ZEW Indikator schnellt erneut nach oben

Veröffentlicht am 10. Dezember 2019

ZEW Indikator schnellt erneut nach oben

 

Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator schnellte im Dezember um mehr als 10 Punkte nach oben.

Er verließ damit das negative Terrain und markierte den höchsten Stand seit Februar 2018. Der Wert lag deutlich über den Erwartungen.

Im August markierte der ZEW Indikator mit minus 44 Punkten einen mehrjährigen Tiefstand. Seither ist er rasant gestiegen.

Die markanten Verbesserungen des ZEW Indikators in den vergangenen Monaten stärken die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung und vertreiben die Rezessionssorgen.

Erwartungen und Lage verbessert

Die Konjunkturerwartungen schnellten im Dezember um 12,8 Punkte auf 10,7 Zähler empor. Die aktuelle Lage wurde ebenfalls deutlich besser eingeschätzt. Der entsprechende Indikator legte allerdings lediglich um 4,8 Punkte zu und blieb mit minus 19,9 Zählern “unter Wasser”.

BIP 2019: +0,6%

Das inländische BIP wuchs im 1. Quartal um 0,5% zum Vorquartal  und schrumpfte im 2. Quartal um 0,2%. Im 3. Quartal gab es ein kleines Plus von 0,1%, so dass die “technische” Rezession vermieden wurde. Im laufenden Schlussquartal dürfte das BIP leicht zulegen.

Für das Gesamtjahr 2019 zeichnet sich ein Zuwachs des BIP von 0,6% ab, wenn die saison- und kalenderbereinigten Quartalswerte herangezogen werden. Auf Basis der tatsächlichen Jahreswerte (Ursprungswerte) liegt das Plus bei 0,7%, da das Jahr 2019 einen Arbeitstag mehr hat als das Vorjahr.

BIP 2020: +0,9%

In der Annahme, dass sich der Arbeitsmarkt nicht nennenswert abschwächt, rechnen wir für das neue Jahr mit einem Zuwachs des BIP von 0,9%. Rund ein Drittel des Wachstums beruht allerdings auf der höheren Anzahl von Arbeitstagen. Die grundlegende wirtschaftliche Dynamik 2020 schätzen wir genauso verhalten ein wie im abgelaufenen Jahr

Fazit: Deutschland verzeichnete 2019 eine starke konjunkturelle Abkühlung, jedoch keine Rezession oder gar Wirtschaftskrise. Bereits 2020 ist beim BIP aufgrund einer größeren Anzahl von Arbeitstagen wieder eine höhere Wachstumsrate zu erwarten. Die zugrunde liegende Dynamik dürfte jedoch verhalten bleiben. 

 

Hintergrund:

Vorbote konjunktureller Wendepunkte

Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

Bis zu 300 Experten*innen werden befragt

Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen  kontaktiert. Sie werden nach ihren mittelfristigen Erwartungen bezüglich der Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt.

Gegenstand dieser Befragung sind die wichtigsten internationalen Finanzkennzahlen: Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes, Wechselkurse sowie der Ölpreis.

Der Indikator Konjunkturerwartungen gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten in Deutschland wieder.

An der Dezember-Umfrage des Finanzmarkttests vom 02.12.2019 – 09.12.2019 beteiligten sich 198 Analysten und institutionelle Anleger.