Rendite auf Rekordtief: Der Zins ist tot

Veröffentlicht am 31. Mai 2019

Rendite auf Rekordtief: Der Zins ist tot

Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe unterschritt heute mit minus 0,21% den bisherigen Tiefstand aus dem Juli 2016.

Sicherer Hafen gesucht

Der aktuelle Rückgang hat mehrere Gründe. So sorgen die Zolldrohungen der USA gegenüber Mexiko für neue Verunsicherung und deutlich sinkende Aktienkurse. Beim Brexit ist keine “weiche” Lösung in Sicht. Die Besetzung der Führungspositionen in der EU wird komplizierter als erwartet. Und am Horizont leuchtet ein mögliches Strafverfahren der EU gegen Italien auf und bringt zusätzliche politische Unsicherheit an die Märkte. Vor diesem Hintergrund wird verstärkt der sichere Hafen der Bundesanleihen angesteuert.

Inflation unter dem Zielwert

Auch der deutliche Rückgang der Inflationsrate in Deutschland im Mai dämpft die Renditen. Das Motto unserer Frühjahrsprognose “Der Zins ist tot” gilt weiterhin.

Zinsauftriebskräfte schwach oder verschwunden

Und der Zins wird wohl auch erst einmal “tot” bleiben, sprich, ein negatives Vorzeichen tragen. Denn die klassischen Zinsauftriebskräfte haben sich weiter abgeschwächt oder sind gar verschwunden.

So ist keine konjunkturelle Überhitzung in Sicht, die überschießende Inflationsraten verursacht, die dann von der Notenbank mit höheren Leitzinsenbekämpft werden müssen.

Potenzialpfad verfehlt

Im Gegenteil: Sowohl die Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts als auch die Inflationsraten bewegen sich unter den “Normalwerten”. Die Produktionsmöglichkeiten in Deutschland erlauben eine Wachstumsrate des BIP von 1,4%, ohne dass es zu Überhitzungserscheinungen kommt. Dieses Produktionspotenzial wird jedoch nicht ausgenutzt, der Potenzialpfad wird unterschritten. Das BIP dürfte in diesem Jahr lediglich um 0,8% wachsen.

Inflation unter dem Zielwert

Auch die Inflationsrate bewegt sich unter dem Zielwert von “nahe, aber unter 2%”. Sie dürfte im Mai auf 1,5% zurückgegangen sein und im Gesamtjahr 2019 ebenfalls 1,5% betragen.

Fazit: Der Zins ist tot und dürfte es noch eine Weile bleiben. Wer Erträge  in Form von Ausschüttungen will, kommt an Aktien und deren Dividenden nicht vorbei.