ZEW Indikator im August abgestürzt

Veröffentlicht am 13. August 2019

ZEW Indikator im August abgestürzt

Der vom Mannheimer Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW ermittelte konjunkturelle Frühindikator stürzte im August regelrecht ab. Sein Minus verdoppelte sich nahezu auf minus 44,1 Zähler, den tiefsten Stand seit 2011. Er signalisiert damit die wachsende Angst der Kapitalmarktexperten vor einer Rezession in Deutschland.

Zuvor bereits dreimal gesunken

Der ZEW Indikator befindet sich nach einer vorübergehenden Erholung seit Mai wieder in einem steilen Abwärtstrend. Er spiegelt die zunehmende Angst wider, dass sich der Abschwung in Deutschland fortsetzt und in eine Rezession mündet.

Unter Rezession sei hier der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in zwei direkt aufeinanderfolgenden Quartalen verstanden, auch bekannt als technische Rezession. Nicht gemeint ist eine schwere Rezession, verbunden mit Massenentlassungen, sinkenden Einkommen und einer hohen Arbeitslosenquote.

BIP im 2. Quartal gesunken? 

Am morgigen Mittwoch veröffentlicht das Statistische Bundesamt seine “Schnellschätzung” zur Wachstumsrate des BIP im 2. Quartal. Am Markt wird ein Minus von 0,1% zum Vorquartal erwartet. Aus den bisher vorliegenden Ergebnissen anderer Euro-Länder und der Euro-Zone leitet sich allerdings ein unveränderter Wert ab.

Nimmt man den ZEW Indikator als Maßstab, dürfte sich die Wachstumsrate auch im laufenden 3. Quartal in der Nähe der Nulllinie bewegen. Für das Gesamtjahr 2019 zeichnet sich ein Zuwachs des BIP von etwa 0,5% ab.

Fazit: Der ZEW Indikator stärkt die EZB in ihrer Absicht, vorbeugend die Zinsen zu senken und / oder andere Instrumente einzusetzen, um die Zinsen extrem niedrig zu halten.

 

Hintergrund:

Vorbote konjunktureller Wendepunkte

Der ZEW Indikator gilt als Vorbote konjunktureller Wendepunkte in Deutschland. Die ZEW Konjunkturerwartungen sind ein Frühindikator für die wirtschaftliche Lage, vergleichbar mit den ifo Geschäftserwartungen. Abgefragt werden die Erwartungen für die kommenden sechs Monate.

Bis zu 300 Experten*innen werden befragt

Seit 1991 werden im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests monatlich bis zu 300 Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen ausgewählter Großunternehmen nach ihren Einschätzungen und Prognosen wichtiger internationaler Finanzmarktdaten befragt.

Der ZEW-Finanzmarkttest fängt die vorherrschende Stimmung unter den deutschen Finanzanalysten/-innen ein. Die wichtigsten internationalen Finanzkennzahlen sind Gegenstand dieser Befragung: Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes, Wechselkurse sowie der Ölpreis.

An der August-Umfrage des Finanzmarkttests vom 4.8.2019 – 12.8.2019 beteiligten sich 193 Analysten.