EZB senkt den Strafzins und kauft wieder Anleihen

Veröffentlicht am 12. September 2019

EZB senkt den Strafzins und kauft wieder Anleihen

 

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat heute entschieden, den Einlagesatz für Banken (“Strafzins”) von minus 0,40% auf minus 0,50% zu reduzieren. Der Hauptrefinanzierungssatz bleibt unverändert bei 0,00%. Der Rat beschloss zudem, bereits ab November wieder Anleihekäufe von monatlich 20 Mrd. EUR zu tätigen.

Die Leitzinsen sollen solange auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben, bis die Inflationsrate wieder den Zielwert von “nahe, aber unter 2 %” erreicht hat. Das dürfte dauern.

Gleichzeitig wurde beim Strafzins eine Staffelung beschlossen, die zu einer Entlastung der Kreditinstitute bei der Strafzinszahlung führen soll. Die Einführung der Zinsstaffel werten wir als Signal, dass der Strafzins wahrscheinlich noch weiter gesenkt wird und lange Zeit erhalten bleibt.

Neue Anleihekäufe

Der Rat beschloss zudem, bereits ab November wieder Anleihekäufe von monatlich 20 Mrd. EUR zu tätigen. Sie sollen solange vorgenommen werden, wie erforderlich. Sie sollen allerdings enden, bevor die erste Leitzinserhöhung vorgenommen wird.

Konditionen der TLTROs attraktiver gemacht

Von September 2019 bis März 2021 werden den Kreditinstituten sieben „gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte” (Targeted Longer-Term Refinancing Operations, TLTROs) angeboten. Sie ersetzen auslaufende Kreditgeschäfte im dreistelligen Milliardenbereich.

Die Laufzeiten dieser dritten TLTRO-Serie wurde von geplanten zwei auf drei Jahre verlängert. Die Verzinsung erfolgt nicht mehr mit 10 Basispunkten über dem Hauptrefinanzierungssatz, sondern zum Hauptrefinanzierungssatz. Das EZB-Geld gibt es also umsonst. Kreditinstitute, die eine besonders hohe Nettokreditvergabe vorweisen, erhalten die Mittel sogar zum Strafzins, also im Idealfall zu minus 0,5%. Für jede Million an neuen Krediten gibt es in diesem Fall also eine Belohnung von 5.000 EUR.

Strafzinssenkung entspricht den Erwartungen

Begründet wird der Zinsschritt mit den abwärts gerichteten Wachstumsrisiken in der Euro-Zone und vor allem dem neuerlichen Verfehlen des Inflationsziels von “nahe, aber unter 2%”. Sowohl die Inflationsraten als auch die Inflationserwartungen haben sich zuletzt weiter vom Zielwert nach unten entfernt.

Projektionen gesenkt 

Dementsprechend wurden die Projektionen gesenkt. Die EZB erwartet eine länger andauernde konjunkturelle Schwächephase.

Sie rechnet nur noch mit Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts von 1,1% in 2019, 1,2% in 2020 und 1,4% in 2021.

Bei den Inflationsraten erwarten die Währungshüter 1,2% in 2019, 1,0% in 2020 und 1,5% in 2021.

Fazit: Die heutigen Beschlüsse der EZB lassen den eindeutigen Schluss zu: Das Zinstief dürfte noch mehrere Jahre anhalten. Es ist kein Ende der Niedrigzinsphase in Sicht.

 

Strafzinssenkung war erwartet

Am Markt wird bereits seit Mitte Juni mit einem niedrigeren Strafzins gerechnet, wie aus dem nachfolgenden Chart ersichtlich wird. So hat sich der am Einlagesatz hängende 3-Monatssatz seither deutlich ermäßigt und liegt aktuell bei minus 0,43%.

Historie der Anleihekäufe

Seit März 2015 erwarb die EZB in großem Stil Anleihen. Die monatlichen Käufe betrugen zunächst 60 Mrd. EUR, wurden im April 2016 auf 80 Mrd. EUR erhöht, im Januar 2018 auf 30 Mrd. EUR reduziert und lagen zum Schluss bei 15 Mrd. EUR. Die EZB stellte ihre regelbasierten Anleihekäufe zum Jahresende 2018 ein. Ab November 2019 werden nun wieder monatlich 20 Mrd. EUR gekauft.

Zuvor wurden nur noch die Fälligkeiten des 2,6 Billionen EUR schweren EZB-Anleiheportfolios reinvestiert, um die Bilanzsumme konstant zu halten.  Dies sind im Gesamtjahr 2019 rund 203 Mrd. EUR, bzw. knapp 17 Mrd. EUR im Monatsdurchschnitt. An den Reinvestitionen wird weiter festgehalten.

Begründet wurden die Käufe offiziell mit der Abwehr deflationärer Tendenzen. Tatsächlich dürften sie dem Ziel gedient haben, die im Zuge der Euro-Krise in Frage gestellte Schuldentragfähigkeit einiger Euro-Länder sicherzustellen und damit letztendlich den Euro zu retten.