Kolumne: Ein Gespenst namens Abschwung

Kolumne: Ein Gespenst namens Abschwung

Konjunktur. Es geht die Angst um, dass die Kraft der Weltwirtschaft schwindet. Deutsche Volkswirte beteiligen sich nicht an der Panikmache. Und sie haben Recht. Auch wenn die Hochkonjunktur endet, steht die deutsche Wirtschaft exzellent da.

In Kinderbüchern, in allen diesen Gutenachtgeschichten, die wir unseren Kindern vorlesen, da huschen kleine Gespenster herum und treiben Schabernack. Aber Gespenster in der Realität unserer gehetzten Alltagswelt? Da sagt jeder: Blödsinn! Aber das ist ein Irrtum. Seit August geistert nämlich tagtäglich ein quicklebendiges Gespenst durch Börsen und Handelssäle: das Gespenst namens Konjunkturabschwung.

Unterschiedliche Prognostiker und Strategen sind sich sicher: „Im Frühjahr 2019 ist er da.” Ja, es könnte sogar eher sein, heißt es an der Wall Street. „Verrückt, tiefer hängen!” Das ist der Kommentar der meisten deutschen Volkswirte. Die Fakten sprechen für sie: Der deutsche Arbeitsmarkt ist leer gefegt, der Kampf um Fachkräfte ist abenteuerlich, die Industrieanlagen sind bis oben ausgelastet, die Immobilienpreise scheinen nach wie vor zu boomen und die Kauflust der Deutschen bleibt munter.

„Wie denn nun?”, werden Sie mich fragen. „Das von den fünf Wirtschaftsweisen prognostizierte Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent für 2019 ist doch recht beachtlich. In welchem EU-Land läuft’s denn besser?” Ich selbst bin ganz auf Seiten der Wirtschaftsweisen. Die sagten in ihrem Herbstgutachten: Die deutsche Wirtschaft steigt vom Ross der Hochkonjunktur und wird nach und nach den Weg zu unaufgeregter Normalität einschlagen. Die Sicht der Finanzmärkte ist aber häufig eine andere, nämlich eine aus Schwarz oder Weiß bestehende und von Übertreibung gekennzeichnete.

Wenn es nicht mehr aufwärts geht, dann eben abwärts und die sich derzeit überhaupt nicht zu belegende Rezession ist ja auch nicht mehr fern. In der Tat ist der aktuelle Zyklus in der Konjunktur und den Börsen mittlerweile weit fortgeschritten. Heißt das aber in der logischen Ableitung, dass die nächste Krise bereits vor der Tür steht. Wohl kaum, wir sollten uns vielmehr damit beschäftigen, dass einem Herbst nun mal der Winter folgt, dies aber ein völlig normales Verlaufsmuster ist, auf das man sich gut vorbereitet einstellen kann. Klassische Krisen, die es allerdings auch immer geben kann, fühlen sich komplett anders an. An Panikmache sollte man sich nicht beteiligen.

Sollte es so kommen, dass wir allerorten einen Gang zurückschalten, werden die Herausforderungen für den Kapitalanleger sicherlich nicht einfacher, aber dennoch lösbar. Die Unternehmen dürften weit davon entfernt sein, über Dividendenkürzungen nachzudenken und somit steht von dieser Seite stetigen Ausschüttungen nichts entgegen. Halbwegs attraktive Zinsen gab es für qualitativ hochwertige Euro-Anleihen bis dato nicht und wird es vermutlich auch bis auf weiteres nicht geben. Alternativen finden sich in Fremdwährungsanleihen bester Qualität, dann allerdings mit den Schwankungen der Wechselkurse. Und dann sind da ja auch noch die Unternehmen mit den strukturellen Wachstumsfeldern wie z. B. in der Digitalisierung und Medizin aber auch im deutschen Maschinenbau. Alles in allem sind dies gute Möglichkeiten und Alternativen, sich auch im ruppiger werdenden Umfeld erfolgreich aufzustellen.