Wochenausblick Aktien

Wochenausblick Aktien

Nach der EZB ist vor der Fed

Die Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) stand in der Berichtswoche im Mittelpunkt des Geschehens. Dabei gingen die Erwartungen bezüglich der geldpolitischen Lockerungen weit auseinander. Sie reichten von einer Senkung des Einlagesatzes („Strafzins”) um zwanzig Basispunkte auf minus 0,60% über die Einrichtung einer Staffelung bei der Strafzinszahlung bis hin zu neuerlichen Wertpapierkäufen von monatlich 30 Mrd. EUR. Manche Beobachter rechneten sogar damit, dass die EZB dem Vorbild der Bank of Japan folgen und künftig neben Staats- und Unternehmensanleihen auch Aktien erwerben könnte. Trotz der sehr hohen Erwartungen schaffte es die EZB einmal mehr, den Markt positiv zu überraschen. Insbesondere die bereits im November einsetzenden Anleihekäufe von monatlich 20 Mrd. EUR und die Verlängerung der Sonderrefinanzierungsgeschäfte (TLTROs) auf drei Jahre waren dafür verantwortlich. Der Rückgang des Strafzinses auf minus 0,50% dagegen kam erwartet. Für eine Marktberuhigung sorgte auch die endgültige Annahme des „No-No-Deal-Gesetzes” in Großbritannien, das einen Brexit ohne Austrittsvertrag verbietet. Positive Impulse kamen zudem von den Hauptdarstellern im Handelsstreit. So nahm China einige Waren von höheren Zöllen aus und die USA verlängerten die Einführung höherer Zölle um zwei Wochen. Vor diesem Hintergrund setzte der Deutsche Aktienindex (DAX) seinen Höhenflug fort und kletterte über die Marke von 12.400 Punkten.

Wie geht es weiter?

Dem September eilt der Ruf voraus, ein denkbar schlechter Börsenmonat mit fallenden Kursen zu sein. In diesem Jahr legte der Deutsche Aktienindex (DAX) allerdings seit Anfang September um mehr als 400 Zähler zu und nähert sich seinem technischen Widerstand im Bereich um 12.600 Punkte. Nimmt man den aktuellen fundamentalen Datenkranz als Messlatte, so dürfte er an dieser Hürde scheitern. Denn die sich abzeichnende „technische” Rezession in Deutschland sowie lediglich überschaubare Wachstumserwartungen für das Jahr 2020 sind kein tragfähiger Boden für einen fortgesetzten Höhenflug am Aktienmarkt. Zudem wird der aktuelle Kursaufschwung der Dividendenwerte hauptsächlich von der Hoffnung auf eine noch expansivere Geldpolitik getragen. Als Bremse erweist sich dagegen immer wieder der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China. Ohne eine echte Vereinbarung wird er weiter als latentes Risiko über dem Kapitalmarkt schweben. Ob und wann ein solcher „Deal” zustande kommt, ist nicht prognostizierbar. Summa summarum sollte der jüngste Höhenflug am inländischen Aktienmarkt mangels fundamentaler Unterstützung eigentlich auslaufen. Ein Anlauf auf die bisherigen Jahreshöchststände im Bereich von 12.600 Punkten ist allerdings möglich, wenn nach der EZB nun auch die US-Notenbank in der kommenden Woche den Markt positiv überraschen kann. Sollte dies nicht gelingen, dürfte der deutsche Aktienindex doch noch zum „September-Blues” wechseln und vorübergehend den Rückwärtsgang einlegen.

Stand 12.09.2019