Geschäftsklimaindex signalisiert schwere Rezession

Veröffentlicht am 20. März 2020

Geschäftsklimaindex signalisiert schwere Rezession

 

Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im März massiv verschlechtert. Der vom Münchener ifo Institut ermittelte Geschäftsklimaindex fiel mit 87,7 Punkten auf den tiefsten Stand seit September 2009. Ursächlich waren die Folgen der Corona-Pandemie.

Mit den März-Daten verflüchtigten sich die zaghaften Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung, die zu Jahresbeginn aufgekommen waren.

Erwartungen brachen ein wie nie zuvor

Die beiden Subindizes des ifo entwickelten sich außergewöhnlich schwach. Während die Lage mit 93,8 Punkten deutlich schlechter eingeschätzt wurde als im Vormonat (-5,2), brach der Erwartungsindex regelrecht ein. Er stoppte mit 82,0 Zählern (-11,2) erst kurz vor dem historischen Tiefstand vom Dezember 2008 (79,2).

Industrie extrem pessimistisch

Im Verarbeitenden Gewerbe sank die Stimmung auf den tiefsten Stand seit August 2009. Während die aktuelle Lage deutlich schlechter eingeschätzt wurde, brachen die Erwartungen so stark ein wie nie zuvor.

Im Bauhauptgewerbe trübte sich die Stimmung nicht ganz so stark ein. Während die aktuelle Lage am Bau immer noch sehr gut beurteilt wurde, verschlechterte sich der Ausblick.

Dienstleister im Stimmungstief

Im Dienstleistungssektor fiel das Geschäftsklima so stark wie noch nie. Sowohl die Lage als auch die Erwartungen wurden deutlich schlechter beurteilt.

Im Handel stürzten die Erwartungen auf das niedrigste Niveau seit der Wiedervereinigung Ende der achtziger Jahre. Auch die aktuelle Lage wird deutlich negativer beurteilt.

“Die deutsche Wirtschaft stürzt in die Rezession …“,

… beurteilt das ifo Institut die aktuellen Daten.

Auf die Prognose einer Quartalswachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts wurde diesmal verzichtet.

Auch die ifo Konjunkturampel wurde nicht veröffentlicht.

Fazit: Der Einbruch des Geschäftsklimas signalisiert ganz klar, dass Deutschland im Zuge der Corona-Pandemie in eine schwere Rezession gleitet. Niemand kann derzeit abschätzen, wie tief und wie lange sie sein wird.

 

Hintergrund:

ifo als Frühindikator

Der ifo Geschäftsklimaindex gilt als der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Er wird bereits seit den fünfziger Jahren erhoben und setzt sich aus den beiden Komponenten “Lage” und “Erwartung” zusammen. Gefragt werden monatlich rund 9000 Unternehmen. Diese beurteilen die aktuelle Lage sowie die Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Als Antwortmöglichkeiten stehen zur Wahl: gut / befriedigend / schlecht (bei der Lageeinschätzung) bzw. günstiger / gleich bleibend / ungünstiger (bei den Erwartungen). Aus den Antworten wird der Geschäftsklimaindex berechnet.

Der ifo wurde 2018 neu aufgesetzt 

Der “ifo Geschäftsklimaindex für die Gewerbliche Wirtschaft” wurde im Frühjahr 2018 durch das “ifo Geschäftsklima Deutschland” ersetz. Bildete “der ifo” zuvor lediglich die Lage und die Erwartungen des gewerblichen Sektors (Industrie, Bau, Groß- und Einzelhandel) ab, so umfasst er seither auch den Dienstleistungssektor. Dieser wurde vorher separat erfasst. Darüber hinaus erfolgte die Umstellung des Basisjahres von 2005 auf 2015.

Mit der Einbeziehung der Dienstleistungen repräsentiert der “neue ifo” einen deutlich größeren Bereich der deutschen Wirtschaft, denn der Dienstleistungssektor alleine generiert rund zwei Drittel der Bruttowertschöpfung in Deutschland. Der “neue ifo” hat folgende Gewichtungen: Dienstleistungssektor 50,5%, Verarbeitendes Gewerbe 30,2%, Bauhauptgewerbe 6,0%, Großhandel 7,1% und Einzelhandel 6,2%. Durch die Hereinnahme des weniger schwankungsanfälligen Dienstleistungssektors wird der Index etwas “zusammengestaucht”, wie das ifo Institut schreibt. Der Verlauf ist jedoch nahezu identisch, denn die Korrelation zwischen altem und neuen ifo sei mit 0,98 sehr hoch.