Bitcoin: Deutlich erholt nach großer Order

Veröffentlicht am 23. April 2019

Bitcoin: Deutlich erholt nach großer Order

Die Kryptowährungen haben sich in den vergangenen Wochen kräftig erholt. Die Initialzündung lieferte Anfang April ein sehr großer Kaufauftrag. Für 100 Mio. USD wurden rund 20.000 Bitcoin nachgefragt. Die Großorder ließ den Bitcoin-Kurs um rund 20% steigen. Dadurch wurden technische Kaufsignale generiert, die für weitere Nachfrage sorgten.

Gleichwohl konnte das Kursniveau von vor dem Absturz Mitte November noch nicht wieder erreicht werden. Das Marktgewicht aller Cyberwährungen hat sich mittlerweile auf rund 185 Mrd. USD erholt. Dies entspricht allerdings lediglich etwa dem eineinhalbfachen Gewicht aller SAP-Aktien.

1 Bitcoin in US-Dollar

1 Bitcoin in Euro

Bitcoin unangefochten auf Platz eins

Von den derzeit 2132 Krypto- oder Cyberwährungen sind Bitcoin, Ethereum und Ripple die bekanntesten und bedeutendsten. Bei der Marktkapitalisierung belegen Ethereum und Ripple die Plätze Zwei und Drei. Unangefochtene Nummer eins bleibt Bitcoin mit einem Marktanteil von gut 53%.

Quelle: coinmarketcap.com

Digitale Währungen seit Ende 90-er Jahre
Die ersten Ideen zur Schaffung digitaler Währungen gab es Ende der 90-er Jahre. Umgesetzt wurden sie aber erst im Umfeld der Finanzmarktkrise 2008 von einem gewissen Satoshi Nakamoto. Ob es sich dabei um eine Person oder das Pseudonym für eine Gruppe handelt, ist nicht geklärt. Auf jeden Fall wurden im Januar 2009 die ersten Bitcoins „geschürft”. Zwei Jahre später folgten Litecoin, 2013 Ripple und 2015 Ethereum

2017 Hype / 2018 Absturz / 2019 Erholung

Ab 2015 nahm die Aufmerksamkeit für Kryptowährungen stetig zu und mündete Ende 2017 schließlich in einen Hype, der die Kurse explodieren ließ. Das Jahr 2018 entwickelte sich dagegen zum „Annus horribilis”. Die damaligen Höchstkurse sind trotz der jüngsten Erholung außer Sichtweite.

Künftig zwei Krypto-Märkte?

Wie geht es weiter? Bei den Kryptowährungen ist eine Trennung in zwei völlig unterschiedliche Märkte denkbar.

Die „freien Kryptos” dürften weiterhin völlig unreguliert geschaffen und gehandelt werden. Sie würden den ursprünglichen Gedanken einer global verfügbaren Internet-Währung weiterverfolgen, absolut unabhängig von Notenbanken und staatlichen Stellen. Massive Preisschwankungen müssten dafür in Kauf genommen werden.

Die „regulierten Kryptos” und ihre Handelsplattformen dagegen würden der Börsenaufsicht und den Zulassungsbehörden unterliegen. Bei der Emission und dem Handel mit ihnen und ihren Derivaten werden bestimmte Standards einzuhalten sein. Auf diese Art und Weise könnte das Vertrauen der Anleger gewonnen werden

Auslaufmodell?

Sind die Kryptowährungen ein Auslaufmodell? Wie bei vielen Innovationen folgt einer Phase der Euphorie die Ernüchterung, in der sich „die Spreu vom Weizen trennt”. Dies dürfte auch bei den Kryptowährungen der Fall sein. Spieler, Neugierige und Spekulanten, die im 2017-er Hype eingestiegen sind, verlassen frustriert den Markt. Übrig bleiben diejenigen, die schon länger im Markt sind und an die Zukunft digitaler Währungen glauben. Sie dürften weiterhin „im Gewinn” sein, denn trotz aller Kursgewitter sind die Notierungen von Bitcoin und Co. immer noch höher als vor dem Hype. Es ist davon auszugehen, dass das Interesse der Anleger nach der jüngsten Kurserholung wieder zunimmt.

