Zukunftsmarkt Medizintechnik: „Wichtig ist eine breite Streuung“

Veröffentlicht am 14. August 2019

Haspa Experte im Interview: Fabian Ewald ist Investmentfonds-Analyst im Private Banking der Hamburger Sparkasse und geht bei der Analyse nach dem sogenannten Best-Advice-Ansatz unabhängig von Anbietern vor. Er erklärt, warum das Thema Digital Health für Anleger spannend ist, wägt sorgsam Chancen und Risiken ab und lotet aus, welche Strategie sie verfolgen sollten und welche Produkte die Haspa empfiehlt.

Medizintechnik gilt als Megatrend. Handelt es sich um ein Modethema an der Börse oder könnte daraus ein solider Grundwert entstehen?
Den Trend gibt es zwar seit über zwanzig Jahren, dennoch ist die Innovationskraft ungebrochen. Entwicklungen wie die Digitalisierung des Gesundheitswesens fangen gerade erst an. Medizintechnik kann helfen, Kosten zu sparen und die stetig wachsende Nachfrage – Stichwort Überalterung – überhaupt bewältigen zu können. Die Zeichen stehen also gut, dass die Medizintechnik auch in den nächsten zwanzig Jahren „trendig“ bleibt. Wer plant, in stark wachsende Digital-Health-Unternehmen zu investieren, sollte langfristig anlegen und seine Investments gut diversifizieren. Ganz wichtig ist auch zu berücksichtigen, dass es sich hierbei um Aktien handelt, die Kursschwankungen unterliegen und bestimmte Risiken bergen.

Was genau wird unter den Schlagworten Medizintechnik und Digital Health zusammengefasst? Und wie grenzen sie sich von Pharma- und Biotech-Werten ab?
Nach unserer Definition gehören auch die Gesundheitsdienstleister zu Medizintechnik. Wie in den meisten Industrien werden hier nämlich oft die Produkte in Kombination mit den Dienstleistungen angeboten. Das Anlageuniversum umfasst also das gesamte Gesundheitswesen ohne die Medikamentenhersteller. Vor allem sind es Unternehmen aus dem Bereich Healthcare-IT und jene, deren Aktienkurs maßgeblich von ihrer Digitalisierungsstrategie getrieben wird. Es gibt auch einige wenige Zulieferer außerhalb des Gesundheitssektors, die Komponenten wie Sensoren und Software im Gesundheitsbereich anbieten.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist für viele Experten ein interessantes unternehmerisches Wachstumsfeld. Sie verspricht mehr Effizienz, bessere Behandlungsergebnisse, geringere Kosten. Doch stimmt das überhaupt?
Das stimmt, erfolgreiche Digital-Health-Unternehmen machen genau das. Sie sorgen für bessere klinische Ergebnisse bei gleichen oder niedrigeren Kosten. Je besser es ihnen gelingt, desto erfolgreicher werden sie sein. Das ist keine Gadget-Industrie. Es gibt keine Marktzulassung und keine Kostenrückerstattung ohne aufwändige klinische Studien, die beides belegen. Um kommerziellen Erfolg zu haben, brauchen sie alle Stakeholder an Bord – Patienten, Zulassungsbehörden, Zahler, Ärzte, Krankenhäuser. Das ist zwar langwierig und teuer, bietet aber auch Schutz gegenüber potenziellen Konkurrenten aus dem Technologiesektor. Dennoch: Auch bei sorgfältigster und kontrolliertester Vorgehensweise ist der Erfolg eines Unternehmens nicht sicher voraussagbar. Dieses Risiko muss man sich stets bewusst machen.

Der technologische Fortschritt ist rasant und schwer kalkulierbar. Welche Entwicklungen und Trends halten Sie für besonders zukunftsträchtig?
Ich bin der Meinung, dass das Technologierisiko bei Digital Heath vergleichsweise gut einschätzbar ist. In der Medizintechnologie geht es um Menschenleben, darum werden neue Technologien erst mit großer Verzögerung eingeführt, wenn sie bereits erprobt und sicher sind. Die einzelnen Komponenten können quasi vom Regal genommen werden und auch die Geschäftsmodelle sind bereits bekannt. Das reduziert das Risiko. Bei aller Euphorie sollte man sich jedoch sets der Risiken bewusst sein und bei der Anlage auf Unternehmen konzentrieren, die bereits am Markt sind und nachweislich Umsatz erwirtschaften.

