EZB lässt Leitzinsen unverändert

Veröffentlicht am 12. März 2020

EZB lässt Leitzinsen unverändert

 

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Markterwartungen widerstanden und alle Leitzinsen unverändert gelassen. Der Einlagesatz für Banken (“Strafzins”) bleibt bei minus 0,50%, der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00% und der Ausleihsatz bei 0,25%. Stattdessen wurde ein geldpolitisches Paket beschlossen.

Das geldpolitische Paket …

… besteht hauptsächlich aus Liquidität. So sollen zusätzliche längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (longer-term refinancing operations, LTROs) begeben werden. Mit ihnen soll die Zeit bis zur Begebung der dritten Reihe gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (targeted longer-term refinancing operations, TLTROs) im Juni überbrückt werden.

Darüber hinaus werden die Anleihekäufe aufgestockt. Seit November 2019 werden monatlich Anleihen für 20 Mrd. EUR erworben. Bis zum Jahresende sollen nun zusätzliche 120 Mrd. EUR in Anleihen investiert werden.

Die Anleihekäufe unterstützen die Leitzinspolitik und werden solange vorgenommen, “wie es für die Verstärkung der akkommodierenden Wirkung seiner Leitzinsen erforderlich ist”. Sie sollen allerdings beendet werden, kurz bevor die erste Leitzinserhöhung ansteht. Das dürfte noch Jahre dauern.

Corona-Krise verlangt Notenbankmaßnahmen

Begründet wird die expansive Geldpolitik mit den zusätzlichen konjunkturellen Risiken durch das Corona-Virus. Aber auch das anhaltende Verfehlen des Inflationsziels von “nahe, aber unter 2%” verlangt eine lockere Geldpolitik. Sowohl die Inflationsrate, die Inflationserwartungen und auch die Kernrate der Inflation haben sich vom Zielwert weit nach unten entfernt.

Wachstumsprognose gesenkt

Die Projektionen wurden im März wegen der Corona-Krise teilweise reduziert.

Die EZB rechnet für die Euro-Zone mit Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts von 0,8% in 2020, 1,3% in 2021 sowie 1,4% in 2022.

Bei den Inflationsraten erwarten die Währungshüter 1,1% in 2020, 1,4% in 2021 und 1,6% in 2022.

Fazit: Die Beschlüsse der EZB unterstreichen unsere Einschätzung, dass das Zinstief noch lange Zeit anhält. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist nicht in Sicht.

 

Historie der Anleihekäufe

Seit März 2015 erwarb die EZB in großem Stil Anleihen. Die monatlichen Käufe betrugen zunächst 60 Mrd. EUR, wurden im April 2016 auf 80 Mrd. EUR erhöht, im Januar 2018 auf 30 Mrd. EUR reduziert und lagen zum Schluss bei 15 Mrd. EUR. Die EZB stellte ihre regelbasierten Anleihekäufe zum Jahresende 2018 ein. Seit November 2019 werden nun wieder monatlich 20 Mrd. EUR gekauft.

Zuvor wurden nur noch die Fälligkeiten des 2,6 Billionen EUR schweren EZB-Anleiheportfolios reinvestiert, um die Bilanzsumme konstant zu halten.  Dies waren im Gesamtjahr 2019 rund 203 Mrd. EUR, bzw. knapp 17 Mrd. EUR im Monatsdurchschnitt. An den Reinvestitionen wird weiter festgehalten.

Begründet werden die Käufe offiziell mit der Abwehr deflationärer Tendenzen. Tatsächlich dürfen sie dem Ziel dienen, die im Zuge der Euro-Krise in Frage gestellte Schuldentragfähigkeit einiger Euro-Länder sicherzustellen und damit letztendlich den Euro zu retten.