England: Leitzins unverändert, Warten auf den Brexit

Veröffentlicht am 1. August 2019

England: Leitzins unverändert, Warten auf den Brexit

Die Bank of England (BoE) ließ den Leitzins Anfang August erwartungsgemäß bei 0,75%.

Sie betonte, die geldpolitische Reaktion auf den Brexit – egal in welcher Form – werde nicht automatisiert erfolgen, sondern kann in beide Richtungen gehen. Beschlossen werde, was angemessen sei, um die Inflationsrate im Bereich des Zielwertes von 2% zu halten.

Für den Fall eines “weichen” Brexit signalisiert die BoE weiterhin überschaubare Leitzinserhöhungen. Bei einem “harten” Brexit dürfte der Zins gesenkt werden.

Starkes 1. Quartal war Strohfeuer

Das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) expandierte in den ersten drei Monaten des Jahres um beeindruckende 0,5% gegenüber dem Vorquartal. Im Vorjahresvergleich ergab sich ein Plus von 1,8%. Der starke Jahresauftakt dürfte sich allerdings als konjunkturelles Strohfeuer erweisen.

Wachstumstreiber waren nämlich Unternehmen, die noch vor dem vermeintlichen Brexit-Termin am 29. März ihre Lager auffüllten, um sich gegen eine mögliche Unterbrechung der Lieferketten bei einem “harten” Brexit abzusichern. So trugen die Bruttoinvestitionen knapp 2 Prozentpunkte (Pp.) zum Wachstum bei. Der Außenbeitrag fiel dagegen extrem negativ aus und kostete mehr als 2 Pp. Vom privaten Verbrauch kam ein Wachstumsbeitrag von 0,42 PP.

BIP 2019: +1,2%

Die Notenbank rechnet im 2. Quartal mit einer Stagnation des BIP.  Gleichwohl dürfte die Wachstumsrate des BIP im Vereinigten Königreich (UK) aufgrund des starken Jahresauftakts im Gesamtjahr 2019 mit 1,2% deutlich stärker ausfallen als in Deutschland mit geschätzten 0,7%. Im Vorjahr lag das Plus in UK bei 1,4%.

Insgesamt ist Großbritannien mit einem BIP von gut 2.000 Mrd. Pfund Sterling (GBP) bzw. 2.500 Mrd. US-Dollar hinter Deutschland die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Hintergrund:

Bank of England gebremst durch Brexit

Die Bank of England erhöhte den Leitzins (Bank Rate) zunächst im November 2017 auf 0,50% und signalisierte ihre Bereitschaft zu weiteren Anhebungen. Allerdings ließ der nächste Zinsschritt auf sich warten, weil die Konjunkturdaten Anfang 2018 unter den Erwartungen lagen und die Inflationsrate wieder sank.

Erst Anfang August 2018  wurde der Leitzins auf 0,75% angehoben. Die nächste Erhöhung dürfte erst vorgenommen werden, wenn der Brexit zustande gekommen ist oder langfristig verschoben wird.

Derzeit gilt der 31. Oktober als spätester Brexit-Termin. Sollte es bis dahin keinen Vertrag zwischen EU und UK geben, kommt es zum “harten” Brexit. UK würde aus der EU, dem Binnenmarkt und der Zollunion ausscheiden. Es gelten dann die Regeln der Welthandelsorganisation WTO, Zölle werden erhoben, Grenzkontrollen sind erforderlich.

Anleihekäufe bis 2012

Die Bank of England erwarb im Rahmen eines Quantitative Easing (QE) von 2009  bis 2012 Anleihen im Volumen von 435 Mrd. GBP am Markt, um die Folgen der Weltwirtschaftskrise abzufedern. Mit dem Abbau dieser Bestände soll erst begonnen werden, wenn der Leitzins auf 1,50% gestiegen ist. Dies dürfte frühestens 2020 der Fall sein.

Inflationsrate im Zielbereich

Der Preisdruck hat sich nach dem inflationären Höhenflug 2017 wieder verringert. Die Inflationsrate lag im Juni bei 2,0% und dürfte im Jahresdurchschnitt 2019 den Zielwert der Bank of England leicht unterschreiten. Dieser liegt bei 2%. In den Jahren 2020 und 2021 werden die Teuerungsraten ihn nach Einschätzung der BoE ziemlich genau treffen.

Leistungsbilanz stark negativ

Die Staatsschuldenquote wird 2019 auf 86% des BIP und das Haushaltsdefizit auf 1,4% des BIP geschätzt. Das chronische Leistungsbilanzdefizit bleibt eine Schwachstelle im britischen Datenkranz, es dürfte 2019 auf mehr als 4% des BIP klettern.