Regulierte Kryptos können Nische am Kapitalmarkt besetzen

Kryptowährungen sollten sich also nicht als Irrtum der Geschichte erweisen. Im Gegenteil: Regulierte Kryptos dürften sogar das Potenzial haben, eine Nische am Kapitalmarkt zu besetzen. Die Korrelation der Bitcoins mit den anderen Anlageklassen dürfte äußerst gering sein. Eine regulierte Form digitaler Währungen könnte daher das Vertrauen der Anleger erlangen und im Rahmen der Asset Allocation zur Risikostreuung eingesetzt werden

Blockchain-Technik als Basis

Kryptowährungen basieren auf der Blockchain-Technik. Standardisierte Datenblöcke („blocks”), in denen Datensätze gespeichert sind, werden mit Hilfe komplexer Rechenoperationen zu einer Kette („chain”) verbunden. Auf dieser Kette aus Blöcken („Blockchain”) werden auch die Kryptowährungen gespeichert. Es gibt also keine zentrale Verwaltung. Die Ketten liegen vielmehr auf den Rechnern der Teilnehmer eines dezentralen Netzwerks, das alle Transaktionen aufzeichnet.

Digitale Währungen wie Bitcoin werden also weder von Notenbanken geschaffen noch von einer Behörde überwacht. Sie entstehen durch „Schürfen”, indem leistungsstarke Computer im Zuge komplexer Rechenoperationen weitere Blöcke an die bestehende Kette anhängen. Diese „Miner” werden mit Bitcoins entlohnt.

Krypto-Miner sind Energiefresser

Kryptos sind Energiefresser. Das maximale Volumen an Bitcoin wurde von vornherein auf 21 Mio. Stück begrenzt. Da aktuell bereits 17.660.875 Exemplare existieren (23.04.2019), wird die Anzahl neu geschürfter Bitcoins immer weiter eingegrenzt. Dies geschieht, indem die Rechenoperationen stets komplexer werden, das Schürfen entsprechend aufwendiger. Konnte man Anfang 2009 angeblich noch Bitcoins mit einem privaten Rechner schürfen, ist dieses heute Betreibern großer Computernetzwerke vorbehalten.

Die rentabelsten Schürfstandorte befinden sich dort, wo Energie billig ist, häufig in China, wo umweltbelastende Kohlekraftwerke den Strom erzeugen. Der Energieverbrauch zum Schürfen von Kryptos ist gewaltig und wird immer größer. Schätzungen zufolge wurde im vergangenen Jahr für die Herstellung von Bitcoins mehr Energie verbraucht als in ganz Dänemark.

Sind Kryptos anlagetauglich?

Die Wechselkurse von Bitcoin und Co. kommen ausschließlich durch Angebot und Nachfrage zustande. Niemand überwacht den Handel, glättet extreme Ausschläge oder ordnet Handelsunterbrechungen an.  Mit extremen Kursschwankungen ist jederzeit zu rechnen. Selbst ein Totalverlust ist möglich, falls eine Währung einmal „out” sein sollte. Bei der Vielzahl digitaler Währungen ist völlig unsicher, welche von ihnen sich langfristig durchsetzt und die Gunst der Nutzer bewahren kann. Derzeit hat Bitcoin die Nase vorn, während Ethereum und Ripple mit Abstand folgen. Gibt es einen Favoritenwechsel, können Wechselkurse rasch verfallen. Im Extremfall kann eine Digitalwährung sogar wertlos sein, denn es gibt weder einen inneren noch einen „fairen” Wert.

Fazit: Kryptowährungen sind in unregulierter Form nicht für eine Anlage geeignet. Sollte es jedoch eine regulierte Form digitaler Währungen geben, könnte diese als Ergänzungsanlage in Erwägung gezogen werden