Welche Produkte bietet die Haspa in diesem Anlagesegment konkret an?
Das Segment „Medizintechnik“ bietet langfristig gute Wachstumsperspektiven. Um davon zu profitieren, sollten Anleger in einen Aktienfonds investieren. Wir empfehlen den Bellevue BB Adamant Medtech & Services Fonds. Bellevue ist eine unabhängige Schweizer Finanz-Boutique, die sich vor allem auf Aktieninvestments im Gesundheitssektor spezialisiert und dabei eine langjährige Expertise aufgebaut hat. Der Bellevue BB Adamant Medtech & Services feiert bald sein zehnjähriges Jubiläum und bislang lag der jährliche Wertzuwachs bei rund 14,7 Prozent.

Die Brutto-Wertentwicklung von Fonds ist nach der BVI-Methode berechnet, die die Gesamtkosten auf Fondsebene berücksichtigt. Auf Anlegerebene fällt beim Kauf einmalig ein Ausgabeaufschlag von maximal 5,00 % an, bei einem beispielhaften Anlagebetrag von 1.000 Euro entsprechend 50 Euro. Zusätzlich können Depotkosten anfallen. Bitte vergleichen Sie hierzu das Preisverzeichnis Ihrer depotführenden Stelle. Quelle: Thomson Reuters
Hinweis: Die vergangene Entwicklung stellt keine Garantie für die zukünftige Entwicklung dar.

Nach welchen Kriterien wird das Fondsportfolio aufgestellt?
Der Bellevue BB Adamant Medtech & Services ist klar auf wachstumsorientierte Geschäftsmodelle ausgerichtet. Im Fokus stehen Unternehmen mit einem überdurchschnittlich hohen Umsatz- und Gewinnwachstum oder jene, die sogar Alleinstellungsmerkmale haben, zum Beispiel durch ein attraktives Patentportfolio. Es wird genau analysiert, welchen medizinischen Nutzen die Produkte und Dienstleistungen bieten, in welchem Ausmaß die Gesundheitssysteme entlastet werden und wie hoch die Marktpotenziale sind.

Was ist noch wichtig bei der Beurteilung der Unternehmen?
Wesentlich sind auch stabile und gut prognostizierbare Cashflows, die den Fonds weniger schwankungsanfällig gegenüber Marktturbulenzen machen. Diese sind vor allem bei etablierten Herstellern von Medizintechnik zu finden: Prothesen, Herzklappen oder etwa der Ersatz eines Operationsroboters lassen sich nun mal nicht aufschieben wie eine Urlaubsreise oder ein neues Auto. Der Fonds investiert zu circa 70 Prozent in Aktien von Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung und etabliertem Geschäftsmodell. Die anderen 30 Prozent sind dem Bereich Digital Health zuzuordnen, wobei kleiner kapitalisierte und stark wachsende Unternehmen hoch diversifiziert beigemischt sind.

Wenn ich mich als Anleger für ein spezielles Segment der Medizintechnologie interessiere, beispielsweise für Anti-Aging oder Pflege-Robotik, kann ich mit der Haspa eine entsprechende Anlagestrategie entwickeln und umsetzen?
Die Medizintechnologie selbst ist bereits ein spezielles Anlagethema. Daher raten wir hier explizit zu einem breiteren Ansatz, der das gesamte Segment der Medizintechnik berücksichtigt. Wichtig ist eine ausreichende Streuung. Wer sich etwa nur auf Pflege-Robotik konzentrieren würde, sähe sich mit einem zu kleinen Anlageuniversum, einer begrenzten Marktliquidität und sehr ähnlichen Geschäftsmodellen konfrontiert, die gleichermaßen von schwankenden Marktgegebenheiten betroffen sind. Hier schätzen wir die Expertise der Bellevue Group im Gesundheitssektor, die das Ohr näher am Geschehen hat und am besten beurteilen kann, ob etwas nur ein Modethema ist oder sich als fundamental unterlegter Anlagetrend qualifiziert.