung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in einer Bandbreite von 5% bis 10%. Weiterhin gehen wir von einem U-förmigen Konjunkturverlauf aus. Das heißt, die aufgestaute Nachfrage sowie die zahlreich initiierten geld- und fiskalpolitischen Stimuli sollten in den folgenden Quartalen, insbesondere in 2021, einen sehr kräftigen Wachstumsschub bewirken.

Die Notenbanken und die Fiskalpolitik haben alle Register gezogen, um in der Krise zu unterstützen. Die US-Notenbank (Fed) hat neben der Absenkung des Leitzinses auf fast null ein unbegrenztes Anleiheankaufprogramm aufgelegt. Allein in dieser Woche wird sie für 625 Mrd. USD Staats- und hypothekenbesicherte Anleihen kaufen.

Zudem wird sie den Unternehmensanleihemarkt direkt stützen. An kleine und mittlere Firmen sowie Kommunen wird die Fed erstmals direkt Kredite vergeben, um sie liquide zu halten. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Geldschleusen noch weiter aufgerissen, in dem sie ein die bestehenden Maßnahmen ergänzendes Pandemie-Notfall-Ankaufprogramm (PEPP) von 750 Mrd. EUR beschlossen hat. Um die Flexibilität zu erhöhen wurde der Kapitalschlüssel, der den Anleihekäufen zugrunde liegt, aufgeweicht. Von der Fiskalpolitik wurden weltweit zahlreiche Liquiditäts- und Finanzierungshilfen aufgelegt, die das Volumen im Nachgang der Finanzkrise 2008/09 deutlich überschreiten.

Damit ist klar, dass die Staatsverschuldung im Zuge der Corona-Krise massiv ausgeweitet werden wird. Das Emissionsvolumen im Bereich der Staatsanleihen wird spürbar steigen. Das erhöhte Angebot dürfte die Kurse langlaufender Anleihen drücken und die Renditen entsprechend steigen lassen. Im kurzen Laufzeitbereich ist der Einfluss der Notenbank traditionell sehr hoch, was die Renditen dort tief halten wird. Ergo: Die Zinsstrukturkurve deutscher und amerikanischer Staatsanleihen dürfte steiler werden. Wir rechnen Ende 2020 mit 10-jährigen Renditen in Deutschland um die Null-Linie und in den USA um gut 1%. Um die Schuldentragfähigkeit unserer südeuropäischen Nachbarn und damit den Zusammenhalt der Euro-Zone zu gewährleisten, wird die EZB in diesen Segmenten verstärkt intervenieren.

In der Post-Corona-Zeit rechnen wir damit, dass die Sorglosigkeit der Investoren verflogen sein sollte und sie stärker auf das Verhältnis von Ertrag zu eingegangenem Risiko achten, d. h. Risiken werden wieder ein „Preisschild” haben. Das Segment der Unternehmensanleihen weist deutlich erhöhte Renditeaufschläge (Spreads) im Vergleich zu den als sicherer Hafen geltenden Staatsanleihen auf. Sie spiegeln die Illiquidität wider und sind Ausdruck der momentanen Dysfunktionalität der Märkte.

Der Handel an den Aktienmärkten zeigte – ähnlich wie einige Anleihesegmente – Züge panischen Verhaltens. Trotz geld- und fiskalpolitischer Stützung kam es zu keiner nachhaltigen Beruhigung. Diese wird unseres Erachtens erst einsetzen, wenn sich die Eindämmung der Gesundheitskrise abzeichnet. Der Risikoappetit an den Märkten wird erst dann zurückkehren, wenn die Neuinfektionen von COVID-19 den Gipfel der Glockenkurve überschritten haben, die Volkswirtschaften wieder anlaufen oder wenn ein Impfstoff bzw. Medikament entdeckt wird. Dann ist nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch an den Börsen ein historischer Aufschwung möglich.

Mit Blick auf den DAX hat sich sein Buchwert bei rund 8.200 Punkten bislang als gute Unterstützung erwiesen. Auf dem Niveau preist der Markt einen Gewinnrückgang von rund 35% ein. Wir gehen davon aus, dass die Volatilität in den kommenden Wochen sehr hoch bleiben wird, da sich das Corona-Epizentrum von Europa weiter in Richtung USA verlagern wird.

Wir empfehlen besonnen zu agieren. Die gute Nachricht ist, wir haben es, anderes als in vormaligen Krisen, nicht mit ökonomischen Ungleichgewichten zu tun, sondern mit einer Art Naturkatastrophe. Aktien-Fondssparpläne bzw. der gestaffelte Einstieg bleiben gerade in dieser Zeit ein ausgezeichnetes Instrument, um Positionen auf- bzw. auszubauen.

Unsere für den DAX aktuell erwartete Handelsbandbreite liegt zwischen 8.000 und 11.000 Punkte.

Fazit

Aktien bleiben ein strategischer Baustein der Vermögensallokation. Gleichwohl gilt es einen möglichen Zinsanstieg bei deutschen und amerikanischen Staatsanleihen am langen Ende genau im Auge zu behalten. Würden sich hier deutlich höhere Renditeniveaus abzeichnen, würde dies die Koordinaten unserer Anlagestrategie (Aktien, Anleihen und Immobilien) verschieben. Dafür ist es derzeit jedoch noch zu früh, weshalb wir die Aktienthemen „Ausschüttung” und „strukturelles Wachstum” (Megatrends) bestätigen. Aktienanleger, die über Liquidität und Zeit verfügen, können in einem ersten Schritt beginnen, Positionen in stark gedrückten Werten vorzunehmen.