Ölpreisschub nach Angriff auf Ölanlagen

Veröffentlicht am 16. September 2019

Ölpreisschub nach Angriff auf Ölanlagen

Am Wochenende haben Drohnenangriffe zwei Kernbereiche der Ölproduktion in Saudi-Arabien schwer beschädigt. Hierdurch ist eine Produktionsmenge von 5,7 Mio. Barrel / Tag kurzfristig ausgefallen. Dies ist mehr als die Hälfte der saudi-arabischen Ölproduktion und rund 5% des weltweiten Angebotes.

In der Folge erlebten die Weltrohölmärkte den stärksten täglichen Preissprung seit 1992. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Nordseeöl Brent schoss am Montagmorgen zeitweise um bis zu 20% auf knapp 70 USD, beruhigte sich jedoch anschließend und notiert derzeit um 65 USD.

In den vergangenen Monaten hatten Sorgen vor einer wirtschaftlichen Abschwächung den Ölpreis belastet, die Produzenten reagierten darauf mit einer Zurückhaltung auf der Angebotsseite: Während die in der OPEC zusammengeschlossenen Staaten gemeinsam mit 11 weiteren Anbietern, vor allem Russland, (OPEC+) ihr Ende 2018 vereinbartes Förderbegrenzungsabkommen Anfang Juli verlängerten und eine hohe Förderdisziplin aufweisen, hat auch der freie Markt reagiert: In den USA haben die niedrigeren Ölpreise dazu geführt, dass weniger Investitionen in neue Schieferölförderungen geflossen sind, so dass die Zahl der aktiven Bohrlöcher von über 1.000 auf unter 900 zurückgegangen ist. Mit den Förderbegrenzungsmaßnahmen der OPEC+ und dem Rückgang der Ölinvestitionen in den USA wurde bereits ein stabiler Rahmen für die sehr moderat bewerteten Öl- und Gaskonzerne geschaffen. Diese Titel überzeugen im derzeitigen Kapitalmarktumfeld wegen ihrer defensiven Qualitäten. Sie weisen hohe und stabile Ausschüttungen, gesunde Bilanzen und eine vorsichtige Investitionspolitik auf. Vor diesem Hintergrund haben wir die Ölbranche schon seit einiger Zeit in unserer europäischen Einzeltitelallokation hoch gewichtet (10%).

Bei dem Vorfall vom Wochenende sollte es sich nur um eine kurzfristige Störung des globalen Angebotes von wenigen Wochen oder Monaten handeln. Zudem dürfte der Rückgriff auf Ölvorräte mögliche Preisschübe abfedern. Allerdings beleuchtet der Angriff auf die Ölanlagen, dass ein wesentlicher Teil der globalen Ölproduktion in einer politisch sehr sensiblen Region stattfindet und daher für Störungen anfällig ist.

Die heutige Kursreaktion zeigt erneut, dass die von KCH zum Kauf empfohlenen Ölaktien wie Total (1)(Kursziel 61 EUR) und Royal Dutch Shell (2) (Kursziel 33 EUR) eine wichtige Stabilisierungsfunktion in einem Aktienportfolio erbringen. Anleger, die diesen Sektor bisher noch vernachlässigt haben, sollten ihre Branchenallokation anpassen und Öltitel aufstocken.

Erläuterungen zu den Fußnoten, Zusammenfassungen der Einzelempfehlung unseres Research Partners Kepler Cheuvreux:

(1) Total-Einzelempfehlung von Kepler Cheuvreux, veröffentlicht am 10.09.2019, Votum: Kaufen, Kursziel 61,00 EUR. Die erstmalige Weitergabe durch die Haspa erfolgte am 10.09.2019 um 15:15 Uhr. Die weiteren gesetzlichen Pflichtangaben finden Sie hier.

(2) Royal Dutch Shell -Einzelempfehlung von Kepler Cheuvreux, veröffentlicht am 02.08.2019, Votum: Kaufen, Kursziel 33,00 EUR. Die erstmalige Weitergabe durch die Haspa erfolgte am 05.08.2019 um 11:00 Uhr. Die weiteren gesetzlichen Pflichtangaben finden Sie hier.