Goldpreis: “Luft” zunächst bis 1.560 US-Dollar

Veröffentlicht am 16. August 2019

Goldpreis: “Luft” zunächst bis 1.560 US-Dollar

Nach Überwindung der technischen Widerstandslinie um 1.360 USD scheint sich der Preis für eine Feinunze Gold etwas oberhalb von 1.500 USD festzufahren. Wie weit reicht der Schwung?

“Luft” bis 1.560 USD

Aus technischer Sicht hat der Goldpreis noch etwas “Luft”. Bei rund 1.560 USD pro Feinunze baut sich allerdings ein beachtlicher Widerstand auf, der noch aus den Rekordjahren 2011 und 2012 stammt. Seinerzeit war dies die Unterstützungslinie, die im April 2013 gerissen wurde.

Technisch gesehen gilt die Leitlinie: “Widerstand wird zur Unterstützung”, wenn er überwunden wird. Und umgekehrt. So wird die frühere Unterstützungslinie nun zum Widerstand auf dem weiteren Weg nach oben.

Fazit: Im Bereich um 1.560 USD können zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen erwogen werden. Langfristig sind allerdings neue Höchststände möglich.

Was beeinflusst den Goldpreis?

Es gibt zahlreiche Börsenweisheiten wie „schwacher Dollar – starkes Gold” oder „Gold = Absicherung gegen fallende Aktienkurse”. Keiner der angenommenen Zusammenhänge hält allerdings einer langjährigen Überprüfung stand. Der Gleichschritt mit dem Gold gilt meist nur für einen begrenzten Zeitraum.

Am ausgeprägtesten ist seit einigen Jahren der Zusammenhang mit der Realverzinsung in den USA. Steigt die inflationsbereinigte Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe, so fällt der Goldpreis – und umgekehrt.

Das größte Risiko für den Goldpreis besteht daher aktuell darin, dass die Inflationserwartungen zurückgehen und die realen Renditen steigen. Gehen die amerikanischen Realrenditen dagegen weiter zurück, dürfte der Goldpreis die bisherigen Höchststände im Bereich um 1.900 USD anvisieren.

Hintergrund:

Der jüngste Höhenflug begann im Frühjahr. Aufwind kam von den wachsenden politischen Verunsicherungen, der zinspolitischen Kehrtwende der Notenbanken und dem sich abzeichnenden Ende des Dollar-Höhenfluges.

Mitte Juni wurden die Chancen für steigende Goldnotierungen immer besser. Die Verunsicherung der Marktteilnehmer nahm stetig zu, da der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskalierte. Zudem verloren die Auftriebskräfte des US-Dollar an Kraft. Nach dem bekannten Motto “schwacher Dollar – starkes Gold” erhielt das gelbe Metall immer mehr Auftrieb.

Schließlich wurde die markante technische Widerstandslinie um 1.360 USD überwunden. Diese bildetet sich nach dem Absturz der Goldnotierung in den Jahren 2012 und 2013. Sie wurde in den vergangenen Jahren zwar wiederholt getestet, hatte aber immer gehalten.

Der globale Goldmarkt

Im vergangenen Jahr legte die Nachfrage nach Gold nach Angaben des World Gold Council um 4,4% auf 4.345,1  Tonnen (t) zu. Ihr stand ein globales Goldangebot von 4.490,2 t gegenüber.  Es gab massive Abflüsse bei Gold-ETFs, den börsennotierten Goldindexfonds, die ihre Bestände um 137,5 t auf nur noch 68,9 t verringerten (-67%). Den ETF-Abflüssen stand eine kräftige Ausweitung der Notenbankkäufe gegenüber (+74%).

Notenbanken kauften 2018 sehr viel Gold

Die Zentralbanken kauften seit Jahrzehnten nicht mehr soviel Gold wie im vergangenen Jahr. Sie erhöhten ihre Reserven um 651,5 t und halten zusammen rund 34.000 t Gold. Die größten Aufstockungen nahmen die Notenbanken in Russland (274,3 t), der Türkei (51,5 t) und Kasachstan (50,6 t) vor. Die Nachfrage der Juweliere für die Anfertigung von Goldschmuck war mit 2.200 t nahezu unverändert, wobei China und Indien die Hauptmärkte sind. Im Technologiebereich wurden 334,6 t Gold benötigt (+1%), während die Käufe von Barren und Münzen um 4% auf 1.090 t zulegten. Hier gab es erneut großes Interesse in China und Indien, zunehmend aber auch aus dem Iran.