Substanz oder Wachstum?

Substanz oder Wachstum?

 

In den vergangenen Wochen und Monaten war immer wieder die Rede von „substanzstarken” Werten. Auch in unserem Musterdepot galt es wiederholt, konjunktursensitive Titel durch substanzstarke Werte zu ersetzen, wie erst kürzlich durch den Tausch von Renault in Fresenius S.E. geschehen. Was macht eine Aktie zum Substanz-Titel? Wie unterscheiden sich diese von Wachstums-Titeln?

Fazit vorweg

Klassische Substanz-Investoren nehmen eine gesunde Bilanz als Basis für Ihre Anlageentscheidungen. So sollen über möglichst lange Zeiträume Gewinne erwirtschaftet werden, sowohl über Kurssteigerungen als auch über Dividendenerträge. Die Quintessenz liegt darin, Aktien zu finden, welche auf Basis ihres Substanzwertes zu niedrig bewertet sind, um nachhaltige Kurszuwächse zu sichern.  Der Growth-Ansatz hingegen basiert auf der Identifikation von Aktien, deren zukünftiges Wachstum unterschätzt wird und welche somit ein hohes Kurspotenzial besitzen. In unruhigen Börsenphasen bieten Substanzaktien das ruhigere Fahrwasser.

Viele Substanzwerte in der Old Economy

Substanz- oder auch Value-Titel zeichnen sich häufig durch ihre über Jahre und Jahrzehnte bewährten Geschäftsmodelle aus, sodass ein Großteil noch immer in der „Old Economy” zu finden ist. Hierzu zählen u. a. Versicherungen, Genuss- und Nahrungsmittelhersteller und Telekommunikationsunternehmen.

Bilanzen im Mittelpunkt

Von zentraler Bedeutung bei Substanz-Investments ist die Beurteilung der Bilanzen. Zur Bewertung der Unternehmen werden verschiedene Bilanzkennzahlen herangezogen. Eine wichtige Rolle spielt beispielsweise das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Buchwert eines Unternehmens je Aktie. Der Buchwert eines Unternehmens ist nichts anderes als das Eigenkapital – also die Summe des Anlage- und Umlaufvermögens – vermindert um die Verbindlichkeiten. In diesem Zusammenhang wird auch von der Substanz einer Firma gesprochen. Liegt dieser Wert unter 1 heißt das, dass das Unternehmen an der Börse weniger wert ist als alle Besitztümer des Unternehmens.

Hohe Dividendenrendite

Auch eine attraktive Dividendenrendite zählt zu den Merkmalen vieler Substanzunternehmen. Die Dividende ist der Teil des Gewinns, der an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Setzt man diese ins Verhältnis zum Aktienkurs ergibt sich die Dividendenrendite, also die theoretische Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Beispiel für ein substanz- und dividendenstarkes Unternehmen ist die Allianz mit einem Buchwert, der seit Jahren um 1 tendiert und einer Dividendenrendite von über 5%. Ziel eines Investments ist es, über zu niedrig bewertete Titel die langfristige Teilhabe an der Entwicklung und den Gewinnen der Unternehmen zu sichern.

Wachstumstitel setzen auf die Zukunft

Demgegenüber stehen die Wachstums-Titel (Growth). Sie profitieren von äußerst positiven Zukunftserwartungen und der Hoffnung auf ein später überdurchschnittliches Umsatz- und Gewinnwachstum. Dabei steht der Umsatz zunächst im Vordergrund. So erwirtschaftet Zalando seit Jahren kaum Gewinne, da die Strategie zunächst Kunden- und Marktanteilszuwächse und erst danach Gewinnsteigerungen vorsieht. Innovative Produkte und disruptive Technologien sind von immenser Bedeutung für Wachstumsunternehmen. Hierfür sind Kennzahlen wie das erwartete zukünftige Gewinnwachstum relevant: Das Price-Earnings-Growth-Ratio (PEG) setzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Relation zum erwarteten Gewinnwachstum in Prozent. Ein Unternehmen mit einem KGV von 20 und einem erwarteten Gewinnwachstum von 25% hätte somit ein PEG von 0,8. Werte unter 1 deuten auf eine Unterbewertung des Unternehmens im Hinblick auf das zukünftige Wachstum hin.

Viele Wachstumswerte in der Technologiebranche

Wie die nachfolgenden Beispiele vermuten lassen, ist ein Großteil der Wachstumswerte in der Technologiebranche beheimatet, was durch das rasante Wachstum selbiger im letzten Jahrzehnt bedingt ist. Da ein überdurchschnittliches Wachstum auch immer mit gewissen Risiken einhergeht, sind Schwankungen bei den Growth-Titeln meist ausgeprägter als bei den Value-Titeln.

Beispiele für Substanzwerte:

Allianz, Novartis, Orange

Beispiele für Wachstumswerte:

Netflix, Wirecard, Zalando