Handelsstreit: Hoffnung auf einen “Deal” wächst

Veröffentlicht am 25. Februar 2019

Handelsstreit: Hoffnung auf einen “Deal” wächst

Im Handelsstreit zwischen den USA und China sorgte der US-Präsident für etwas Entspannung. Nach “einem sehr guten Wochenende” mit entsprechenden Fortschritten in den Verhandlungen verschob er die für den 1. März angedrohte Erhöhung der Strafzölle. Eine neue Frist wurde bisher nicht genannt. Die Hoffnung wächst, dass China und die USA im März ein Abkommen schließen  und den Handelsstreit beilegen.

“Deal” wäre gut für steigende Kurse

Die von den USA ausgehenden Handelsstreitigkeiten überschatten das Geschehen am Kapitalmarkt seit mehr als einem Jahr. Sollte es den Kontrahenten gelingen, diese mit einem “Deal” zu beenden, dürfte dies an den Aktienbörsen einen Kursschub auslösen.

Welche Schäden sind zu befürchten?

Schätzungen des ifo Instituts zufolge dürfte die chinesische Wachstumsrate bei einer Fortsetzung des Handelsstreits im Extremfall um bis zu 0,5 % geringer ausfallen. Auch die Weltwirtschaft könnte um bis zu einen halben Prozentpunkt langsamer wachsen als im Normalszenario.

Warum sind die Wachstumsverluste nicht größer? 

Durch die Zölle werden die Warenströme nicht abgeschnitten, wie es bei Handelsbeschränkungen der Fall ist. Zölle verteuern die Einfuhr der betroffenen Waren und wirken wie eine Konsumsteuer. Die Warenströme können sich verringern. Sie können sich aber auch zu Anbietern hin verlagern, die von den Sonderabgaben nicht betroffen sind. Durch die bereits beschlossenen Zölle werden die Inflationsraten in China und den USA tendenziell steigen. Gleichwohl ist ein Überschießen der Inflation wenig wahrscheinlich, so dass voraussichtlich keine zusätzlichen monetären Bremsmanöver der Notenbanken erforderlich sind.

Hintergrund

Die USA erhöhten am 24. September 2018 das von Strafzöllen betroffene Volumen chinesischer Ausfuhren in die USA um 200 Mrd. USD. Der Zoll beträgt 10%. Er sollte eigentlich schon zu Jahresbeginn 2019 auf 25% erhöht werden. Die Maßnahme wurde allerdings auf den 1. März 2019 verschoben, um im Zuge von Verhandlungen die Grundlagen für eine “Deal” zu finden. China reagierte mit Zöllen zwischen 5% und 10% auf 60 Mrd. USD-US-Importe. Sie gelten ebenfalls ab 24. September.

Bereits seit dem 23. August erheben die USA auf Importe aus China im Volumen von 50 Mrd. USD einen Strafzoll von 25%. China antwortete mit gleicher Münze. Über die 200 Mrd. USD hinaus sind weitere US-Zölle auf 267 Mrd. USD China-Importe möglich, da die gesamten chinesischen Exporte in die USA rund 517 Mrd. USD ausmachen. China könnte allerdings nicht mehr mit den gleichen Volumina antworten, weil die Importe aus den USA mit rund 130 Mrd. USD deutlich darunter liegen. Allerdings dürfte China zu nicht-tarifären Handelshemmnissen greifen, die vor allem die großen US-Hightech-Unternehmen treffen.

Die Strafzölle im Detail

In Kraft:
USA, Februar 2018: Zölle auf Solarmodule und Waschmaschinen.
USA, März 2018: 25% Zoll auf Stahlimporte und 10% auf Aluminium
China, April 2018: Bis zu 25% Zoll auf 128 US-Produkte (von gefrorenem Schweinefleisch bis Wein, Früchte, Nüsse)
Mexiko, Juni 2018: Einfuhrzölle auf US-Produkte (u. a. Fleisch, Sojabohnen, Molkereiprodukte, Whiskey)
EU, Juni 2018: 25% Zoll auf US-Waren im Wert von 2,8 Mrd. EUR (u. a. Whiskey, Jeans, Motorräder)
USA, Juli 2018: 25% Zoll auf China-Importe im Volumen von 34 Mrd. USD
China, Juli 2018: Zölle auf US-Importe im Volumen von 34 Mrd. USD
USA, August 2018: 25% Zoll auf 279 Produkte aus China im Volumen von 16 Mrd. USD (Industrieprodukte wie Dampfturbinen, Metalle, Schmierstoffe, Chemikalien).
China, August 2018: 25% Zoll auf 333 US-Produkte im Volumen von 16 Mrd. USD (u. a. Rohöl, Diesel, Kohle, Stahlprodukte, Medizintechnik)
USA, September  2018: 10% auf zusätzliche 200 Mrd. USD Importe aus China, ab 01.01.2019 steigt der Zollsatz auf 25%
China, September 2018: 5% bis 10% Zoll auf 106 US-Waren im Volumen von 60 Mrd. USD

Angedroht:
USA: 20% Zoll auf importierte EU-Autos. Derzeit ausgesetzt.
USA: 25% auf weitere 267 Mrd. USD. Insgesamt wären dann mit 517 Mrd. USD die gesamten chinesischen Ausfuhren in die USA von den Strafzöllen betroffen.