Gold: Goldrausch vorüber oder Verschnaufpause im Höhenflug?

Veröffentlicht am 11. November 2019

Gold: Goldrausch vorüber oder Verschnaufpause im Höhenflug?

 

Nach Überwindung der langjährigen technischen Widerstandslinie um 1.360 USD schnellte der Goldpreis empor. In der Spitze wurden Anfang September rund 1.550 USD für eine Feinunze Gold gezahlt. Anschließend beruhigte sich das Geschehen, so dass sich der Preis derzeit in einer weiten Spanne um die Marke von 1.500 USD bewegt.

Handelt es sich dabei lediglich um eine Verschnaufpause auf dem Weg zu den historischen Höchstständen oder ist der Goldrausch vorüber?

Zunächst “Luft” bis 1.560 USD

Aus technischer Sicht hat der Goldpreis zunächst “Luft” bis rund 1.560 USD pro Feinunze. Dort liegt ein beachtlicher technischer Widerstand, an dem die Goldnotierung zuletzt im September scheiterte. Die Hürde stammt noch aus den Rekordjahren 2011 und 2012. Seinerzeit war sie die Unterstützungslinie, die im April 2013 gerissen wurde.

Technisch gesehen gilt die Leitlinie: “Widerstand wird zur Unterstützung”, wenn er überwunden wird. Und umgekehrt. So wird die frühere Unterstützungslinie nun zum Widerstand auf dem weiteren Weg nach oben.

Fazit: Im Bereich um 1.560 USD kann der Goldpreis noch einige Male gebremst werden. Langfristig sind allerdings neue Höchststände möglich.

 

Der aktuelle Höhenflug

Der jüngste Höhenflug begann im Frühjahr 2019. Aufwind kam von den wachsenden politischen Verunsicherungen, der zinspolitischen Kehrtwende der Notenbanken und dem sich abzeichnenden Ende des Dollar-Höhenfluges.

Mitte Juni wurden die Chancen für steigende Goldnotierungen immer besser. Die Verunsicherung der Marktteilnehmer nahm stetig zu, da der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskalierte.

Zudem zeichnete sich klar ab, dass die US-Notenbank Ende Juli den Leitzins senken würde. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe rutschte unter die Marke von 2,00% und fing sich erst wieder bei etwa 1,50%.

Die früheren Auftriebskräfte des US-Dollar verloren an Kraft. Nach dem bekannten Motto “schwacher Dollar – starkes Gold” erhielt das gelbe Metall dagegen immer stärkeren Auftrieb.

Schließlich gelang es, die markante technische Widerstandslinie um 1.360 USD zu überwinden. Diese bildetet sich nach dem Absturz der Goldnotierung in den Jahren 2012 und 2013. Sie wurde in den vergangenen Jahren zwar wiederholt getestet, hatte aber immer gehalten.

Was beeinflusst den Goldpreis?

Es gibt zahlreiche Börsenweisheiten wie „schwacher Dollar – starkes Gold” oder „Gold = Absicherung gegen fallende Aktienkurse”.

Keiner der angenommenen Zusammenhänge hält allerdings einer langjährigen Überprüfung stand. Der Gleichschritt mit dem Gold gilt meist nur für einen begrenzten Zeitraum.

Recht ausgeprägt ist seit Jahren der Zusammenhang mit der amerikanischen Realverzinsung. Sinkt die inflationsbereinigte Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe, so steigt der Goldpreis – und umgekehrt.

Das größte Risiko für den Goldpreis besteht daher aktuell darin, dass die realen Renditen in den USA steigen. Dies würde geschehen, wenn die Inflationserwartungen zurückgehen oder die nominalen Renditen steigen.

Gehen die amerikanischen Realrenditen dagegen weiter zurück, dürfte der Goldpreis die bisherigen Höchststände im Bereich um 1.900 USD anvisieren. Zuvor muss er allerdings den technischen Widerstand bei 1.560 USD überwinden.

Goldnachfrage legt 2019 moderat zu

Im 3. Quartal 2019 war die Nachfrage nach Gold mit 1.108 t um 3% höher als im gleichen Quartal des Vorjahres. Das Angebot nahm um 4% auf 1.222 t zu.

Der Aufschwung wurde insbesondere von den Gold-ETFs, den börsennotierten Goldindexfonds, getragen. Sie wuchsen um 258 t auf den Rekordstand von 2.855 t. Die Nachfrage nach Barren und Münzen halbierte sich dagegen auf 150 t.

Auch die Zentralbanken erwarben im 3. Quartal lediglich 156 t (-38%). Die aktivsten Käufer waren nach Angaben des World Gold Council die Notenbanken der Türkei, Russlands und Chinas.

Bei den Juwelieren ging die Nachfrage um 16% auf 461 t zurück. Ursächlich war insbesondere die schwächere Nachfrage in Indien (-32%) und China (-12%).

Der globale Goldmarkt 2018

Im vergangenen Jahr legte die Nachfrage nach Gold nach Angaben des World Gold Council um 4,4% auf 4.345,1  Tonnen (t) zu. Ihr stand ein globales Goldangebot von 4.490,2 t gegenüber.  Es gab massive Abflüsse bei Gold-ETFs, den börsennotierten Goldindexfonds, die ihre Bestände um 137,5 t auf nur noch 68,9 t verringerten (-67%). Den ETF-Abflüssen stand eine kräftige Ausweitung der Notenbankkäufe gegenüber (+74%).

Notenbanken kauften 2018 sehr viel Gold

Die Zentralbanken kauften seit Jahrzehnten nicht mehr soviel Gold wie im vergangenen Jahr. Sie erhöhten ihre Reserven um 651,5 t und halten zusammen rund 34.000 t Gold. Die größten Aufstockungen nahmen die Notenbanken in Russland (274,3 t), der Türkei (51,5 t) und Kasachstan (50,6 t) vor.

Die Nachfrage der Juweliere für die Anfertigung von Goldschmuck war mit 2.200 t nahezu unverändert, wobei China und Indien die Hauptmärkte sind. Im Technologiebereich wurden 334,6 t Gold benötigt (+1%), während die Käufe von Barren und Münzen um 4% auf 1.090 t zulegten. Hier gab es erneut großes Interesse in China und Indien, zunehmend aber auch aus dem Iran.