Australien: Leitzins gesenkt, Aufschwung verliert an Schwung

Veröffentlicht am 5. Juni 2019

Australien: Leitzins gesenkt, Aufschwung verliert an  Schwung

Die Reserve Bank of Australia (RBA) hat überraschend den Leitzins von 1,50% auf 1,25% gesenkt. Es war die erste Änderung der Cash Rate in Australien seit drei Jahren. Und es muss nicht die letzte Senkung gewesen sein. Bei einer Eskalation des Handelsstreits könnten weitere Zinsschritte erforderlich sein.

Zinssenkungen gegen wachsende Unsicherheit

Begründet wurde der Zinsschritt mit den wachsenden Unsicherheiten im Zuge des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Zudem soll das Beschäftigungswachstum in Australien gestützt werden. Die Leitzinssenkung soll außerdem die Inflationsrate wieder in ihre Zielzone von zwei bis drei Prozent klettern lassen.

A-Dollar mit Aufwärtspotenzial

Der Australische Dollar (A-Dollar) hat auf die Leitzinssenkung bisher kaum reagiert. Er legte gegenüber dem Euro im bisherigen Jahresverlauf gut 1% zu, hat jedoch seit Anfang 2018 rund 4% verloren.

Der A-Dollar bezieht sein Aufwärtspotenzial aus den insgesamt guten fundamentalen Rahmendaten. Australien verfügt über solide Wachstumsraten, stabile Preise und solide öffentliche Finanzen.

China ist der wichtigste Handelspartner

Von besonderer Bedeutung ist zudem die konjunkturelle Entwicklung in China, denn das Reich der Mitte ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Australiens. Der bilaterale Handel macht rund 45% des australischen BIP aus, rund ein Drittel der australischen Exporte gehen nach China.

Aufschwung verliert an Schwung

Der Aufschwung in Australien hält an, verliert aber an Schwung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im 1. Quartal 2019 zwar 0,4% über dem Vorquartalswert, im Vorjahresvergleich ging das Plus jedoch auf 1,8% zurück.

Wachstumsweltmeister

Gleichwohl konnte Australien damit seine eindrucksvolle Serie als “Wachstumsweltmeister” fortsetzen. Seit nunmehr 27 Jahren bzw. 111 Quartalen liegt das BIP über dem Wert des Vorjahresquartals. Das Land Down Under belegte 2018 mit einem preisbereinigten BIP von 1.891 Mrd. Australischen Dollar (AUD) bzw. 1.428 Mrd. USD Platz 14 der Weltrangliste.

BIP 2018: +2,8%

Das Wachstum wurde im Schlussquartal 2018 zuletzt alleine von der Binnennachfrage getragen. Während die privaten Investitionen wegen des rückläufigen Wohnungsbaus nachgaben, zogen die öffentlichen Investitionen aufgrund einiger größerer Infrastrukturprojekte an.

Stark rückläufig waren die Ausfuhren, die Importe stiegen leicht. Per Saldo verblieb Ende 2018 ein Anstieg des BIP um 0,2% zum Vorquartal bzw. 2,3% zum Vorjahresquartal.

Im Gesamtjahr 2018 ergab sich eine Wachstumsrate des BIP von 2,8% nach 2,4% in 2017.

BIP 2019: +2,0%

Die Notenbank RBA rechnet in ihrem Basisszenario mit einem Anstieg des BIP von jeweils 2,75% in 2019 und 2020. Wir halten diese Werte für zu hoch gegriffen und erwarten lediglich eine Wachstumsrate im Bereich um 2,0%.

Positive Impulse sind von zunehmenden Infrastrukturinvestitionen zu erwarten. Unsicherheit besteht bezüglich der privaten Konsumausgaben, denn die Haushalte werden von lediglich geringen Lohnsteigerungen und sinkenden Häuserpreisen belastet.

Inflationsrate unter dem Zielbereich

Die Verbraucherpreise sollen gemäß RBA zwischen 2% und 3% steigen. Die Inflationsrate ist zwar im März auf 1,3% gefallen. Im Gesamtjahr soll sie gemäß Prognose der Notenbank bei etwa 2% liegen.

Die ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise berechnete Kernrate der Inflation wird für 2019 auf 1,75%, für 2020 auf 2% und danach auf gut 2% geschätzt.

Solide Staatsfinanzen

Die Staatsschuldenquote (41% des BIP) und das Haushaltsdefizit (0,5% des BIP) bewegen sich auf moderaten Niveaus. Der Minuspunkt im fundamentalen Datenkranz ist die defizitäre Leistungsbilanz. Im laufenden Jahr 2019 dürfte sich die Unterdeckung nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds auf gut 3% des BIP ausweiten.