Einkaufsmanagerindizes im März abgestürzt

Veröffentlicht am 24. März 2020

Einkaufsmanagerindizes im März abgestürzt

 

Die Corona-Pandemie hat die Einkaufsmanagerindizes (PMI) im März abstürzen lassen. Während die Einbrüche im industriellen Bereich geringer als befürchtet ausfielen, lagen sie bei den Dienstleistern weit unter den Erwartungen.

Während der französische Industrie-Wert um knapp 7 Punkte auf 42,9 Zähler abtauchte, verlor der deutsche PMI lediglich 2,3 Punkte und landete bei 45,7 Zählern.

Der Einkaufsmanagerindex Industrie für die gesamte Euro-Zone entfernte sich mit 44,8 Punkten (-4,4) wieder deutlich vom Wachstumsbereich. Bemerkenswert ist allerdings die Tatsache, dass der deutsche industrielle PMI die Tiefstände vom vergangenen Herbst nicht unterschritt.

PMI der Dienstleister fast halbiert

Waren die Dienstleistungen im vergangenen Jahr noch Garanten eines zumindest geringen Wachstums, sind sie derzeit Signalgeber für eine schwere Rezession.

In Deutschland brach der Service PMI auf 34,5 Zähler (-20), in Frankreich auf 29 Punkte (-23,5) und in der Euro-Zone auf 28,4 Punkte (-24,2) ein.

Composite-Indizes extrem schwach

Auch die aggregierten Einkaufsmanagerindizes (PMI Composite) stürzten ab. Frankreich meldete 30,2  (-21,8), Deutschland 37,2 (-13,5) und die Euro-Zone 31,4 (-20,2) Punkte.

Fazit: Während die Industrie nicht ganz so schlecht abschnitt wie befürchtet, signalisiert der Dienstleistungssektor eine schwere Rezession.

 

Hintergrund: Was ist ein PMI?

Einkaufsmanagerindizes sind auch als PMI (Purchasing Managers Index) bekannt. Sie gelten als recht zuverlässige Frühindikatoren für die kurzfristige konjunkturelle Entwicklung. PMI werden sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleitungssektor erhoben. Sie zeigen an, ob eine Volkswirtschaft wächst, stagniert oder schrumpft.

Einkaufsmanagerindizes basieren auf monatlichen Befragungen von mehreren hundert Unternehmen. Gefragt wird nach der erwarteten Entwicklung von Kenngrößen wie Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lieferzeiten und Lagerbestand. Aus den Antworten werden die PMI berechnet.

Dabei gilt ein Wert von 50 als Wachstumsschwelle, als neutral. Bei 50 Punkten erwarten die befragten Unternehmen in der Summe keine Veränderung gegenüber dem Vormonat, also Stagnation.

Werte über 50 signalisieren eine Verbesserung, also Wachstum.

Liegt ein industrieller PMI unter 50 Punkten, wird mit einer schrumpfenden Industrieproduktion gerechnet.

Je größer die Abweichung von der Wachstumsschwelle, desto ausgeprägter ist der Aufschwung (über 50) bzw. der Abschwung (unter 50).

Weniger als 50 Punkte = Rezession?

Nein. Eine Rezession tritt nicht unmittelbar bei 49,9 Zählern ein, da die Industrie nur einen Teil der gesamten Volkswirtschaft darstellt. Der weitaus größere Teil der Wirtschaftsleistung entfällt auf den Dienstleistungssektor, der weniger schwankungsanfällig ist als der industrielle Sektor. In den USA gilt ein industrieller PMI von 43 als kritische Grenze . Erst bei dessen Unterschreitung dürfte eine Rezession vor der Tür stehen.

PMI für alle wichtigen Volkswirtschaften 

Einkaufsmanagerindizes werden für alle bedeutenden Volkswirtschaften erhoben. Der älteste ist der amerikanische Purchasing Managers Index, erstmals berechnet 1931.

PMI bewegen sich im Normalfall zwischen 40 und 60 Punkten. In Extremzeiten sind auch mal höhere oder tiefere Werte möglich. Im Dezember 2017 kletterten der deutsche PMI auf den Rekordstand von 63,3 Punkten, während der Einkaufsmanagerindizes aus Chicago sogar fast die 67-er Marke erreichte.