Zinsforum: Zinsen bleiben unten

Veröffentlicht am 13. Februar 2019

Zinsforum: Zinsen bleiben unten

 

Stand 13.02.2019

Rückblick:

Die Rendite inländischer Anleihen hat sich in den ersten Wochen des neuen Jahres wieder stark ermäßigt. Auslöser waren diesmal jedoch keine neuen Wellen der „Flucht in Qualität”, bei denen die als sicher geltenden Bundesanleihen verstärkt nachgefragt werden. Ursächlich waren vielmehr geldpolitische Kursänderungen der US-Notenbank sowie der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei beiden wurde davon ausgegangen, dass sie im laufenden Jahr die Leitzinsen anheben. Nach den jüngsten Notenbanksitzungen scheint dies allerdings nicht mehr der Fall zu sein. Während sich die US-Notenbank alle Optionen offenhält, signalisierte die EZB, dass sie die erste vorsichtige Zinsanhebung wohl nicht mehr in diesem Jahr vornehmen wird. Zinsdämpfend wirkten auch die Inflationsraten, die in der Euro-Zone und in Deutschland im Januar auf 1,4% zurückgingen. Zudem wurden die konjunkturellen Wachstumserwartungen weltweit deutlich nach unten revidiert. Wenig Bewegung gab es vor diesem Hintergrund auch bei den Geldmarktsätzen, wo der 3-Monatssatz bei minus 0,31% verharrte.

Ausblick:

Die anhaltende Eintrübung der konjunkturellen Frühindikatoren in allen bedeutenden Volkswirtschaften signalisiert immer deutlicher, dass der globale Aufschwung seinen Zenit überschritten hat. In den USA dürfte die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr von 2,9% auf 2,5% zurückgehen. Der fünfwöchige Regierungsstillstand und der schwere Wintereinbruch können den Wert sogar noch drücken. In China stemmen sich Regierung und Notenbank mit Zinssenkungen und Konjunkturprogrammen den Bremskräften des Handelsstreits entgegen. Gleichwohl sollte das BIP-Plus von 6,6% auf gut 6% schrumpfen. In der Euro-Zone verflacht das Wachstum zusehends, so dass das BIP im laufenden Jahr wohl bestenfalls um 1,5% wachsen wird. Deutschland befindet sich im Konjunkturzyklus in der Phase des Abschwungs, so dass die Wachstumsrate von 1,5% auf gut 1% zurückgehen dürfte. Die Inflationsraten sind im Januar deutlich zurückgegangen und befinden sich weit unter dem Zielwert der EZB von „nahe, aber unter 2%”. In der Annahme moderater Energiepreisentwicklungen sollten sie im Gesamtjahr 2019 klar unter 2% bleiben. Angesichts fehlender Inflationsgefahren und eingetrübter Konjunkturaussichten wird die EZB an ihrer Nullzinspolitik festhalten. Zudem fallen die von den USA ausgehenden Zinsauftriebskräfte allenfalls moderat aus, da die US-Notenbank das Ende der Leitzinstreppe bereits erreicht haben könnte. Vor dem Hintergrund abnehmender Wachstumsraten, ausbleibender Inflationsgefahren und anhaltender politischer Verunsicherungen dürfte die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe nur wenig Aufwärtspotenzial besitzen und zunächst sogar noch unter der von uns angenommen diesjährigen Schwankungsbreite von 0,25% bis 0,75% bleiben.

Im Blickfeld: 

Geldpolitik: Richtungswechsel in USA und Euro-Zone

Die amerikanische Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) haben ihren geldpolitischen Kompass neu justiert. Signalisierte die EZB bisher ihre Absicht, die Leitzinsen „über den Sommer hinaus” auf dem aktuellen Niveau zu halten, so deutete sie nach der jüngsten Zentralbankratssitzung an, dass die erste Leitzinserhöhung wohl nicht mehr in diesem Jahr vorgenommen wird. Die sich abschwächende Konjunktur und leicht rückläufige Inflationsraten sprechen für eine Verschiebung der geldpolitischen Normalisierung. Die EZB wird zudem die Tilgungsbeträge ihres 2,6 Billionen EUR schweren Anleiheportfolios „so lange wie erforderlich” bei Fälligkeit vollumfänglich anlegen. Es handelt sich im Monatsdurchschnitt immerhin um knapp 17 Mrd. EUR, mit denen die EZB weiter steuernd eingreifen kann. Die Fed stellte auf ihrer Sitzung Ende Januar das Ende der Leitzinserhöhung in Aussicht. Sie werde bezüglich weiterer Leitzinserhöhungen „zurückhaltend” sein und habe sich nicht auf eine bestimmte Anzahl von Anhebungen festgelegt. Die Fed-eigenen Projektionen, die für 2019 zwei Zinserhöhungen vorsehen, seien lediglich Prognosen, aber kein Plan. Die Fed erklärte sich zudem bereit, die Bilanzverkürzung zu verlangsamen. Derzeit werden jeden Monat 50 Mrd. EUR der Fälligkeiten aus dem Fed-Portfolio nicht wieder reinvestiert. Dieser Betrag könne reduziert werden.

Fazit: Von den beiden bedeutenden Notenbanken werden die Märkte in absehbarer Zeit keinen Gegenwind erfahren. Die Niedrigzinsphase dürfte anhalten.

Markttechnik, Bund Future:

Der Bund Future bewegt sich wieder im Bereich mehrjähriger Höchststände, hat aber an Schwung verloren. Das Momentum bildete sich bereits zurück und spricht eher gegen einen weiteren Höhenflug des Bund Future. Dieser macht insgesamt einen überhitzten Eindruck und dürfte vor einer Korrektur stehen, die ihn wieder näher an die Unterstützungslinie bei 160 Punkten führt.

Momentum:

Internationale Zinsen:

Unter dem Gesichtspunkt der Diversifizierung bleiben Währungen interessant. Wie ist die Zinsunterstützung durch die Notenbanken? In Australien wurde der Leitzins im August 2016 auf das Rekordtief von 1,50% gesenkt und seither konstant gehalten. In der Sitzung Anfang Februar hielt sich die Reserve Bank of Australia sogar die Option offen, die Cash Rate bei Bedarf weiter zu senken. Das gleiche Bild gibt es in Neuseeland. Die Reserve Bank of New Zealand senkte die Official Cash Rate Ende 2016 auf 1,75%, wo sie auch 2019 und 2020 bleiben dürfte. In Norwegen spricht das fundamentale Umfeld für eine moderate Anhebung der Leitzinsen von aktuell 0,75%. Der nächste Zinsschritt könnte gemäß der Notenbank Norges Bank im März anstehen. In Schweden wurde der Leitzins bereits im Dezember von minus 0,50% auf minus 0,25% angehoben. Der nächste Zinsschritt könnte nach Einschätzung der Riksbank in der zweiten Jahreshälfte 2019 gegangen werden. Wir schließen allerdings nicht aus, dass er erst 2020 erfolgt.