Neuseeland: Leitzins kräftig gesenkt, Kiwi gibt nach

Veröffentlicht am 7. August 2019

Neuseeland: Leitzins kräftig gesenkt, Kiwi gibt nach

Mit den Worten “Tena koutou katoa, welcome all” beginnt das Statement der Reserve Bank of New Zealand (RBNZ), in der sie mitteilt, dass der Leitzins gerade um 50 (!) Basispunkte auf 1,00% gesenkt wurde. Eine Senkung entsprach zwar den Erwartungen. Allerdings rechneten die Marktteilnehmer überwiegend mit einer Ermäßigung um 25 Basispunkte.

Die kräftige Zinssenkung war aus Sicht der RBNZ erforderlich, um die Inflations- und Wachstumsziele zu gewährleisten. Die Wachstumsraten hätten sich gegenüber dem Vorjahr verringert. Der konjunkturelle Gegenwind nimmt zu.

Ein großer Schritt statt zwei kleiner

Die RBNZ teilte mit, man habe zwei Varianten diskutiert. Entweder eine Senkung um 25 Basispunkte plus Ankündigung einer weiteren Zinssenkung. Oder gleich eine Senkung um volle 50 Punkte. Das Komitee habe sich für den großen Schritt entschieden.

Damit dürfte die Official Cash Rate (OCR) zunächst einmal bei 1,00% verharren.

Kiwi im Sinkflug auf 1,75 pro Euro

Bereits im Vorfeld der Notenbanksitzung gab der Wechselkurs des Neuseeland Dollar („Kiwi”) deutlich nach und fiel schließlich in den Bereich um 1,75 NZD pro EUR. Gegenüber dem Euro weist er im bisherigen Jahresverlauf ein Minus von 2,6% auf. Seit Anfang 2018 gab er um knapp 4% nach.

Auf dem Wachstumspfad

Aotearoa, das „Land der langen weißen Wolke”, lag 2018 mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 296 Mrd. Neuseeland Dollar (NZD) bzw. 206 Mrd. USD auf Platz 48 der BIP-Weltrangliste. Das Land hat 4,75 Mio. Einwohner und befindet sich seit 2009 auf einem beeindruckenden Wachstumspfad.

BIP 2018: +2,9%

Im vergangenen Jahr setzte sich der kräftige Aufschwung fort. Im Gesamtjahr 2018 lag die Wachstumsrate des BIP bei 2,9%. Höhere Staatsausgaben, die zunehmende Beschäftigung sowie anziehende Investitionen stärkten die Binnennachfrage. Unterstützung kam auch vom Bevölkerungswachstum und der Zuwanderung. Beide Faktoren haben sich zuletzt etwas abgeschwächt.

2019: Was machen China und Australien?

Die weitere konjunkturelle Entwicklung Neuseelands dürfte maßgeblich davon beeinflusst werden, wie es bei den bedeutendsten Handelspartnern Australien und China weitergeht. Probleme dürften entstehen, wenn der Handelsstreit zwischen den USA und China eskalieren sollte.

Starker Jahresauftakt

Trotz wachsender Unsicherheiten bezüglich des Welthandels wuchs das neuseeländische BIP im 1. Quartal um 0,6% zum Vorquartal. Die Wachstumsrate für das Gesamtjahr 2019 wird sich gemäß der Notenbank-Projektion in diesem Jahr auf 2,4% ermäßigen. Wir halten diese Schätzung für realistisch.

Insgesamt haben sich nach Einschätzung der RBNZ die konjunkturellen Risiken erhöht. Die Binnennachfrage wächst langsamer, weil die Hauspreise sinken und das Wirtschaftsvertrauen nachlässt. Höhere Staatsausgaben und niedrigere Zinsen sollen die Konjunktur stärken.

Inflationsrate im Zielbereich

Die Kapazitäten sind gut ausgelastet, der Arbeitsmarkt “brummt, der Beschäftigungsstand dürfte am Limit sein.

Die Inflationsrate liegt mit 1,7% zwar in der von 1% bis 3% reichenden Zielzone der RBNZ, aber lediglich in der unteren Hälfte. Die Leitzinssenkung sollen auch dazu dienen, die Inflationsrate wieder in die Mitte des Korridors zu bringen.

Solide öffentliche Finanzen

Zu den fundamentalen Pluspunkten Neuseelands zählen die öffentlichen Finanzen. Beim Staatshaushalt wird auch 2019 ein Überschuss von knapp 1% des BIP erwartet. Die Staatsschuldenquote ist mit 29% des BIP im internationalen Vergleich relativ gering. Schwachpunkt des Datenkranzes bleibt die Leistungsbilanz mit einem erwarteten Defizit von 3,5% des BIP.

Fazit: Engagements in Neuseeländischen Dollar werden zunehmend uninteressant, da die Renditen deutlich gesunken sind und der Kiwi keine Zinsunterstützung durch die Notenbank erwarten kann.