Handelsstreit: Waffenstillstand

Veröffentlicht am 3. Dezember 2018

Die USA und China haben sich im Handelsstreit auf neue Verhandlungen geeinigt. Die USA werden für 90 Tage auf die angedrohte Erhöhung der Strafzölle verzichten. Sie liegen derzeit bei 10% und sollten im Januar auf 25% angehoben werden. China hat zugesagt, mehr amerikanische Produkte zu kaufen. Zudem sollen die bei 40% liegenden Einfuhrzölle auf US-Importautos “reduziert und entfernt” werden.

Hintergrund:
Die USA haben am 24. September das von Strafzöllen betroffene Volumen chinesischer Ausfuhren in die USA um 200 Mrd. USD erhöht. Der Zoll beträgt 10% und erhöht sich zu Jahresbeginn 2019 auf 25%. China reagierte mit Zöllen zwischen 5% und 10% auf 60 Mrd. USD-US-Importe. Sie gelten ebenfalls ab 24. September.

Bereits seit dem 23. August erheben die USA auf Importe aus China im Volumen von 50 Mrd. USD einen Strafzoll von 25%. China antwortete mit gleicher Münze. Über die 200 Mrd. USD hinaus sind weitere US-Zölle auf 267 Mrd. USD China-Importe möglich, da die gesamten chinesischen Exporte in die USA rund 517 Mrd. USD ausmachen. China könnte allerdings nicht mehr mit den gleichen Volumina antworten, weil die Importe aus den USA mit rund 130 Mrd. USD deutlich darunter liegen. Allerdings dürfte China zu nicht-tarifären Handelshemmnissen greifen, die vor allem die großen US-Hightech-Unternehmen treffen.

Die von den USA ausgehenden Handelsstreitigkeiten überschatten das Geschehen am Kapitalmarkt. Sollte es den Kontrahenten gelingen, diese mit einem “Deal” zu beenden, dürfte dies an den Aktienbörsen einen Kursschub auslösen.

Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

In Kraft:
USA, Februar: Zölle auf Solarmodule und Waschmaschinen.
USA, März: 25% Zoll auf Stahlimporte und 10% auf Aluminium
China, April: Bis zu 25% Zoll auf 128 US-Produkte (von gefrorenem Schweinefleisch bis Wein, Früchte, Nüsse)
Mexiko, Juni: Einfuhrzölle auf US-Produkte (u. a. Fleisch, Sojabohnen, Molkereiprodukte, Whiskey)
EU, Juni: 25% Zoll auf US-Waren im Wert von 2,8 Mrd. EUR (u. a. Whiskey, Jeans, Motorräder)
USA, Juli: 25% Zoll auf China-Importe im Volumen von 34 Mrd. USD
China, Juli: Zölle auf US-Importe im Volumen von 34 Mrd. USD
USA, August: 25% Zoll auf 279 Produkte aus China im Volumen von 16 Mrd. USD (Industrieprodukte wie Dampfturbinen, Metalle, Schmierstoffe, Chemikalien).
China, August: 25% Zoll auf 333 US-Produkte im Volumen von 16 Mrd. USD (u. a. Rohöl, Diesel, Kohle, Stahlprodukte, Medizintechnik)
USA, September: 10% auf zusätzliche 200 Mrd. USD Importe aus China, ab 01.01.2019 steigt der Zollsatz auf 25%
China, September: 5% bis 10% Zoll auf 106 US-Waren im Volumen von 60 Mrd. USD

Angedroht:
USA: 20% Zoll auf importierte EU-Autos. Derzeit ausgesetzt.
USA: 25% auf weitere 267 Mrd. USD. Insgesamt wären dann mit 517 Mrd. USD die gesamten chinesischen Ausfuhren in die USA von den Strafzöllen betroffen.

Fragen:
Welche Schäden sind zu befürchten? Schätzungen des ifo Instituts zufolge dürfte die chinesische Wachstumsrate im Extremfall um bis zu 0,5 % geringer ausfallen. Auch die Weltwirtschaft könnte um bis zu einen halben Prozentpunkt langsamer wachsen als im Normalszenario.

Warum sind die Wachstumsverluste nicht größer? Durch die Zölle werden die Warenströme nicht abgeschnitten, wie es bei Handelsbeschränkungen der Fall ist. Zölle verteuern die Einfuhr der betroffenen Waren und wirken wie eine Konsumsteuer. Die Warenströme können sich verringern. Sie können sich aber auch zu Anbietern hin verlagern, die von den Sonderabgaben nicht betroffen sind. Durch die bereits beschlossenen Zölle werden die Inflationsraten in China und den USA tendenziell steigen. Gleichwohl ist ein Überschießen der Inflation wenig wahrscheinlich, so dass voraussichtlich keine zusätzlichen monetären Bremsmanöver der Notenbanken erforderlich sind.

Fazit:
Von den Handelsstreitigkeiten gehen beachtliche Verunsicherungen aus. Sie werden die Stimmung am Kapitalmarkt solange belasten, bis eine Lösung gefunden ist.